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Beamte tragen keine Verantwortung

01.10.2013 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Leonhard Lindner, Frickenhausen. Zum Leserbrief „Die Politiker und die Renten“ vom 14. September. Die Aussagen bedürfen einiger Ergänzungen und Erläuterungen. Der Verfasser vergleicht fälschlicherweise die Gehälter von Beamten der Endstufe des gehobenen Dienstes sowie des höheren Dienstes mit der Durchschnittsrente eines Standardrentners. Weshalb vergleicht er nicht zum Beispiel das Gehalt eines leitenden Angestellten eines großen Autoherstellers in Stuttgart mit dem eines Justiz- oder Polizeibeamten des mittleren Dienstes?

In diesem Fall übersteigt nämlich nachweislich bereits das Lebensarbeitseinkommen des Angestellten das des Beamten so erheblich, dass Letzterer trotz seiner „luxuriösen“ Pension den hierdurch entstandenen finanziellen Nachteil bei normaler Lebenserwartung nicht einmal annähernd ausgleichen kann! Weiterhin erfolgt die Besoldungserhöhung weder in der behaupteten Höhe von 5,5 Prozent, sondern gesplittet auf 2013 (2,45 Prozent) und 2014 (2,75 Prozent), wobei zudem das Tarifergebnis teilweise erst bis zu einem halben Jahr zeitversetzt in Kraft tritt und zusätzlich noch um die Versorgungsrücklage (0,2 Prozent) gekürzt wird. Unterschlagen wird dabei immer, dass der überwiegende Teil der Beamten, nämlich 85 Prozent, eine akademische Ausbildung hat – in der freien Wirtschaft beträgt dieser Anteil lediglich 18 Prozent! Schon aus diesen Gründen müssten die Durchschnittsgehälter beim Staat höher sein als in der Wirtschaft – das Gegenteil ist jedoch der Fall!

Eine objektive aktuelle Studie bescheinigt den Beamten einen historischen Gehaltsrückstand von 30 Prozent gegenüber den Gehaltsentwicklungen vergleichbarer Berufsgruppen in der freien Wirtschaft – wie kann man bei solchen Fakten von einer Luxusversorgung der Staatsdiener sprechen?

Auf der Ausgabenseite kommt der Rentner zeitlebens in den Genuss, bei nur auf den Arbeitnehmeranteil begrenztem Beitragssatz den gesamten Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung (KV) nutzen zu können, während der Beamte gezwungen ist, sich und seine Familienmitglieder bei voller Übernahme des Arbeitgeberanteils nach wie vor in der stetig teurer werdenden privaten KV abzusichern.

Hätten Politiker parteiübergreifend seit Jahren verantwortungsbewusster gewirtschaftet, wären enorme Überschüsse für die Pensionen vorhanden – die Beamten kann man für diesen Zustand jedoch nicht verantwortlich machen! Möge es Herrn Immel gelingen, dieses Dilemma durch geeignete Maßnahmen zu beheben, anstatt nur einseitige Kritik an einem Berufszweig zu üben.

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