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Leserbriefe

Augenwischerei

27.09.2008 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Walter Scholl, Oberboihingen. Zum Artikel „Kreisstraße als Rad- und Wanderstrecke“ vom 22. September. Eine schöne Sache, wenn die Tiefenbachtalstraße alljährlich einen Sonntag lang im September für den motorisierten Verkehr gesperrt wird und viele Menschen sich zu Fuß, auf dem Rad, mit Rollschuhen, Inlinern und anderen Sportgeräten nach Herzenslust auf der Fahrbahn vergnügen können.

Jedoch man sollte den Zeitungsleser nicht glauben machen, es handle sich dabei um eine Umweltaktion, bei der obendrein noch CO2 und Feinstaub eingespart würde. Im Gegenteil: Die Sperrung dieser Straße zwingt viele Autofahrer, einen Umweg von zirka sieben Kilometern zu fahren, da sie diese wichtige Verbindungsstrecke zwischen Neckartal und Schwäbischer Alb an diesem Tag nicht nutzen können. Tatsächlich müssen an einem solchen autofreien Tag zirka 20 000 Kilometer unnötige Umwege über Beuren oder Kirchheim gefahren werden, ganz zu schweigen von der großen Zahl Besucher dieser Veranstaltung, die zum Teil gar mit tonnenschweren Boliden mit mehreren hundert PS eigens zur Veranstaltung anreisen, um ihre Freizeitsportgeräte auszupacken und „einen auf Umwelt“ zu machen.

Seit Montag fühlen sich viele Veranstaltungsteilnehmer auf ihren alltäglichen Wegen offensichtlich doch lieber wieder mit ihrem Auto mobil, obwohl diese Wege laut Statistischem Bundesamt in den meisten Fällen nur wenige Kilometer betragen und oft eigentlich typische „Radwege“ wären. Leider treffe ich auf dem Weg zu meinem zehn Kilometer entfernten Büro nach wie vor nur ausgesprochen wenige andere Radfahrer, die es ähnlich machen. Ich fahre diese Strecke seit vielen Jahren täglich mit dem Rad und habe viel Spaß dabei. Dies spart so ganz nebenbei zirka 4000 Kilometer Pkw-Fahrt pro Jahr und bringt somit tatsächlich etwas für die Umwelt. Ich lade alle Leser ein, die eine oder andere kürzere „Nutzfahrt“ zum Kindergarten, in die Schule, zum Arbeitsplatz oder zum Zigarettenautomaten einfach mit dem Rad statt mit dem Pkw zu unternehmen. Das macht Spaß, spart Geld und reduziert tatsächlich die Umweltbelastung.

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