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Alles nur noch digital?

11.09.2007 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Reinmar Wipper, Nürtingen. Zum Artikel Peter-Härtling-Gymnasium startet am Montag vom 5. September. Seit wenigen Tagen steht vor dem Jenisch-Gebäude ein Schild: Peter Härtling Privat Gymnasium. Diese Schule will nun also ohne Wandtafeln auskommen. Sie verwendet ein Präsentationsmedium namens Aktiv Board (entspräche Tabula Activans der angestrebten Geisteshöhe nicht eher?), dessen Wirkungsgrad weder untersucht noch ausgewertet ist. Dieser Medienzirkus ist schon so verinnerlicht, dass manche Schüler als Unterricht ein Spektakel erwarten wie im Fernsehen. Ein Wagen voller Geräte und Kabel, Lehrer spricht und bedient Knöpfe, Schüler lehnt sich zurück, erhält Papier (Handouts), trägt es heim und heftet es ab. Wer so dennoch etwas lernt, tut es wahrscheinlich nicht wegen, sondern trotz der Methode. Der digital beherrschte Unterrichtsbetrieb setzt außerdem einen einheitlichen Lerntyp voraus. Aber darauf nimmt das Schulsystem sowieso wenig Rücksicht.

Eine Karikatur in meinem Lehrerzimmer zeigt einen Lehrer der Tierschule. Er sagt zu seinen Schülern (Hund, Kamel, Frosch, Krebs, Schnecke und Sperling): Um allen gerecht zu werden, kriegt jeder dieselbe Aufgabe wer ist zuerst auf diesem Baum da? Mein fünfjähriger Enkel hat größtes Vergnügen, mit mir auf dem Papier etwas entstehen zu lassen: Zeichen, Buchstaben, Zahlen, Figuren, Gesichter, Geschichten. Manchmal nimmt er dann eine Schere und schnippelt daran herum. Beim Memory-Spiel knautscht er die Kärtchen in der Hand, als ob die Bildchen sich ihm dadurch in die Haut schieben sollten. Bauen tut er am liebsten mit Ästen, wertlosem Material, Schnur, Bäpp und Farbe. Das Angebot, am Computer selbständig Knobelaufgaben zu lösen, nimmt er nicht mehr wahr. Das Lernen mit allen Sinnen, vor allem auch mit den Händen und über Körperbewegungen, ist unersetzlich.

Unterricht ohne Tafel, auf der man etwas entstehen sieht, ist fragwürdig. Im Peter-Härtling-Privatgymnasium schreibt man offenbar nicht mehr nach, was der Lehrer bietet. Mein Vorschlag: Alles digitalisieren, einschließlich Lehrervortrag, online an die Lernkunden, zwischendurch zur Klausur bitten. Online natürlich, denn mit der Hand schreiben und darstellen können die Leutchen dann noch weniger als jetzt schon. Ob das dem Namenspatron dieser Elite-Schule recht sein kann?

Leserbriefe

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