Wissenschaft

Immer mehr US-Forschende zieht es nach Deutschland

Das Vorgehen der US-Regierung gegen Forschungseinrichtungen wirkt sich auch auf Bewerberzahlen in Deutschland aus. (Symbolbild) Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Internationale Forscherinnen und Forscher zieht es zunehmend nach Deutschland – gerade aus den USA. Bei mehreren deutschen Forschungsgesellschaften gingen nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr deutlich mehr Bewerbungen aus den USA ein, wie diese dem «Tagesspiegel Background» berichteten.

Die Humboldt-Stiftung verzeichnete 2025 etwa 32 Prozent mehr Anträge aus den USA als im Jahr zuvor, vor allem auf Forschungsstipendien. Im 4. Quartal seien es sogar gleich 65 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2024 gewesen.

Bei der Helmholtz-Gemeinschaft zeigte sich eine Verschiebung: Die Zahl der langfristig Forschenden mit US-Staatsbürgerschaft nahm 2025 um 11 Prozent zu, während die Zahl der Gastwissenschaftler mit US-Staatsbürgerschaft um 17 Prozent zurückging. Die Max-Planck-Gesellschaft verzeichnete beim eigenen «Lise-Meitner-Exzellenzprogramm» zur Förderung von Frauen in der Wissenschaft sogar dreimal so viele Bewerbungen aus den USA wie noch 2024.

Beim Deutschen Akademische Austauschdienst (DAAD) gingen laut «Tagesspiegel Background» von Studierenden und Studieninteressenten aus den USA mehr Bewerbungen ein: Bei Anträgen auf Studienstipendien in Deutschland verdoppelte sich die Zahl gegenüber 2024, auf ein gefördertes Praktikum für Bachelor-Studierende gab es 31 Prozent mehr Bewerbungen.

Auch aus anderen Ländern kommende Forschende seien vermehrt an Deutschland interessiert, berichten mehrere der befragten Gesellschaften. «Bislang blickten viele für den nächsten Schritt in der wissenschaftlichen Karriere automatisch in die USA, dies ändert sich aktuell», erklärte der DAAD. Die Max-Planck-Gesellschaft führt es auch auf die von Washington verschärften Visaregeln für ausländische Fachkräfte zurück: Arbeitgeber müssen dort pro Visum nun eine einmalige Gebühr von 100.000 Dollar zahlen.

Die Entwicklung steht vor dem Hintergrund einer größeren Auseinandersetzung zwischen der Regierung von US-Präsident Donald Trump und mehreren Spitzenuniversitäten. Das Weiße Haus wirft Teilen der Hochschullandschaft eine linksliberale Ausrichtung sowie unzureichende Maßnahmen gegen Antisemitismus vor und versucht zugleich, über Fördermittel politischen Einfluss auszuüben. Der Harvard University war zwischenzeitlich sogar die Aufnahme internationaler Studierenden sowie deren Einreise verboten worden, Gerichte setzten diese Vorhaben jedoch außer Kraft.

© dpa-infocom, dpa:260311-930-800902/1

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