Deutsche Urlauber treffen in diesem Sommer in immer mehr Reisezielen auf KI-Helfer, die bei Orientierung, Planung und Alltagsfragen unterstützen sollen. Das ist praktisch, manchmal erstaunlich – und je nach Land ziemlich eigen im Ton und in der Art der Hilfe. Eine Auswahl:
Im Königreich Thailand beantwortet Tatai geduldig Fragen zu Tempeln, Traumstränden und Garküchen - rund um die Uhr, unter anderem auf Deutsch und immer gut gelaunt. Der koboldartige Helfer macht dem Image von Thailand als «Land des Lächelns» alle Ehre.
Ob Strände für Romantiker, Streetfood für Mutige oder Rooftop-Bars für Cocktail-Fans: Der digitale Assistent der Tourismusbehörde hat nicht nur die Antwort parat, sondern lobt auch überschwänglich die Fragen. Dabei sieht er aus wie eine asiatische Comicfigur mit einem Hauch Science-Fiction. Selbst bezeichnet er sich gerne mal als «Schelm».
Gibt es denn auch Restaurants, in denen europäischen Touristen nicht vor lauter Chili die Spucke wegbleibt? Ja! Tatai liefert eine Liste italienischer und anderer westlicher Lokale von Phuket bis Chiang Rai. Bei Tipps für einigermaßen milde thailändische Gerichte muss er jedoch bis auf wenige Ausnahmen passen. Dafür hat er für deutsche Küche Ideen parat, vom German Hofbräuhaus in Chiang Mai bis zum 3-Sterne-Tempel Sühring in Bangkok.
Wer etwas zur politischen Situation erfahren möchte, stößt hingegen auf Granit: «Fragen zur politischen Lage fallen nicht in meinen Aufgabenbereich als Tourismusassistent», sagt Tatai. Kritische und heikle Themen versucht er diplomatisch zu umschiffen. Lieber lenkt er das Gespräch umgehend zurück auf Kultur und Kulinarik. Charmant erläutert er: «Meine Expertise liegt ganz darin, Eure Reiseträume in unserem wunderschönen Land wahr werden zu lassen!»
Ob der schnellste Weg zum Kolosseum, die nächste Busverbindung oder ein Restauranttipp: In Rom übernimmt solche Fragen die KI-Assistentin Julia. Die digitale Helferin beantwortet in Messenger-Diensten wie Whatsapp oder Telegram in Echtzeit alle möglichen Fragen, die Touristen haben könnten - zu Museen, den wichtigsten Touristen-Attraktionen oder auch dem Nahverkehr. Sie «spricht» nach Angaben der Stadt 80 Sprachen, darunter auch Deutsch.
Bei Öffnungszeiten und generellen Fragen rund um die Ewige Stadt ist Julia schnell und zuverlässig. Wer sie etwa nach einem Trip zum Trevi-Brunnen fragt, erhält prompt die aktuellsten Informationen zu dem Anfang des Jahres eingeführten Eintrittsgeld und wie man sich ein Ticket vorab reservieren kann.
Ob Julia auch bei heiklen kulinarischen Fragen diplomatisch bleibt? Wer etwa nach Pizza mit Ananas fragt - für viele Italiener eine kulinarische Todsünde -, erhält eine versöhnliche Antwort. In traditionellen Pizzerien sei diese zwar nicht sehr verbreitet, aber möglicherweise gebe es Lokale, die diese Pizza anbieten. «Es empfiehlt sich, vorher kurz anzurufen und nachzufragen», antwortet Julia. Schämen solle man sich dafür nicht: «Niemand wird dich dafür verurteilen!»
Wer in Australiens Sunshine State unterwegs ist, kann sich von Bunji helfen lassen. Der hat keine menschlichen Züge, sondern ist... ein Koala! Im grün gemusterten Hemd sieht er aus, als käme er gerade von einer Grillparty im Outback. So spricht er auch und startet die Unterhaltung mit dem typischen «G'day mate!» Übrigens: Bunji versteht Deutsch, antwortet aber konsequent auf Aussie-Englisch.
