Weihnachtsgrüße
Mehr als Burgen, Tempel und Schreine
Marius Baumann absolviert in Osaka ein Vollzeitpraktikum in einem Forschungslabor. In seiner freien Zeit ist er viel in Japan unterwegs.
Seit September bin ich für ein Auslandssemester in Osaka. Da ich zuvor noch nie so richtig außerhalb Europas war, wollte ich die Gelegenheit nutzen, um Auslandserfahrung mit dem Ausbau meiner praktischen Laborerfahrung zu verbinden. Deshalb habe ich mich für ein Programm beworben, in dem ich keine Vorlesungen besuche, sondern ein Vollzeitpraktikum in einem Forschungslabor mache. Unter der Woche arbeite ich im Labor, an den Wochenenden bin ich viel unterwegs – oft auch gemeinsam mit Freunden aus meiner Arbeitsgruppe.
Besonders viel Zeit verbringe ich damit, mir Burgen, Tempel und Schreine anzuschauen. Davon gibt es hier unzählige, und durch die Nähe zu Kyoto, der historischen Hauptstadt Japans, ist man mit der S-Bahn in kürzester Zeit an vielen beeindruckenden Orten.
Japan wirkt einerseits extrem städtisch – im Vergleich zur Metropolregion Osaka erscheint selbst Berlin fast klein – andererseits ist das Land sehr bergig. So ist man auch schnell aus der Stadt heraus mitten in der Natur. Zum Wandern kommt man hier voll auf seine Kosten, auch wenn man zuletzt etwas vorsichtiger sein muss, da in einigen Gegenden vermehrt Bären gesichtet wurden.
Ein Highlight der Vorweihnachtszeit ist die Verfärbung des Herbstlaubes. Vor allem der japanische Ahorn leuchtet im Spätherbst tiefrot und verwandelt viele Regionen in eine spektakuläre Landschaft.
Ein weiteres besonderes Erlebnis sind die zahlreichen heißen Quellen – Japan ist stark vulkanisch geprägt, weshalb es überall sogenannte Onsen gibt, traditionelle Badeorte mit sehr heißem Wasser.
Auch kulinarisch lässt es sich hier sehr gut leben: Essen gehen ist vergleichsweise günstig, für etwa 1000 Yen (ca. 5,60 Euro) wird man in einem Restaurant problemlos satt. Für das Schwabenherz sehr erfreulich ist auch, dass Wasser oder grüner Tee kostenlos sind und Trinkgeld als unhöflich gilt. Man zahlt also tatsächlich nur den Preis, der auf der Speisekarte steht.
Während bei uns Weihnachten ein sehr wichtiges Fest ist, hat in Japan das Neujahrsfest einen viel höheren Stellenwert. Daher bleibt unser Labor erst in der Woche nach Weihnachten über Neujahr geschlossen. Unser letztes Gruppenmeeting findet allerdings schon am 24. Dezember statt – direkt danach werde ich den Heiligabend in einem Nachtbus nach Nagano verbringen. Dort werde ich Weihnachten in einem Nationalpark sein, der berühmt für die Affen ist, die in heißen Quellen baden.
Anschließend fahre ich nach Tokyo, wo ich eine Freundin aus Beuren treffe, die gerade auf Weltreise ist. Gemeinsam werden wir die Stadt und die Natur rund um den Mount Fuji erkunden.
Mein Semester hier endet Ende Februar. Danach werde ich zusammen mit einem Freund aus Raidwangen noch durch China, Korea und Taiwan reisen, um auch andere Regionen Ostasiens kennenzulernen.
Gleichzeitig freue ich mich aber schon jetzt darauf, im April nach der langen Zeit endlich meine Freundin, meine Familie und meine Freunde in der Heimat wiederzusehen.
Zum Schluss möchte ich meine Familie – besonders meine Oma in Kohlberg – herzlich grüßen und allen in Nürtingen und Umgebung schöne und gesegnete Weihnachten wünschen.
Marius Baumann