Weihnachtsgrüße

Peru ist bunt, laut und voller Leben

Elena Garcia Montoro absolviert ihr Auslandssemester in Lima. So oft es das Studium zulässt, macht sie sich auf den Weg, um das Land zu entdecken.

Foto: privat

Dieses Jahr verbringe ich Weihnachten über 10000 Kilometer weit weg vom vertrauten Unterensingen. Ich bin seit August im Auslandssemester in Peru und lebe mit vier anderen Austauschstudierenden in einer WG in der Millionenmetropole Lima.

Bevor ich vom eigentlichen Weihnachtsfest in Peru erzähle, möchte ich noch ein paar Eindrücke teilen, die mich in den vergangenen Monaten besonders geprägt haben. Der Alltag in Lima läuft ganz anders: Der Verkehr ist schrecklich und hat sein eigenes System, das ich nach vier Monaten immer noch nicht ganz verstanden habe. Der Campus meiner Gastuniversität mit unzähligen Grünflächen und grasenden Alpakas ist daher wie eine kleine Oase in der Großstadt.

Obst und Gemüse kaufen wir auf den „mercados“, wo Avocados, Maracujas oder Mangos so frisch und lecker sind, dass ich mir in Deutschland wahrscheinlich nie wieder eine im Supermarkt kaufen möchte. Neue Hobbies habe ich auch für mich entdeckt: Ich lerne gerade Salsa und Bachata zu tanzen und wage mich ab und zu mit dem Surfbrett in die Wellen an der Küste Limas.

Trotz – und auch wegen – des ganzen Trubels in Lima, hielt mich die Stadt nie lange fest. Peru ist so ein vielfältiges Land! Küste, Wüste, Regenwald, Berge – ich wollte alles sehen und so packte ich, so oft wie es das Studium zuließ, meinen Rucksack und machte mich auf den Weg.

Mein erstes großes Abenteuer führte mich über Puerto Maldonado für acht Tage direkt in eine Forschungsstation mitten im Amazonas Regenwald an der Grenze zu Bolivien. Umgeben von Tausend Grüntönen erforschten wir hier mit einem Kurs der Uni die Biodiversität des Regenwaldes.

Wenige Schritte von der Forschungsstation entfernt befindet sich direkt der primäre Regenwald. Wir spazierten stundenlang, Tag und Nacht, durch die dichte Vegetation, stellten Kamerafallen auf und klassifizierten Insekten. Diese Woche im Regenwald war mit Abstand eines der beeindruckendsten Dinge, die ich je erleben durfte.

Und weil ich nicht genug davon bekommen konnte, verschlug es mich ein paar Wochen später auch in den nördlichen Teil des Regenwaldes von Peru, nach Iquitos – eine Stadt, die nur mit Boot oder Flugzeug erreicht werden kann. Dort entdeckten wir pinke Delfine, fischten Piranhas, kuschelten mit Faultieren und sprangen zur Abkühlung direkt in den Amazonas.

Von einem kleinen Andendorf aus wanderte Elena Garcia Montoro auf über 4500 Metern zu verschiedenen türkisblau glitzernden Lagunen mit schneebedeckten Gipfeln im Hintergrund. Foto: privat

Ganz anders, aber nicht weniger beeindruckend, war der Ausflug nach Huacachina, einer kleinen Oase mitten in der Wüste circa vier Stunden von Lima entfernt. Zwischen all den Sanddünen fühlt man sich dort wie in einer anderen Welt. Wir sind mit einem Buggy über die Dünen gerast, haben Sandboarding ausprobiert und am Abend den Sonnenuntergang angeschaut.

Ein weiteres Highlight war meine Reise nach Huaraz, einem kleinen Bergdorf in den Anden. Nach einem Tag Akklimatisierung in der Ortschaft auf bereits 3000 Metern wanderten wir in den Folgetagen auf über 4500 Metern zu verschiedenen türkisblau glitzernden Lagunen mit schneebedeckten Gipfeln im Hintergrund.

Wenn man so viel unterwegs ist, merkt man irgendwann auch, dass man doch einiges an zu Hause vermisst. Es wird mein erstes Weihnachten ohne meine Familie sein und gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit fehlen mir viele kleine Dinge. Zum Beispiel Mamas selbstgebastelter Adventskalender, Omas Vanillekipferln oder ein Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt mit Freunden. Peru ist bunt, laut und voller Leben, aber Weihnachten fühlt sich irgendwie so fern an, wenn man alles Vertraute nicht um sich hat.

Nichtsdestotrotz beginnt die Vorweihnachtszeit auch hier rund vier Wochen vor Heiligabend. In vielen Häusern wird eine große Krippe,
die „Nacimiento“ genannt wird, aufgebaut.

Das Jesuskind wird erst am 24. Dezember feierlich in die Krippe gelegt. Allgemein zentriert sich hier das Weihnachtsfest vor allem auf den Abend des 24. Dezembers. Es wird ein aufwendiges Festmahl vorbereitet, das erst nach Mitternacht gegessen wird. Oft gibt es Truthahn und den traditionellen „Panetón“, einen süßen Kuchen mit kandierten Früchten. Nach dem Essen kann man dann noch vielerorts Feuerwerke anschauen.

Auch wenn es ein paar Unterschiede in den Feierlichkeiten gibt, ist die Familie hier ebenso der wichtigste Bestandteil des Weihnachtsfestes.

Meine Familie kann zwar dieses Jahr an Weihnachten nicht bei mir sein, aber dafür freue ich mich umso mehr, dass mein Freund mich besuchen kommt.

In Huacachina, einer kleinen Oase mitten in der Wüste, ging es in einem wilden Ritt mit einem Buggy über Sanddünen. Foto: privat

Wir werden die Feiertage gemeinsam in Cusco verbringen. Von dort machen wir uns auf den Weg nach Machu Picchu, ein Ort, der auf einer Reise durch Peru natürlich unabdingbar ist und schon lange ganz oben auf meiner Liste stand.

Und weil jeder gute Weihnachtsartikel eine kleine Botschaft braucht, möchte ich weitergeben, dass die schönsten Dinge nur selten Geschenke sind, sondern Momente und vor allem Menschen, mit denen man diese teilt.

In diesem Sinne schicke ich eine extra große Portion Liebe an meine Familie nach Hause! Und vor allem an meine liebe Oma möchte ich besonders denken, weil ich weiß, wie sehr sie sich diesen Artikel gewünscht hat.

Mit sonnigen Grüßen aus Lima wünsche ich allen Leserinnen und Lesern ein frohes Weihnachtsfest und ein glückliches neues Jahr!

Elena Garcia Montoro

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