Deutschlands größter Hersteller von Handfeuerwaffen Heckler & Koch hat als Folge der russischen Bedrohung deutlich mehr Geschäft gemacht. Wie das Unternehmen aus Oberndorf im Nordschwarzwald mitteilte, stieg der Umsatz im vergangenen Jahr um 14,4 Prozent auf 393 Millionen Euro - so hoch war der Wert in der Firmengeschichte noch nie gewesen.
Das Nachsteuerergebnis schnellte um ein Viertel auf 39,5 Millionen Euro in die Höhe. Die Auftragsbücher sind prallvoll: Lag der Auftragseingang 2024 noch bei 426,2 Millionen Euro, so war dieser Wert ein Jahr später mit 802 Millionen Euro fast doppelt so hoch - auch das ein Firmenhöchstwert. «Die globale Sicherheitslage bleibt angespannt», sagt Firmenchef Jens Bodo Koch.
Nach Investitionen in die Automatisierung und in eine generell modernere Infrastruktur rechnet die Firma künftig mit einer erhöhten Produktivität. «Der Ausbau unserer Kapazitäten und die Weiterentwicklung unserer Produktionsprozesse sichern unsere Wettbewerbsfähigkeit langfristig», sagt Manager Koch, dessen Namensgleichheit mit dem des Firmengründers Theodor Koch zufällig ist. Die Firma arbeite stabil und profitabel. Heckler & Koch hat im Zeitraum 2019 bis 2024 rund 100 Millionen Euro investiert, von 2025 bis 2028 sollen 235 Millionen Euro investiert werden.
Heckler & Koch stellt Sturmgewehre, Maschinengewehre, Pistolen, Maschinenpistolen und Granatwerfer her, die Firma hat 1.340 Beschäftigte und damit 84 mehr als 2024. Der Personalausbau soll weitergehen, 2028 sollen es etwa 1.600 sein. Derzeit arbeiten etwa 85 Prozent des Personals in Deutschland und damit vor allem am Stammsitz in Oberndorf, weitere kleinere Standorte gibt es in den USA und Großbritannien.
In den USA hat die Firma ein Montagewerk. Der nordamerikanische Markt ist für H&K besonders wichtig, auch weil dort Privatleute Pistolen der Schwarzwälder Waffenschmiede kaufen: Der US-Umsatzanteil liegt bei H&K bei etwa einem Viertel. In Europa ist das zivile Geschäft - also der Verkauf an Zivilisten - hingegen sehr klein.
Zu den Konkurrenten gehören Beretta aus Italien und der zur tschechischen CZ-Gruppe gehörende US-Waffenhersteller Colt und Haenel aus Thüringen. Größter Kunde von Heckler & Koch ist die Bundeswehr, die derzeit schrittweise 80.000 neue Sturmgewehre von der Schwarzwälder Waffenschmiede bekommt. Es könnten deutlich mehr werden: Ein Rahmenvertrag ermöglicht Bestellungen von bis zu 250.000 Exemplaren. Mit den neuen Waffen wird das in die Jahre gekommene Gewehr 36 (G36) als Bundeswehr-Standardgewehr abgelöst, was ebenfalls von Heckler & Koch hergestellt worden war.
Als neues Geschäftsfeld hat H&K mit der Herstellung von besonders präziser Spezialmunition für Polizei-Einsatzkräfte begonnen. Außerdem möchte Heckler & Koch einen Granatmaschinenwerfer zur Drohnenabwehr verkaufen, nach erfolgreichen Erprobungen soll der Verkauf 2027 starten. Zudem peilt H&K Sturmgewehr-Großaufträge in Rumänien und Südkorea an.
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