Weihnachtsgrüße

Von Spekulatius zu Sufganiyot

Chiara Lipp erlebt Chanukka in ihrer Traumstadt Jerusalem

Chiara Lipp lebt in Jerusalem in Nachlaot, einem der ältesten Viertel der Stadt außerhalb der Altstadt. Foto: privat

März 2025. Ich öffne meinen Mail-Account und kann es trotz mehrfachem Lesen immer noch nicht glauben: Soeben habe ich die Zusage für meine absolute Traumstelle an der Hebrew University Jerusalem in Israel erhalten! Obwohl ich bereits mehrfach im Ausland gelebt habe, war es dieses Mal anders. Ich habe mich entschlossen, offiziell Aliyah zu machen. Das heißt, neben der deutschen auch die israelische Staatsbürgerschaft anzunehmen und nach Israel auszuwandern – ein großer Schritt, der mir sehr viel bedeutet. Nach einem tränenreichen Abschied von meinen Eltern am Münchner Flughafen stieg die Vorfreude jedoch schnell.

Angekommen in Jerusalem spürte ich sofort die Magie und Spiritualität, die nur in dieser Stadt zu finden ist und die mich schon bei meinen letzten Besuchen in ihren Bann gezogen hat. Die besonderen Gerüche, die geschichtsträchtigen Gebäude und das Miteinander so vieler Religionen, Kulturen und Sprachen machen diesen Ort zu etwas Einzigartigem.

Ich wohne in meinem liebsten Viertel: Nachlaot, eines der ältesten Viertel außerhalb der Altstadt, charakteristisch für seine engen, romantischen Gassen, den Mahane-Yehuda-Markt sowie die vielen kleinen Synagogen, von denen sich allein drei in meiner Straße befinden. In Nachlaot ist immer etwas los - ob religiöse Gesänge bis tief in die Nacht, Touristenströme, die sich plappernd durch die engen Gassen schieben oder spontane Partys im nahe gelegenen Markt. Die vielen Straßenkatzen, um welche sich hier bestens gekümmert wird, sind sehr zutraulich und posieren gerne auch für Fotos. Langsam, aber sicher bereitet sich die Stadt auf Chanukka vor. Das jüdische Lichterfest, in dem an das Wunder erinnert wird, dass Öl acht Tage lang für die Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem brannte. An jedem Abend des mehrtägigen Festes erleuchtet eine neue Kerze die Chanukkia, den speziellen Leuchter für Chanukka. Die leckeren Sufganiyot, die stark an Berliner erinnern und gefühlt jedes Jahr noch süßer werden, gibt es bereits in jeder Bäckerei zu kaufen.

Auch ich habe meine Chanukkia bereits aufgestellt und freue mich sehr auf das Fest, welches ich zum ersten Mal nicht mit meiner jüdischen Gemeinde in Deutschland, sondern in Israel feiern werde.

Fälschlicherweise wird Chanukka häufig als das „jüdische Weihnachten“ bezeichnet; außer der Symbolik des Lichts und dem Feiern im Dezember finden sich aber keine Gemeinsamkeiten.

Doch finden sich auch Spuren von Weihnachten in Jerusalem? Tatsächlich wurde sowohl in den berühmten Botanischen Gärten als auch in anderen Teilen der Stadt bereits die erste Weihnachtsdekoration aufgehängt und es sind mehrere Events geplant. Außerdem soll ein kleiner „Weihnukka-Markt“ (Weihnachten/Chanukka) stattfinden, organisiert von in Israel lebenden deutschen Frauen, allerdings im 60 Minuten entfernten Tel Aviv.

In Haifa, einer Stadt im Norden des Landes, findet jährlich eine große Feier statt, die Elemente von Weihnachten, Chanukka und Eid al-Adha, dem islamischen Opferfest, verbindet. Ich denke, dass ich sie dieses Jahr besuchen werde und freue mich schon sehr darauf!

Auf dem Markt gibt es leckere Sufganiyot. Sie erinnern stark an Berliner. Foto: privat

Ich muss zugeben, dass ich in dieser Zeit neben meiner Familie und meinen Freunden vor allem auch
die Weihnachtsleckereien wie Punsch, Spekulatius und Lebkuchen vermisse.

Da ich aber mit meinen Studierenden in den nächsten Wochen sowieso das Thema Lebensmittel auf Deutsch behandeln werde, bietet sich vielleicht ein kleiner Ausflug „in die Weihnachtsbäckerei“ an.

Ich hoffe sehr, dass mir der Geschmack von selbst gebackenen Lebkuchen und der Geruch von frischem Spekulatius dann ein kleines Stück Heimat nach Jerusalem zaubert.

Ein fröhliches und besinnliches Weihnachtsfest und Chanukka Sameach an meine Familie und Freunde – und an alle Leserinnen und Leser!

Chiara Lipp

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