Wirtschaft

Niedlicher und mehr KI: Chinas Sextoy-Branche im Aufschwung

KI-gesteuerte Sexpuppen sind der Entwicklungstrend der Branche. Johannes Neudecker/dpa
Sexspielzeuge werden immer unscheinbarer, etwa in Form von Früchten. Johannes Neudecker/dpa
Auch niedliche Masken und Kostüme waren bei der Messe vertreten. Johannes Neudecker/dpa
Kuriose Spielzeuge mit dem Kopf Donald Trumps waren auf der Messe auch zu finden. Johannes Neudecker/dpa
Aus Japan hält der Manga-Trend in Chinas Sextoy-Branche Einzug. Johannes Neudecker/dpa

Niedlicher und mehr KI: Die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz macht auch vor Chinas Markt für Sexspielzeuge nicht halt. Zum Eröffnungstag der Messe für Erwachsenenprodukte (API Expo) in der ostchinesischen Metropole Shanghai zeigten zahlreiche chinesische und internationale Firmen, was in diesem Jahr den Trend in der Branche bestimmen könnte. 

«Das Schlüsselwort ist KI», sagte Messeorganisator Pan Chunhui. In immer mehr Produkten sei Künstliche Intelligenz integriert, die sie «schlau» mache. Der Trend geht Pan zufolge dahin, Sexpuppen damit menschenähnlicher zu machen. 

Neben Puppen zeigt die Messe viele Sexspielzeuge. Sie reichen von niedlich und unschuldig aussehenden Früchten bis zu Fantasy-Spielzeugen - und sogar einem Dildo mit dem Kopf von US-Präsident Donald Trump. Daneben gibt es auch Drogerieartikel wie Gele oder Kostüme und Dessous zu sehen. 

Der Markt für Sextoys ist ein Milliarden-Geschäft. China, das die Produktion vieler Waren dominiert, gilt als wichtigstes Herstellungsland. «Der chinesische Markt spielt in diesem Bereich weiter die Rolle der Fabrik der Welt», sagt Finanz-Analyst Guo Shiliang von der Online-Analyseplattform Jing. 

«China ist als Produktionsstandort aus unserer Lieferkette nicht wegzudenken», sagt der Produktleiter des Sexspielzeug-Anbieters Lovehoney, Christoph Schobert. KI hat laut Schobert wegen der hohen Preise für gute Sexpuppen derzeit noch einen geringen Stellenwert. «Als große, menschenechte Puppen, glaube ich, dass wir da noch einige Jahre vor uns haben, bis das irgendwo zu Hause steht», sagt er. 

Der Markt für Männer dürfte dem Deutschen zufolge weiter wachsen. Ein Trend seien auch Spielzeuge, die weniger erotisch, sondern niedlicher wirkten und damit wegen sonst möglicher Beschränkungen in den sozialen Medien leichter zu bewerben seien, sagt Schobert.

Die Branche orientiert sich auch an Japans Popkultur. Sexpuppen, die wie Manga-Comicfiguren aussehen, sind auf der API Expo vertreten. KI ist für diese Nischen-Produkte wichtig. «Wir integrieren KI-Sprachfunktionen, damit Kunden über KI mit unseren Puppen interagieren können», sagt der Chef der Manga-Sexpuppenfirma Elsa Babe, Lin Guanzhi. Mit KI lasse sich die Fantasie der Menschen in die Realität umsetzen, sagt er. 

Trotz seiner rund 1,4 Milliarden Einwohner war China als Markt lange eher schwierig. Die API Expo ist eine reine Produktmesse. Anders als etwa auf der Erotikmesse Venus in Berlin zeigen sich in Shanghai keine Stars der Entertainment-Szene. In China ist die Produktion und Verbreitung von Pornografie illegal und kann zu einer Gefängnisstrafe führen.

Sex und Liebesspielzeug waren zudem lange ein Tabuthema und mit Scham behaftet. Erst Anfang der 1990er Jahre eröffnete der erste Sexshop in Peking. 2003 lockerte die regierende Kommunistische Partei die Regelungen für «Erwachsenenprodukte», indem sie nicht mehr als besondere Waren eingestuft wurden. 

Seitdem stiegen die Zahl der Läden und der Verkauf von Sexspielzeug in der Volksrepublik. Die Branche nimmt mehr Akzeptanz unter den Menschen für dieses Thema wahr. Vor allem der Online-Handel sorgte auch in Asien für starken Aufwind. Die Produkte lassen sich bequem online bestellen. Der Gang in schummrige Läden - und damit das Risiko, von Bekannten gesehen zu werden - ist nicht mehr nötig.

Die chinesische Analyse-Plattform iiMedia schätzt den Wert des Online-Handels mit Erwachsenenprodukten für 2025 auf 134,85 Milliarden Yuan (derzeit etwa 16,8 Mrd Euro). Besonders wichtig waren den Kunden demnach die Beschaffenheit der Produkte, Privatsphäre beim Kauf und Funktionen. Die Analysten erwarteten in einem Bericht unter anderem, dass Produkte speziell für Frauen sowie personalisierte Produkte beliebter würden. 

Der Zuspruch für Sexspielzeuge fällt in eine Zeit, da Chinas Geburtenrate ein Rekordtief erreicht hat. Auch das Ende der Ein-Kind-Politik vor zehn Jahren, mit der Peking über Jahrzehnte das Bevölkerungswachstum staatlich kontrollierte, konnte den Trend bislang nicht umkehren. Sie führte stattdessen zu einem Männerüberschuss, was sich auch im Sex-Spielzeugmarkt zeigt, der sich neben Puppen auch mit sogenannten Masturbatoren besonders an «Ihn» richtet.

Parallel ist die Zahl der Vermählungen niedrig, während die chinesische Gesellschaft auf ein enormes Alterungsproblem zusteuert. Junge Menschen entscheiden sich eher für ein Single-Leben statt die Ehe. 2025 ging der Trend zwar wieder mit 6,67 Millionen registrierten Ehen im Vergleich zu 6,1 Millionen aus dem Vorjahr nach oben. Parallel stieg jedoch die Zahl der Scheidungen. 

Peking reagierte bereits und hob die Steuerbefreiung für Kondome mit Beginn dieses Jahres auf. Ob das die Geburtenzahlen allerdings nach oben treibt, bleibt abzuwarten. In ihrem Arbeitsbericht schrieb die Regierung zudem, sich für eine positive Einstellung zu Ehe und Geburt einzusetzen. Peking stellt demnach eine Wohnungsunterstützung für Frischvermählte oder Familien mit dem ersten Kind in Aussicht.

© dpa-infocom, dpa:260417-930-956375/2

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