Weihnachtsgrüße

Fenster, Balkone und Straßen werden zu leuchtenden Bühnen

Carolina Segura, Joel Schade und Zoe Samadhi Schade Segura erleben in Medellín in Kolumbien ein geselliges, lebendiges und fröhliches Weihnachtsfest

Das Wichtigste an Weihnachten ist für Carolina Segura, Joel Schade und ihre Tochter Zoe Samadhi gemeinsame Zeit mit lieben Menschen zu verbringen. Foto: privat

Wenn man an Weihnachten und Kolumbien denkt, erscheinen diese beiden zunächst wie vollkommen unterschiedliche Welten. Und doch merkt man schnell, dass der weihnachtliche Geist nicht vom Schnee abhängt, sondern von der Wärme der Menschen.

Wie man Weihnachten in Kolumbien wirklich erlebt, möchten meine kolumbianische Ehefrau Carolina und ich (Deutscher aus Stuttgart, aufgewachsen in Wendlingen, Abitur in Nürtingen) hier ein wenig näher erzählen. Denn sowohl 2024 als auch dieses Jahr verbringen wir Weihnachten in Medellín – zusammen mit unserer Tochter Zoe Samadhi (geboren 2024 in Nürtingen).

Zunächst sollte man eines wissen: In Kolumbien beginnt die Weihnachtszeit viel früher, als wir es aus Deutschland kennen. Bereits Mitte Oktober verwandeln viele Geschäfte ihr gesamtes Sortiment in einen festlichen Weihnachtsmodus. Während man in Deutschland noch darüber diskutiert, ob „Last Christmas“ im November zu früh im Radio läuft, bereitet man sich hier mit echter Vorfreude – und viel Liebe zum Detail – auf den Dezember vor.

Die Häuser füllen sich mit Weihnachtsbäumen, Girlanden, Figuren und vor allem mit Lichtern. Türen, Fenster, Balkone und Straßen werden zu kleinen leuchtenden Bühnen. Auch die Stadtviertel, Einkaufszentren und die Stadt selbst machen mit – oft mit beeindruckenden Lichtinstallationen und Programmen. Die offiziellen Einschaltzeremonien der Weihnachtsbeleuchtung gehen meist mit Musik, kleinen Shows und Familientreffen im Freien einher, von denen Kinder und Erwachsene gleichermaßen begeistert sind.

Zwei besonders schöne Traditionen in der Adventszeit sind der „Día de las Velitas“ am 7. Dezember und die „Novenas“ vom 16. bis 24. Dezember.

Am „Tag der kleinen Kerzen“ treffen sich Familien, Freunde und Nachbarn nach Sonnenuntergang in öffentlichen Räumen oder vor ihren Häusern. Sie zünden Kerzen an, teilen Essen, hören Musik, reden miteinander und genießen die besondere Atmosphäre dieser Nacht voller Licht und Gemeinschaft.

Die Novenas sind neun aufeinanderfolgende Abende, an denen man sich jeden Tag in einem anderen Haus trifft, um zusammen zu beten, Weihnachtslieder zu singen, zu essen und Zeit miteinander zu verbringen. Eine sehr soziale Tradition, die von Gastfreundschaft und dem Teilen lebt.

Und da der Dezember hier auch kulinarisch gefeiert wird, begegnet man überall der berühmten „Buñuelo-Diät“: kleinen goldenen, frittierten Käsebällchen, die man zu jeder Tageszeit nascht.

Da viele Menschen am 24. Dezember noch normal arbeiten, beginnt der Heiligabend oft erst gegen 21 oder 22 Uhr. Dafür wird bis in die frühen Morgenstunden gefeiert. Es gibt reichlich Essen, viel Musik, Tanz und eine lebendige, herzliche Feststimmung. Die Weihnachtsfeiern hier sind weniger still und dafür umso ausdrucksstärker, spontaner und voller Lebensfreude.

Insgesamt ist Weihnachten in Kolumbien weniger besinnlich und dafür geselliger, lebendiger, lauter und fröhlicher. Ganz anders als das Weihnachten meiner Kindheit – und doch im Wesentlichen ganz ähnlich. Denn am Ende geht es auch hier darum, mit den wichtigsten Menschen zusammenzukommen, Dankbarkeit zu zeigen, zu teilen und gemeinsame Erinnerungen zu schaffen.

Auch wenn ich meine „deutsche Weihnacht“ in diesem Jahr wieder vermissen werde, lehrt uns das Feiern in einer anderen Kultur neue Wege, beieinander zu sein und das Leben zu zelebrieren.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen aus der Ferne eine wunderbare, lichtvolle Weihnachtszeit und senden ein wenig südamerikanische Sonne direkt ins Herz.

Carolina Segura und Joel Schade
mit Zoe Samadhi Schade Segura

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