Weihnachtsgrüße

Von majestätischen Bergen bis zu tiefblauen Küsten

Dirk Winter und Birgit Jostes weilen aktuell für ein Forschungssemester in Neuseeland. Ihrer Meinung nach ist das Land ein absolutes Pferdeland.

Trekking gehört in Neuseeland einfach dazu. So haben auch Birgit Jostes und Dirk Winter schon einige Wandertouren unternommen, hier im Blick der Taranaki. Foto: privat

In diesem Jahr wird Weihnachten einmal anders gefeiert als sonst üblich, wobei es auch Weihnachtsbäume, Weihnachtsbeleuchtung und Weihnachtskekse gibt, allerdings bei über 20 Grad und Sonnenschein. Meine Frau Birgit und mich hat es diesmal nach Palmerston North (Palmy genannt) in Neuseeland gezogen, um dort ein Forschungssemester zu verbringen.

Die Massey University in Palmy hat einen vergleichbaren Studiengang „Equine-Management“, wie wir ihn an der HfWU betreuen. Wir waren bereits vor über 30 Jahren an der Massey University. Dort habe ich damals meine Diplomarbeit zur neuseeländischen Reitpferdezucht geschrieben. Die Studentenwohnung hatten wir uns mit Chris Rogers geteilt, der nun Studiendekan für Equine Management ist und somit einen vergleichbaren Berufsweg eingeschlagen hat wie ich.

Es ist faszinierend, wie viele unterschiedliche Forschungsthemen es hier im Pferdebereich gibt – und wie wertvoll der intensive Austausch darüber ist. Gemeinsam mit Chris forschen wir sechs Monate an der gesellschaftlichen Akzeptanz des Pferdesports in Deutschland und Neuseeland.

Doch Unileben und Forschung sind das eine, das andere sind die einzigartigen Erlebnisse, die uns hier begegnen. Die Neuseeländer sind sehr offen und immer freundlich und positiv gestimmt. Sie arbeiten durchaus fokussiert und zielstrebig, aber „The Kiwi-Way“.

Sie legen Wert auf praktische Lösungen und Ergebnisse, statt auf strikte Hierarchien oder starre Prozesse zu pochen. „Getting things done“ und ein gutes Miteinander sind oft auch effizienter. Wichtig ist hier die Life-Work-Balance – Arbeit ist wichtig, aber nicht alles. Freizeit, Familie und Outdoor-Aktivitäten, wie Reiten, Wandern, Surfen oder ähnliches, werden sehr geschätzt. Es gibt eine klare Tendenz, Überstunden nur dann zu machen, wenn es wirklich nötig ist. Das erlebt man nicht nur im „Elfenbeinturm der Wissenschaft“, sondern auch im täglichen Leben.

Doch nicht nur die Menschen (5,3 Millionen) und die inzwischen überall sehr präsente und geschätzte Maorikultur sind besonders, auch das Land an sich ist überwältigend. Es gibt eine Vielzahl von Naturregionen, die von majestätischen Bergen bis hin zu tiefblauen Küsten reichen mit nahezu unendlichen, menschenleeren Sandstränden. Vulkanische Landschaften, dichte Regenwälder und etliche kristallklare Seen prägen das Bild.

Wir haben bereits eine Vielzahl von Wandertouren unternommen, denn Trekking gehört in Neuseeland einfach dazu. So wandeln wir häufig auch auf den Spuren der fantastischen Drehorte von „Der Herr der Ringe“. Mal alleine, mal mit Führung und wie gut, dass Mittelerde gerettet wurde. Es gibt kaum eine Familie oder Freundeskreis, wo niemand eine (Statisten-)Rolle in diesen Filmen hatte. Der Tourismus ist seitdem explodiert.

Dirk Winter und seine Frau Birgit Jostes (Dritte von links) waren für ihre Forschungsarbeit auf einer Vollblutfarm mit Stuten und Fohlen. Mit auf dem Bild ist Chris Rogers (rechts). Foto: privat

Die Städte und Orte, die wir bisher besucht haben, sind picobello sauber. Auffällig ist, dass die Rasenflächen und Parks stets gemäht sind, vermutlich weil die Neuseeländer ihre Rasenmäher noch mehr lieben als ihre Autos.

