Weihnachtsgrüße
Für die Kinder gibt es kleine Söckchen mit Geschenken
Birgit Zimmermann und das BMC-Team wünschen frohe Weihnachten und besinnliche Tage aus Eldoret in Kenia.
Wie jedes Jahr beginnt ab November die Weihnachtszeit in Deutschland. Es wird kalt und dunkel, aber auch sehr gemütlich zu Hause. Man rückt näher an Freunde und Familie und es kehrt ein wenig Ruhe ein. Zumindest bis Anfang Dezember…
Im Osten Afrikas, genauer gesagt in Kenia, läuft dies ein bisschen anders. Die Trockenzeit beginnt gerade. Der Mais, die Bohnen und der Kaffee können nun getrocknet und verkauft werden. Es gibt viele Feste und viel zu feiern, da sich das Jahr dem Ende zuneigt. Manche Firmen geben ihren Angestellten sogar den ganzen Dezember frei. Die „langen Ferien“ sind nicht wie bei uns im August, hier fangen sie im Dezember an, dadurch, dass das Schuljahr im Januar beginnt. Diese Zeit wird begleitet von viel Sonnenschein und angenehmen Temperaturen. Perfekt, um ein bisschen in der Sonne zu faulenzen!
Bei uns im BMC gibt es aber natürlich auch viel zu tun um diese Jahreszeit. Wir kümmern uns um unsere Schafe, Hühner und Gänse sowie um die Tomaten in unseren Gewächshäusern. Auch müssen immer wieder Ausbesserungsarbeiten an den Häusern und Ställen durchgeführt werden. Dabei helfen alle mit. Auch die vier Kinder, die gerade im BMC leben.
Ich unterstütze dabei überall so tatkräftig, wie es geht. Seit Anfang Oktober lebe ich nun hier und es ist wirklich schön! Es gibt tagsüber immer was zu tun. Abends sitzt man entweder zusammen oder man ist im Nachtdienst mit den Kindern, kocht und spielt zusammen etwas.
Was das ganze Jahr über jedoch gleich bleibt, ist der Glaube, den die Menschen an und in Gott haben. Jeden Sonntag gehen die meisten Kenianer zu den Gottesdiensten, die auch gerne mal den ganzen Tag dauern können. Es wird viel gesungen, getanzt und geredet. Die Menschen kommen hier zusammen und tauschen sich aus. Der Glaube spielt in Kenia eine wichtige Rolle. Sonntags wird man von Kirchenmusik aus Lautsprechern der Nachbarn geweckt, die einen den ganzen Tag begleitet. Nicht selten laufen in Matatus (eine Art öffentliches Verkehrsmittel) Predigten oder mehrstündige Gospel-Mix-Tapes. An öffentlichen Orten findet man Prediger, die, mit Mikrofon ausgestattet, das Wort Gottes verkünden. Sogenannte „Fellowships“, also Kirchengemeinden, finden sich nahezu an jeder Straßenabzweigung Kenias wieder.
Man begegnet nur sehr wenigen Menschen, die sich als Atheisten bezeichnen würden. Fast jeder Kenianer ist Teil einer Gemeinde. Rund 85 Prozent der Menschen sind christlich, gefolgt vom Islam mit etwa zehn Prozent. Die restlichen fünf Prozent setzen sich aus Anhängern anderer Religionen wie zum Beispiel dem Bahaitum, Hinduismus oder Buddhismus zusammen. Hinzu kommt, dass die Kirche eine große gesellschaftliche Stellung einnimmt. Priester genießen ein hohes Ansehen innerhalb der Gemeinden. Kirchenälteste haben neben ihren spirituellen Aufgaben wie zum Beispiel der Seelsorge, den Predigten oder Gebeten auch gesellschaftliche Pflichten. Sie dienen als Streitschlichter zwischen Gemeindemitgliedern, helfen Bedürftigen und sind moralische Vorbilder.
