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Änderungen sorgen viel eher für Spott

11.05.2013 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Gerhard Ostertag, Bissingen. Die am 1. April 2013 in Kraft getretene Straßenverkehrsordnung (StVO) kennt keine Fußgänger und Radfahrer mehr, nur noch „Zu Fuß Gehende“und „Rad Fahrende“. Auch heißt es jetzt „wer ein Fahrzeug führt“ statt „Fahrzeugführer“. Schon der Paragraf 1 der StVO (Grundregel) wurde umgeschrieben. Um den Begriff „Verkehrsteilnehmer“ zu umgehen, heißt es nun „wer am Verkehr teilnimmt“.

Grund für diese textlichen Umformulierungen: Auch Gesetzestexte sollen die Gleichstellung von Mann und Frau zum Ausdruck bringen. Apropos „Rad Fahrende“. Mit Blick auf den Bestseller „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ wäre das also dem Radfahrer sein Tod. Das Thema als solches ist ja nicht neu. Schon seit 1980 müssen Stellenausschreibungen geschlechtsneutral formuliert werden. Durch die Neufassung der Straßenverkehrsordnung bekam es wieder mehr Beachtung und führte zu Diskussionen in Presse, Internet und Rundfunk. Zum Beispiel titelte eine Zeitung „Neue Straßenverkehrsordnung sorgt für Spott“. Das Thema ist ergiebig und kann fast endlos ausgereizt werden.

Bei den Überschriften zu den einzelnen Paragrafen gibt es nach wie vor Fußgänger und Fußgängerüberwege und auch das Gefahrzeichen „Fußgänger“ warnt nur vor männlicher Unaufmerksamkeit. Auch ist weiterhin nur von Polizeibeamten die Rede, denen bestimmte Rechte zustehen. Damit soll es aber genug sein. Wo bleibt die Konsequenz? Ist ja auch nicht einfach. Wie geht es weiter? Die Zeit wird es zeigen.

Auf jeden Fall gibt es jetzt ein neues Sprichwort: Der oder die Klügere gibt nach.

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