Anders als bei anderen KI-Guides entstehen bei ihm keine peinlichen Pausen, während er nachdenkt. Bunji rät: «Träum einen Moment lang von Queensland, und ich bin gleich bei dir.» Gleichzeitig gibt er zu: «Bunji kann Fehler machen. Überprüfe daher wichtige Informationen.» Schnell stellt man fest: Der Koala-Guide unterschätzt gerne die riesigen Entfernungen in Down Under - und rät teils zu Tagestouren, für die man einen Hubschrauber bräuchte.
Selbst auf die Frage nach den gefährlichsten Tieren der Region, bleibt er cool und empfiehlt lieber sichere Begegnungen mit Kängurus oder Koalas als unfreiwillige Bekanntschaften mit Schlangen, Spinnen oder Krokodilen. Festes Schuhwerk beim Bush-Walk sei trotzdem ein Muss, warnt er. Kurzum: Bunji ist wohl der einzige Koala, der niemals schläft.
Adrett im traditionellen Outfit, strahlend lächelnd, kenntnisreich und überraschend ehrlich kommt Maia in Indonesien daher. Mehrsprachig beantwortet die junge KI-Reiseassistentin auch kritische Fragen geduldig. Irgendwie gelingt es ihr dabei immer, auch den weniger schönen Seiten des Inselstaates noch Schönes abzuringen.
Massentourismus auf Bali? Das sei nur ein Teil der Wahrheit, erklärt sie und hat gleich Tipps für einsamere Hotspots parat - das Bergdorf Munduk etwa oder die Insel Serangan mit ihren tollen Surfspots und Meeresschildkröten. Müll an den Stränden? Das sei tatsächlich ein großes Problem, an dem aber gearbeitet werde. Touristen rät sie: Benutzt wiederverwendbare Wasserflaschen und unterstützt umweltfreundliche Unternehmen.
Auf die Frage, ob Maia einen Liebling unter den zahlreichen Trauminseln des Archipels hat, antwortet sie zunächst diplomatisch: «Jede Insel hat ihre eigene Magie». Wer nachhakt, erfährt aber schließlich doch, für welche Eilande Maias Herz schlägt. Einfach mal ausprobieren!
Gleich drei digitale Fremdenführer führen durch die Schweizer Metropole Zürich. «Ich bleibe bewusst pragmatisch: Wenn mir keine verlässliche Angabe vorliegt, sage ich das offen statt zu raten» - antwortet «Celine», nach dem KI-Foto zu schätzen etwa 50, auf die Frage nach einem veganen Restaurant mit Alpenpanorama. Sie hat keins parat.
«Fernando», optisch um die 30, flunkert vor, er sei aus Brasilien nach Zürich gezogen. Dass das bei einer KI Quatsch ist, drückt er auf Nachfrage charmanter aus: Die Fernando-Biografie sei eine «erzählerische Guide-Persona», damit sich Empfehlungen und Erklärungen «menschlich und konsistent anfühlen».
«Sophie», Typ junge Studentin, soll mit «Ich bin in Zürich-Wiedikon aufgewachsen» möglichst echt wirken. Auf die Frage nach echten Menschen aus Wiedikon schlägt sie unter anderem den Besuch eines Friedhofs vor - das nutzten viele als Spazieroase, «extrem untouristisch im Gefühl», heißt es da.
Alles in allem: Wer seinen Urlaub komplett von einer KI planen lässt, sollte die Vorschläge besser überprüfen: In Tasmanien pilgerten Urlauber zu KI-generierten, erfundenen Thermalquellen. Und ein als «fußläufig» empfohlenes Hotel entpuppte sich australischen Medienberichten zufolge als 13 Stunden Fußmarsch vom Strand entfernt.
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