Panorama

Buckelwal lebte nach Freisetzung nur noch maximal fünf Tage

Eine Karte soll den Weg des Wals zeigen. Jens Büttner/dpa
Knapp zwei Wochen nach dem Aussetzen wurde der Wal an einer dänischen Insel angespült. (Archivbild) Marcus Golejewski/dpa
Auf der Insel Anholt war der Kadaver obduziert worden. (Archivbild) Kai Moorschlatt/dpa
Wochenlang war vor der Insel Poel viel Trubel um den stark geschwächten Wal. (Archivbild) Jens Büttner/dpa

Der mehrfach an Ostseeküsten gestrandete Buckelwal hat seine Freisetzung nur wenige Tage überlebt. Er sei am vierten oder fünften Tag nach dem Aussetzen in der Nordsee tot gewesen, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) in Schwerin. Darauf wiesen die ausgewerteten Daten des Senders hin, den das Tier zuletzt getragen hatte. Demnach steuerte das Tier zudem direkt wieder die Ostsee an. 

Hätte das Buckelwal-Weibchen noch einige Tage länger überlebt, wäre es früher oder später sehr wahrscheinlich wieder gestrandet, sagte die Meeresbiologin Tamara Narganes Homfeldt von der Walschutz-Organisation WDC der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Ursache sei weniger ein Orientierungsproblem als vielmehr der schlechte gesundheitliche Zustand des Wals: Das geschwächte Tier habe vermutlich flachere und sichere Gewässer angesteuert.

Die Strömung im Kattegat und in der Ostsee sei normalerweise ziemlich schwach, die vom Sender erfassten Bewegungen und zurückgelegten Strecken bis zum 6. Mai gingen daher wahrscheinlich ausschließlich auf aktives Schwimmen des Wals zurück, sagte die Expertin der Whale and Dolphin Conservation weiter. Am 6. Mai habe der Meeressäuger den vorgestellten Daten zufolge offenbar schon keine Kraft mehr gehabt - es sei realistisch anzunehmen, dass er an diesem oder am Tag darauf starb. Freigesetzt worden war das Tier am 2. Mai. 

Experten verschiedener Institute und Organisationen hatten von Anfang an davon abgeraten, das schwer geschwächte Tier transportieren zu wollen. Es solle vielmehr in Ruhe und Würde sterben dürfen. Backhaus bezeichnete den Rettungsversuch nun erneut als rechtlich und fachlich vertretbar.

Bis zu seinem Tod legte der Buckelwal dem Minister zufolge etwa 215 Kilometer zurück. Es sei traurig, wie es für es Tier ausgegangen ist. «Er hat die Chance nicht nutzen können», sagte der Minister. Der Tracker hat demnach bis zum 7. Mai noch viele weitere Daten gesammelt, die weitere Rückschlüsse erlauben könnten, darunter Wassertiefe, Temperatur, Bewegungsabläufe und Geschwindigkeit. Alle Daten sollen noch der Wissenschaft zur Verfügung gestellt werden, hieß es.

Der Sender der Firma Wildlife Computers war an der Rückenfinne des geschwächten und beim Transport verletzten Tieres befestigt worden, kurz bevor es ins offene Meer entlassen wurde. Backhaus betonte, es gebe nach derzeitigem Kenntnisstand keine belastbaren Hinweise darauf, dass im Zusammenhang mit Transport oder Freisetzung etwas unmittelbar «zum Tod oder zu Gefahren beigetragen» habe. Zumindest in seinem Verantwortungsgebiet - bis zur Landesgrenze - «nehmen wir zur Kenntnis, dass es dort keine Verletzungen des Tieres gegeben hat», sagte er.

Der Buckelwal war am 3. März im Hafen von Wismar gesehen worden. Am 23. März wurde er auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand entdeckt, schwamm einige Tage später weg und strandete mehrfach erneut. Ab dem 31. März lag das schwer geschwächte Tier vor der Insel Poel, bis die Initiative - nach viel täglichem Trubel am Wal - am 28. April mit ihm Richtung Nordsee startete. Etwa 70 Kilometer von Skagen entfernt wurde er im Skagerrak ausgesetzt.

Knapp zwei Wochen später, am 14. Mai, wurde der oft «Timmy» genannte Buckelwal tot an der dänischen Insel Anholt angespült. Der schon stark verweste Kadaver des Wals wurde später obduziert, zunächst ohne konkrete Ergebnisse zur Todesursache. Die Überreste des Tieres sollten in Dänemark unter anderem zu Biodiesel verwertet werden.

© dpa-infocom, dpa:260612-930-211247/5

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