Panorama

108 Meter lange neue Bahnbrücke rollt durch Hamburg

Nun ist sie da. Die neue Sternbrücke steht an ihrem Zielort. Christian Charisius/dpa
Janna Widmaier leitet das Mammutprojekt im Hamburger Bezirk Altona. Christian Charisius/dpa
Für zahlreiche Menschen war der spektakuläre Einbau ein großes Ereignis. Christian Charisius/dpa
Auch die Tauben haben es sich schon gemütlich gemacht. Christian Charisius/dpa
Koloss in der Stadt: Die Brücke hat ihre Zielposition erreicht. Christian Charisius/dpa
Eine Brücke schwebt durch die Stadt. Der Rohbau der neuen Sternbrücke auf dem Weg ins Ziel. Christian Charisius/dpa
Ein Fahrzeug mit 1.088 Rädern schiebt die neue Brücke Zentimeter für Zentimeter zu der Kreuzung, über die die Brücke künftig führen wird. Christian Charisius/dpa
Teils waren zwischen der Hauswand und der Brücke nur 20 Zentimeter Platz. Christian Charisius/dpa
Ende August sollen dann wieder bis zu 1.000 Züge über die vier Gleise der markanten Brücke fahren. Christian Charisius/dpa

So etwas erlebt selbst eine Großstadt selten: In Hamburg ist eine mehr als 100 lange und 21 Meter breite Eisenbahnbrücke Zentimeter für Zentimeter durch den Bezirk Altona gerollt. Der 3.700-Tonnen-Koloss wurde in der Nacht von einem Schwerlastgerät mit 1.088 Rädern erst langsam durch die Straße geschoben, dann leicht gedreht und schließlich an ihrem künftigen Bestimmungsort abgesetzt worden. Die Brücke war dabei mit maximal rund einem Kilometer pro Stunde unterwegs. Gegen 7.00 Uhr lag die Brücke schließlich auf, wie ein Sprecher der Deutschen Bahn sagte.

Während der mehrstündigen Präzisions-Aktion, die von vielen Schaulustigen und Viertelbewohnern beobachtet wurde, hatte das Bauwerk teils nur etwa 20 Zentimeter Abstand zu den Hauswänden. «Einige haben sich das nicht entgehen lassen, diesen Transport direkt aus erster Reihe aus ihren Fenstern miterleben zu können. War eine nette Stimmung tatsächlich hier vor Ort», sagte Janna Widmaier, Bahn-Projektleiterin, in der Nacht. 

Die Max-Brauer-Allee wurde dafür durchschnittlich um etwa 60 Zentimeter aufgeschüttet und mit Stahlplatten verstärkt. Entlang des Weges wurden Laternen abgesägt, das Vordach einer Tankstelle gekappt und 86 Bäume gefällt. 

Der Rohbau der Eisenbahnbrücke war in etwa 500 Meter Entfernung montiert, am Mittwoch etwa 50 Meter seitwärts versetzt und auf die Einbauhöhe von sechs Metern über dem Straßenniveau angehoben worden. Die alte Sternbrücke war bereits vor einer Woche zurückgebaut worden. 

Im Viertel herrschte in der Nacht ausgelassene Partystimmung. Bewohner und Schaulustige sagen das Lied «Über sieben Brücken musst du geh'n», Menschen saßen mit Kaltgetränken in Klappstühlen und beobachteten geduldig die akkurate Millimeterarbeit auf der hell beleuchteten Baustelle. 

«Wann kommt das schon mal vor, dass eine Brücke hier vorbeifährt im Viertel. Das ist ein Ereignis, das sonst keiner im Leben so mitkriegt», sagte einer der Viertel-Bewohner der Deutschen Presse-Agentur. Ein anderer ergänzte: «Das ist ein Spektakel. Das ist ein Wunderwerk, dass das überhaupt funktioniert.» 

Projektleiterin Janna Widmaier zeigte sich am Morgen erleichtert: «Heute ist natürlich das Highlight vom Projekt: der Einbau der neuen Sternbrücke. Aber das Projekt ist lange noch nicht zu Ende. Es wird noch viel zu tun geben.» Bis Ende August werde rund um die Uhr gearbeitet, «um dann wieder den Eisenbahnbetrieb aufnehmen zu können - mit der neuen Sternbrücke.» 

Die wichtige Eisenbahnstrecke verbindet den Hauptbahnhof und den Bahnhof Altona miteinander. Fast 1.000 Fern- und Nahverkehrszüge und S-Bahnen fahren täglich über die Sternbrücke. Vom 31. August an sollen die Züge hier wieder fahren.

© dpa-infocom, dpa:260731-930-467019/1

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