Ausland

Sudan-Konferenz macht Druck für Ende der humanitären Krise

Auf der dritten internationalen Sudan-Konferenz geht es unter anderem um Zusagen für die Finanzierung humanitärer Hilfe. Michael Kappeler/dpa
Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) spricht auf der dritten Internationalen Sudan-Konferenz. Michael Kappeler/dpa
Der Vorsitzende der AU-Kommission warf den Konfliktpartnern die Zerstörung ihres Landes vor. Michael Kappeler/dpa
UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher sprach von Frustration und Wut angesichts des andauernden Kriegs. Michael Kappeler/dpa
19 Millionen Menschen im Sudan leiden Hunger - doch selbst in Hungergebieten mussten wegen fehlender Gelder Rationen gekürzt werden. Eva Krafczyk/dpa
Mehr als 11,6 Millionen Sudanesen sind auf der Flucht Eva Krafczyk/dpa
Vor allem in der sudanesischen Region Darfur kommt es immer wieder zu Gewalttaten gegen die Zivilbevölkerung. Eva Krafczyk/dpa

Spitzenvertreter der UN, Europas, Afrikas und der USA erhöhen drei Jahre nach Beginn des blutigen Bürgerkriegs im Sudan den Druck für ein Ende des Konflikts. «Dieser Albtraum muss enden», forderte UN-Generalsekretär Antonio Guterres in einer Videobotschaft an die Teilnehmer der dritten internationalen Sudan-Konferenz, die das Auswärtige Amt in Berlin organisiert hatte. Zahlreiche Teilnehmer verlangten von den Konfliktparteien eine sofortige humanitäre Waffenruhe auf dem Weg zu einer Friedenslösung.

Zum Abschluss der Konferenz meldete Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) einen Erfolg: Es seien Zusagen in Höhe von knapp 1,5 Milliarden Euro für zusätzliche humanitäre Hilfe in diesem Jahr zusammengekommen. Die Konferenz wurde nach Treffen in Paris und London von der Bundesregierung zusammen mit Großbritannien, Frankreich, den USA sowie der EU und Afrikanischen Union ausgerichtet. In Paris hatte es Hilfszusagen von etwa zwei Milliarden Euro und in London von etwa einer Milliarde Euro gegeben. 

UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher forderte «eine klare Vision für die Zukunft des Sudans». Er sprach von einer Bewährungsprobe für die internationale Gemeinschaft. Das sudanesische Volk dürfe nicht weiter im Stich gelassen werden. «Friedensarbeit ist komplex und erfordert Geduld, aber sie ist keine Raketenwissenschaft.» 

Mit Blick auf die Menschenrechtsverstöße der Konfliktparteien bezeichnete Fletcher den Sudan als ein «Laboratorium der Gräueltaten». 34 Millionen Menschen seien auf Hilfe angewiesen, 19 Millionen Menschen litten Hunger, 10 Millionen Kinder hätten keinen Zugang zur Schule. Ein UN-Hilfsplan sehe vor, 14 Millionen Menschen zu erreichen, doch dazu seien 2,2 Milliarden Dollar nötig. 

Deutschland stockt seine Sudan-Hilfe laut Wadephul um insgesamt mehr als 230 Millionen Euro auf - darunter sind auch Mittel in Höhe von 20 Millionen Euro aus dem Entwicklungsministerium von Ministerin Reem Alabali Radovan (SPD). Die Bundesrepublik gehe damit als einer der größten Unterstützer der humanitären Hilfe für die Menschen im Sudan voraus. 

Wadephul rief andere Länder, Organisationen und Akteure des Privatsektors auf, sich an der Hilfe zu beteiligen. «Lasst uns unsere Kräfte bündeln, damit humanitäre Hilfe und humanitäre Diplomatie Leben retten können», sagte er.

Die außergewöhnliche Krise im Sudan erfordere «mehr als nur unsere Aufmerksamkeit, sie erfordert Handeln. Denn die Situation im Sudan wird in Zukunft weitaus schwieriger sein», sagte Wadephul. Russlands andauernder Krieg gegen die Ukraine und der Krieg im Nahen Osten verschärften die Krise für die Menschen im Sudan und in der Region, «die bereits unter unerträglichen Bedingungen leben», sagte Wadephul. 

Der stellvertretende Leiter des Welternährungsprogramms WFP, Carl Skau, der direkt aus der sudanesischen Krisenregion Darfur nach Berlin gekommen war, sprach von einem Versagen der internationalen Gemeinschaft. «Sie hat dabei versagt, den Ausbruch dieses schrecklichen Kriegs zu verhindern, und sie hat beim Schutz der Zivilbevölkerung, der Frauen und Kinder, versagt.» 

Humanitäre Organisationen seien in der Lage, Leid zu lindern - doch die Helfer müssten in der Lage sein, sicher und ungehindert zu arbeiten. Zudem werde mehr Geld zur Finanzierung der Hilfe benötigt. «Derzeit kann sich das WFP nicht einmal volle Rationen in Gebieten leisten, in denen Hunger herrscht.»

Der Bürgerkrieg im drittgrößten Land Afrikas begann vor genau drei Jahren - am 15. April 2023. Seitdem kämpfen die Regierungsarmee SAF von De-facto-Machthaber Abdel-Fattah al-Burhan und die Miliz RSF unter Mohamed Hamdan Daglo um die Vorherrschaft im Land. Einst hatten sich die beiden gemeinsam an die Macht geputscht – Daglo war al-Burhans Stellvertreter.

Der Vorsitzende der Kommission der Regionalorganisation Afrikanische Union (AU), Mahmoud Ali Youssouf, sagte: «Die sudanesischen Akteure zerstören ihr Land. Sie verlieren ganze Generationen von Sudanesen.» 

Der Berater der US-Regierung für die afrikanischen und arabischen Länder, Massad Boulos, forderte wie der UN-Sondergesandte für den Sudan, Pekka Haavisto, eine sofortige humanitäre Waffenruhe. Diese solle ohne Vorbedingungen sofort akzeptiert werden, damit man an einem politischen Übergang arbeiten könne, sagte Boulos. 

Mehrere Konferenzteilnehmer sprachen sich für die Einbindung der sudanesischen Zivilgesellschaft in die Gespräche über die Zukunft des Landes aus - und einen demokratischen Neubeginn. Teil der Konferenz in Berlin war eine Plattform für Beratungen von Vertretern der Zivilgesellschaft, die einen Plan hin zu einer zivilen statt einer Militärregierung erarbeiten sollen. 

Eine Vertreterin der «Emergency Response Rooms», eines Netzwerks von Freiwilligen, die im Sudan Hilfe etwa über Nachbarschaftsküchen organisiert, wies auf die Rolle des Sudanesinnen in der Zivilgesellschaft hin. «Wir Frauen leiden mehr», sagte sie mit Blick auf die massive sexuelle Gewalt vor allem durch die Miliz RSF. «Wir sind auch diejenigen, die am meisten reagieren. Die Frauen sind unabdingbar, um die Gesellschaft wieder aufzubauen.»

© dpa-infocom, dpa:260415-930-946230/2

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