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Abgassteuer für Kühe

10.11.2007 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Dr. Dietrich Frahne, Kohlberg. Zum Artikel Genug gebläht: Abgassteuer für Kühe und Schafe gefordert vom 6. November. Endlich kommt der ersehnte und längst überfällige Befreiungsschlag: Nicht das Auto ist das Schmuddelkind, nein, es gibt deren mehrere und damit im Grunde auch gar keins mehr. Es wurde ja auch wirklich Zeit, dass wir jetzt endlich klar sehen: Ein Kleinwagen, der jedem gegönnt sei, liegt mit einem Rindvieh als einem natürlichen Bestandteil unserer Umwelt bezüglich der auf ein Jahr bezogenen Klimaschädlichkeit auf gleichem Niveau. Warum deshalb nicht alle Verschmutzungsarten gleich behandeln und mit Verschmutzungssteuer belegen, wie Sprit, Zigaretten, Alkohol, Hunde und so weiter?

Doch näher zur Sache: Bei Lichte gesehen geht es nicht nur darum, was schädliche Auswirkungen hat, sondern wer sie verursacht und in welchem Maß sie verringert werden können. Ob man sich mit einem Auto fortbewegt oder gegebenenfalls eine andere Möglichkeit wählt, dafür bleiben uns viele Freiheitsgrade; für die Nutzung landwirtschaftlicher Erzeugnisse ist das schon etwas eingeschränkter. Zwar haben wir die Freiheit, uns energiegünstig und damit auch klimafreundlichst vegetarisch zu ernähren. Wenn wir andererseits nicht auf den zusätzlichen Genuss tierischen Eiweißes verzichten wollen, verursachen wir dafür mit der Umwandlung von pflanzlicher Nahrung in tierische Produkte einen drei- bis zehnfachen Verbrauch an (pflanzlicher) Primärenergie. In welchem Umfang der Einzelne dabei die Umwelt mit klimaschädlichen Auswirkungen belastet, hängt davon ab, ob wir uns mit Eiern und Fleisch aus der Geflügelproduktion in Käfighaltung begnügten (etwa dreifache Belastung), uns einen Schweinebraten leisten (etwa fünffache Belastung) oder gar auf ein Rindersteak keinesfalls verzichten wollen (etwa zehnfache Belastung).

Ferner lassen sich Genuss und Verbrauch steigern, wenn wir uns statt nur eines Stückchens Braten vielleicht zwei oder drei auf den Teller legen lassen. Dabei sollten wir allerdings auch nicht übersehen, dass es ebenfalls unter den Tieren unterschiedliche Ernährungsweisen gibt. So verwerten Wiederkäuer (Schafe und Rinder) Gras, Heu und Stroh, was dem Menschen nicht möglich ist. Wir Deutschen sind gewohnt, neue Erkenntnisse zunächst einmal aufzublähen, obgleich diesmal die Idee zuerst direkt aus Brüssel kam. Bei dieser Denkweise wäre es nicht verwunderlich, wenn sich bald ein Umweltökonom zu Wort meldet und feststellt, dass die Landwirtschaft mit nur knappen zwei Prozent an der Schaffung unseres Bruttosozialproduktes beteiligt ist. Unter diesem Aspekt könnte man auf die Landwirtschaft mit ihrem lächerlichen Anteil verzichten und unserer Umwelt zugleich 30 Prozent der klimaschädlichen Anteile ersparen. Die dann noch verbleibende Klimabelastung durch den Verkehr würde wieder verträglicher erscheinen. Und noch wichtiger: Eine weitere unliebsame Steuer würde uns erspart bleiben und für unsere Köpfe stünde noch mehr Stroh zur Verfügung.

Leserbriefe

Unverhohlene Parteibrille

Wolfgang Niefanger, Oberboihingen. Zum Leserbrief „Umstiegsfantasien helfen da wenig“ vom 7. Januar. Es ist ja bekannt, dass Missionierende per se alles besser wissen und somit auch immer recht haben (müssen).

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