Wobei es auch hier viele Oldtimer gibt und ein privates Museum mit über 400 Autos. Auch dies ein Beispiel für den Kiwi-Way. Mit 13 ging Len Southward (1905–2004) von der Schule ab, um zuerst als Botenjunge und dann als Mechaniker zu arbeiten, um dann 1926 seine Firma zu gründen. So stehen hier neben vielen internationalen Marken aus deutscher Ingenieurskunst auch Daimler, Porsche, BMW, VW und selbst ein Trabbi. Eine Marke aus Aachen, Cudell, kannten wir bisher nicht, aber das Voiturette von 1900 mit 499 Kubik und einem Zylinder sah schick aus, ebenso auch das wohl älteste Auto Neuseelands – ein Benz Velo von 1895 mit 1,5 PS.

Apropos PS – wir sind ja hier wegen der „einfachen“ Pferdestärken, die wir trotz tollsten Autodesigns am meisten schätzen. Die Anzahl der Pferde in Neuseeland ist relativ gesehen höher als in Deutschland. Aufgrund der moderaten Temperaturen ist eine ganzjährige Weidehaltung sehr gut möglich und, da es viel Weideland gibt, auch sehr billig. So kann sich jeder, der möchte, ein Pferd leisten.

Die Königsdisziplin ist hier der Galopprennsport, der immerhin rund 0,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts des Landes trägt. Die Kiwis sind wettbegeistert, vermutlich aufgrund ihrer britischen Abstammung, denn England zählt ja bekanntlich als Mutterland des Galopprennsports. In vielen Orten findet man Rennbahnen, die je nach Saison unterschiedliche Rennen auf unterschiedlichen Geläufen wie Gras, Sand oder Polytreck durchführen.

Die Atmosphäre auf einer Rennbahn zu erleben ist fantastisch. So gibt es durchaus Besucher und Besucherinnen, die besonders herausgeputzt sind, aber auch „ganz normale“ Leute. Eins ist ihnen aber gemein – die Wettleidenschaft und das Ansinnen eine gute Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen.

Wir hatten zudem die Gelegenheit die fünf erfolgreichsten Gestüte des Landes zu besuchen und waren begeistert. Die Haltung der Pferde auf den großen Weiden kommt dem natürlichen Anspruch der Pferde sehr nahe. Die Fohlen kommen ebenfalls draußen auf der Weide zur Welt. Bemerkenswert!

Auch die besonders kostbaren Hengste stehen tagsüber einzeln auf Weiden, häufig sogar in unmittelbarer Nähe zueinander. Und die Hengste waren wirklich sehr wertvoll. So kostet die Bedeckung einer Stute durch den Hengst Savabeel 100.000 NZ$ (50.000 Euro).
Also in diesem Fall dann doch eher eine Leidenschaft der „Gutbetuchten“. Das Exportgeschäft von Vollblütern nach Australien, Hongkong und Japan blüht und trägt maßgeblich zum Einkommen bei.

Vulkanische Landschaften, dichte Regenwälder und etliche kristallklare Seen prägen das Bild. Foto: privat

Die Bedeutung des Rennsports wird zudem untermauert, da es einen offiziellen Regierungsposten dafür gibt – den „Minister for Racing New Zealand“. Dieser ist zuständig für die Regulierung der „Racing Industry“ und der Wettgeschäfte. Aber für uns sind auch die regionalen, sehr familiären Turniere im Spring- und Vielseitigkeitssport interessant zu sehen. Dressur ist hier deutlich weniger angesagt.

Unser Aufenthalt hier fliegt nur so dahin. Weihnachten selbst werden wir allerdings einen kurzen Abstecher nach Brisbane, Australien, unternehmen, um das Fest und auch den Jahreswechsel mit Dirks Schwester und ihrer Familie zu verbringen, die seit 25 Jahren in Australien lebt.

Wir wünschen nun allen Nürtingern eine schöne nicht so hektische Vorweihnachtszeit, ein geruhsames und erholsames Fest, einen guten Rutsch und ein großartiges, gesundes und erfolgreiches Jahr 2026.

Herzliche Grüße und Ka kite anō

Dirk Winter und Birgit Jostes

Zur Startseite