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Also worauf noch warten?

15.07.2022 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Ingrid Baumgärtner, Wendlingen. Zum Leserbrief „Atomausstieg – heilige Kuh der Grünen“ vom 8. Juli.

Bürger werden in den Ruin getrieben. Dem Leserbrief kann ich nur zustimmen. Gewissermaßen hat EnBW-Vorstand Georg Stamatelopoulos im Interview bestätigt, dass es rein technisch kein unüberwindbares Problem wäre, die Anlage in Neckarwestheim wieder hochzufahren, wenn es eine Notsituation erforderlich machen würde und die Politik auf sie zukommt.

Nach den Äußerungen unserer Politiker befinden wir uns doch bereits in solch einer Notsituation. Also worauf warten? Für mich ist das kategorische Nein der Bundesregierung und dem (grünen) Chef der Bundesnetzagentur nicht nachvollziehbar. Auch wenn sie in den Argumentationen richtig liegen, es ist jetzt eine andere Zeit. Und da gelten andere Spielregeln. Unverständlich, wie man sehenden Auges (mittlerweile sogar ständig) in Krisen läuft. Wieso kann man nicht in der jetzigen Lage die AKWs um zwei Jahre länger laufen lassen?

Natürlich ist der Atomausstieg unumgänglich. Aber es gilt zu handeln, die Bürger zu schützen, die Arbeitsplätze nicht in Gefahr zu bringen. Und das Wichtigste – den sozialen Frieden. Das würde Putin in die Karten spielen. Also gilt es alle möglichen Ressourcen, die wir noch haben, in Gang zu bringen. Noch nie in der Nachkriegszeit wurden die Bürger von einer Regierung in solche existenzielle Bedrängnis gebracht, manche sogar in den Ruin getrieben! Es können auch nicht kurz mal tausende Wärmepumpen installiert werden. Und die benötigen auch erst mal Strom für den Betrieb.

Das Gleiche gilt für alle nicht fossilen Energieträger, geht alles nicht von jetzt auf gleich. Das Versäumnis der Merkel-Regierung (nur wenige sahen es anders, zum Bespiel Norbert Röttgen) und die forcierte Abhängigkeit von Russland (mit Nordstream 2) ist mir sowieso unverständlich. In jedem Betrieb werden die wichtigsten Roh-Hilfs- und Betriebsstoffe nicht nur bei einem Lieferanten geordert. Das ist eigentlich unentschuldbar und das Ergebnis sehen wir heute. Aber vielleicht kommt dies auch, weil Wirtschaftsfachleute in den seltensten Fällen in Regierungsämtern anzutreffen sind. Ob der Begriff „FMEA“ dort bekannt ist?

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