Wissenschaft

Warum Wale nach ihrem Tod explodieren können

Der tote Buckelwal liegt aufgebläht vor der dänischen Insel Anholt -/News5/dpa

Nach dem Tod von Buckelwal «Timmy» wächst die Sorge davor, dass sein toter Körper vor der dänischen Küste explodieren könnte. Das sei bei Walen durchaus nicht ungewöhnlich, sagt die Biologin Anja Gallus vom Deutschen Meeresmuseum auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Doch warum ist das eigentlich so?

«Wenn ein Tier stirbt, beginnen sofort Verwesungsprozesse im Körper», erläutert Gallus. Währenddessen vermehren sich Bakterien, und bei der Zersetzung des organischen Materials entstehen unter anderem Faulgase, die den Leib aufblähen. Normalerweise würden kalte Luft oder kaltes Wasser den Körper kühlen und die Bakterienbildung etwas eindämmen. 

Doch Wale haben eine Besonderheit: Sie haben eine sehr dicke Fettschicht, die ihren Körper im kalten Wasser isoliert. Diese isolierende Fettschicht halte den Kadaver warm und begünstige so eine starke Vermehrung der Bakterien, erläutert die Biologin. Die entstehenden Faulgase könnten nicht entweichen, solange der Kadaver nicht geöffnet sei.

Nach dem Tod versinkt der Körper zunächst im Wasser, bläht sich dann aber mitunter durch die Gase auf und kann dann wieder zur Oberfläche aufsteigen. Wird der Körper nicht etwa durch Aasfresser geöffnet, kann er sich so weit aufblähen, dass er explodiert.

Wie lange dieser Prozess dauert, hängt von vielen Faktoren ab, etwa der Umgebungstemperatur. Im Sommer könne das binnen einiger Tage passieren, sagt Gallus, bei kälteren Temperaturen aber auch deutlich länger dauern. Wie es bei Buckelwal «Timmy» laufen werde, lasse sich nicht mit Gewissheit sagen.

Die dänischen Behörden wollen den Kadaver vor der Urlaubsinsel Anholt in einen Hafen in Jütland ziehen und den Wal dann möglicherweise obduzieren. Die dänische Umweltbehörde hat bereits davor gewarnt, sich dem Tier zu nähern. Auf Bildern des Livestream-Anbieters News5 war am Freitagmorgen zu sehen, dass er inzwischen extrem aufgebläht ist.

© dpa-infocom, dpa:260522-930-114931/1

Zur Startseite