Israel sieht im Krieg mit dem Iran einen Schlüsselmoment gekommen. Der Kampf gegen Teheran intensiviere sich und gehe in die «entscheidende Phase», sagte Verteidigungsminister Israel Katz nach Angaben seines Büros. Unterdessen haben die USA laut Präsident Donald Trump Militäranlagen auf der für Irans Ölindustrie wichtigen Insel Charg zerstört, um Teheran zur Wiederöffnung der Straße von Hormus zu bewegen.
Nach Angaben des US-Regionalkommandos (Centcom) wurden mit einem groß angelegten Präzisionsschlag Lagerstätten für Seeminen, Raketenbunker und zahlreiche weitere militärische Einrichtungen zerstört.
Den US-Streitkräften gelang es demnach, mehr als 90 iranische Militärziele zu treffen, ohne dabei die Ölinfrastruktur zu beschädigen. Auf eine Vernichtung der Öl-Infrastruktur habe er «aus Gründen der Anständigkeit» verzichtet, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. Er warnte Teheran jedoch: Sollte der Iran oder jemand anders die Durchfahrt von Schiffen durch die Straße von Hormus versuchen zu behindern, werde er die Entscheidung sofort überdenken.
Der Verkehr durch die für den globalen Ölexport wichtigen Meerenge ist in dem Krieg durch eine iranische Blockade nahezu zum Erliegen gekommen.
Die iranischen Revolutionsgarden drohen ihrerseits mit Angriffen auf US-Einrichtungen in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Ein Sprecher der Kommandozentrale der Garden erklärte laut Nachrichtenagentur Fars, der Iran betrachte es als sein legitimes Recht zur Verteidigung seines Hoheitsgebiets, Abschussstellen von US-Raketen in Häfen und Docks der Emirate anzugreifen.
Ein Flugabwehrsystem an der US-Botschaft im Irak ist Medienberichten zufolge von einer Rakete getroffen worden. Nach dem Angriff von Samstagmorgen gab es irakischen Medienberichten zufolge einen Brand an dem Botschaftsgebäude. Der Nachrichtenkanal Al Jazeera berichtete, eine Einheit des als C-RAM bekannten Raketenabwehrsystems zum Schutz der Botschaft sei getroffen worden. Von der US-Botschaft, dem US-Militär wie auch der irakischen Regierung gab es zunächst keine Bestätigung.
Die islamistische Hamas hat den Iran dazu aufgerufen, die Angriffe auf Nachbarstaaten einzustellen. Die Terrororganisation bekräftigte in einer Mitteilung, Teheran habe das Recht auf israelisch-amerikanische Attacken zu reagieren. Die «Brüder im Iran» sollten jedoch davon absehen, ihre Angriffe auf Nachbarländer fortzusetzen. Seit Beginn des Iran-Kriegs melden die umliegenden Golfstaaten zahlreiche iranische Raketen- und Drohnenangriffe.
Die Hamas rief die Staaten in der Region auf, «zusammenzuarbeiten, um diese Aggression zu stoppen und die brüderlichen Beziehungen untereinander zu bewahren». Der Iran unterstützte die Hamas jahrzehntelang finanziell und militärisch. Die Hamas unterhält zudem enge Beziehungen zum Golfstaat Katar.
Möglicherweise bereiten die USA einen Einsatz von Bodentruppen im Iran vor. Das Pentagon schickt Medienberichten zufolge weitere Kriegsschiffe und Marine-Infanteristen in den Nahen Osten. Die bereits in der Region eingesetzten US-Streitkräfte erhielten Verstärkung durch Tausende Infanteristen, mehrere Kriegsschiffe und Kampfflugzeuge, berichtete das Nachrichtenportal «Axios» unter Berufung auf einen ranghohen US-Beamten. Die Infanteristen wären dem Bericht zufolge in der Lage, falls gewollt auch Bodeneinsätze durchzuführen.
Israel plant nach Darstellung von Axios eine deutliche Ausweitung seiner Bodenoffensive im Libanon. Ziel sei die Einnahme des gesamten Gebiets südlich des Litani-Flusses und die Zerschlagung der militärischen Infrastruktur der Hisbollah, berichtet Axios unter Berufung auf israelische und US-amerikanische Beamte. «Wir machen, was wir in Gaza gemacht haben», so ein israelischer Beamter mit Blick auf die Zerstörung von der Terrormiliz Hamas genutzten Gebäuden. Es könnte sich laut Axios um die größte israelische Bodeninvasion im nördlichen Nachbarland seit 2006 handeln.
Im Libanon sind bei einem israelischen Luftangriff offiziellen Angaben zufolge mindestens zwölf Mitarbeiter des Gesundheitswesens getötet worden. Die Ärzte, Krankenschwestern und Sanitäter seien beim Angriff im Dorf Burdsch Kalauijeh im Süden getötet worden, teilte das Gesundheitsministerium mit. Insgesamt sind im Libanon den Angaben zufolge mehr als 770 Menschen bei israelischen Angriffen getötet worden.
Die Versuche Israels, die iranische Bevölkerung zum Widerstand gegen die eigene Regierung zu bewegen, halten an. «Nur das iranische Volk kann dem ein Ende setzen - durch einen entschlossenen Kampf bis zum Sturz des Terrorregimes», sagte Katz. Bereits zuvor betonte er, die Angriffe auf Ziele im Iran zielten darauf, dem iranischen Volk zu ermöglichen, sich aufzulehnen und die Führung zu stürzen.
Die Internetblockade im Iran geht in die dritte Woche. Die auf Internetsperren spezialisierte Organisation Netblocks schrieb auf X, dass die Konnektivität weiterhin bei nur ein Prozent des normalen Niveaus liege. Die Bevölkerung könne nur ein eingeschränktes internes Intranet nutzen, während staatlich genehmigte Nutzer uneingeschränkten Zugang zum globalen Netz erhielten.
Netblocks kritisierte: «Während authentische Stimmen zum Schweigen gebracht werden und die Zivilbevölkerung ohne wichtige Informationen bleibt, füllt ein stetiger Strom von Inhalten, die das Regime genehmigt hat, die Lücke.»
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