Um zu verstehen, wie Weihnachten gefeiert wird, muss man sich auch darüber im Klaren sein, dass das Weihnachtsfest und allgemein das Christentum in der Kolonialzeit durch die Briten in Kenia etabliert worden sind. Es gab und gibt bis heu-
te 47 verschiedene Stämme, von denen jeder eine eigene Kultur besitzt und eine eigene Sprache spricht. Wie letztendlich Weihnachten gefeiert wird, ist also auch abhängig davon, wie der Stamm Heiligabend feiert. Auch gibt es große Unterschiede zwischen der ländlichen Bevölkerung und der urbanen. So wird in Städten auf eine eher westliche Art das heilige Fest zelebriert. Es gibt Kunstschnee und es werden Weihnachtslieder in Einkaufshäusern und an öffentlichen Orten abgespielt. Zypressen werden bunt geschmückt, mit hellen Lichterketten dekoriert und dienen so als Weihnachtsbäume. Selten sieht man auch jemanden als Weihnachtsmann durch die Straßen ziehen.
In ländlichen Regionen fallen die Dekorationen schlichter aus. Es kommen eher naturalistische Materialien zum Einsatz. Die Geschenkekultur ist im Gegensatz zur westlichen Welt bei Weitem nicht so ausgeprägt. Wenn Geschenke gemacht werden, beinhalten diese überwiegend Klamotten. Unter den besserverdienenden gesellschaftlichen Schichten finden sich aber auch westliche Tendenzen wieder.
Was jedoch sowohl in den städtischen als auch in den ländlichen Regionen gleich ist, ist, dass die Menschen sich gegenseitig besuchen und gemeinsam mit Familien und Freunden das Fest feiern. Am 24. kann „Kesha“, eine lange Kirchenvesper, besucht werden, diese dauert bis Mitternacht und feiert die Geburt Jesu. Vereinzelt gibt es auch Krippenspiele. Am 25. Dezember wird dann zu einem Festmahl eingeladen. Das sogenannte „Nyama Choma“, das übersetzt aus dem Kiswahili „Grillfleisch“ bedeutet. Meist ist dieses Ziegenfleisch, kann aber auch Rind oder Schaf sein. Als Beilagen werden Pilau (gewürzter Reis), Chapati (ähnlich wie Pfannkuchen) und Mandazi (eine Art Gebäck) serviert. An diesem Tag wird gegessen, getrunken und gefeiert, oft auch bis in die Morgenstunden. In Städten findet dies auch in Restaurants, Bars und Clubs statt. Der 26. ist wie in Deutschland auch noch ein Feiertag und dient dann zur Erholung und der gemeinsamen Zeit mit der Familie.
Es gibt Gesangsgruppen, die umherziehen. Im Gegensatz zu uns fällt diese Tradition nicht auf den 6. Januar, den Tag, an dem wir der Heiligen Drei Könige gedenken.
Der Nikolaustag spielt ebenfalls keine große Rolle. Bei uns im BMC wird er jedoch gefeiert. Dieses Jahr kommt der Bibel-Kids-Club zusammen. Ich habe mich als Nikolaus verkleidet und den Kindern kleine Söckchen mit Geschenken überreicht.
In Kenia wird Weihnachten sowohl christlich als auch gemeinschaftlich-kulturell gefeiert. Wie auch bei uns kommen Familien und Freunde zusammen und feiern gemeinsam. Wobei in Kenia dabei der Fokus noch mal ein bisschen mehr auf der Gemeinschaft liegt.
Das Fest ist hier viel bunter, lauter und ausgelassener, als wir es aus Deutschland und dem Westen gewohnt sind. Traditionelle Werte der verschiedenen Stämme haben sich mit der christlichen Religion vermischt.
Aufgrund der warmen und trockenen Jahreszeit finden die Feste draußen statt und gehen bis spät in die Nacht hinein. So ist eine ganz neue, interessante Art und Weise entstanden, das heilige Fest zu feiern.
Ich freue mich schon darauf, an Weihnachten in Mombasa mit meiner Freundin am Strand zu liegen und das Weihnachtsfest dieses Jahr auf kenianische Art und Weise
zu feiern.
Heri ya Krismasi
Malte Simon und
Birgit Zimmermann
für das BMC-Team