Weihnachtsgrüße

Ende November kommt Sanikolas mit dem Boot nach Bonaire

Sarah Krieg arbeitet als Elektroingenieurin bei der christlichen Radiostation des Trans World Radio auf der Karibikinsel Bonaire.

In ihrer freien Zeit genießt Sarah Krieg die Schönheit von Bonaire. Foto: privat

Bonaire – wo liegt das überhaupt? Das wurde ich von ungefähr jedem gefragt, dem ich erzählt habe, dass ich dieses Jahr dort für drei Monate arbeiten werde. Bonaire ist eine der drei ABC-Inseln in der Karibik, rund 100 Kilometer nördlich von Venezuela.

Ich bin Sarah und bin in dem wunderschönen kleinen Ort Schlaitdorf aufgewachsen. Nach meinem Elektrotechnikstudium in Stuttgart wollte ich noch einmal raus in die Welt und zudem praktische Erfahrungen sammeln in meinem Beruf. Nun bin ich hier in der Karibik gelandet und arbeite auf einer christlichen Radiostation des TWR.

Die Organisation Trans World Radio hat viele verschiedene Sendestationen auf der ganzen Welt verteilt und produziert und sendet christliches Radio. Vielleicht hat der eine oder andere von euch schon die Sendungen des Evangeliumsrundfunks ERF in Deutschland gehört?

Ich arbeite als Elektroingenieurin auf der Sendestation Bonaire mit. Mit 450 000 Watt senden wir jeden Abend und Morgen mit der Frequenz von AM 800 und FM 89,5 über die Karibik bis über Kuba im Norden und Brasilien im Süden. Unser Herzensanliegen ist es, dass alle Menschen die Möglichkeit bekommen, die Botschaft von Jesus Christus zu hören – egal wie entlegen der Ort ist – und Christen in ihrem Glauben ermutigt werden. Dafür bin ich hierhergekommen, um diese Arbeit zu unterstützen. Meine Aufgaben auf der Station reichen von der Planung der neuen Solaranlage bis zum wöchentlichen Transmittertest.

Nach der Arbeit genieße ich es sehr, die Schönheit der Natur zu bestaunen. Die Insel ist bekannt für wunderschöne Strände und besonders die Unterwasserwelt zieht jedes Jahr viele Taucher an. Am liebsten gehe ich an einem der vielen Strände schnorcheln oder freediving. Das bedeutet Tauchen nur mit Schnorchel, Flossen und einem Gürtel mit Gewicht. Das macht das Tauchen leichter, da man nicht nach oben oder unten gezogen wird, sondern man einfach eine neutrale Position unter Wasser halten kann. Das Tauchen und Schnorcheln ist hier wie in einem riesigen Aquarium, denn das Wasser ist angenehm warm und so klar, wie sonst fast nirgends auf der Welt. Gestern ist mir beim Schnorcheln eine Wasserschildkröte begegnet und die vielen bunten Fische, ich kann gar nicht mehr aufhören zu staunen, wie wunderschön dieser Ort hier ist. Etwas abseits der Badestrände findet man immer wieder Flamingos.

Bereits als ich hier Mitte November angekommen bin, waren einige Kreisverkehre und Häuser mit bunten Lichterketten für Weihnachten geschmückt. Die warmen Temperaturen von 30 Grad halten meine Weihnachtsgefühle zumindest jetzt noch sehr in Grenzen. Eines steht auf jeden Fall schon mal fest: Schnee werde ich dieses Jahr wohl nicht an Weihnachten haben. Wobei, das gab’s ja schon in Deutschland ganz selten.

Die Karibikinsel hat sich schon weihnachtlich herausgeputzt. Foto: privat

Ende November kam der heilige Nikolaus „Sanikolas“ mit dem Boot auf Bonaire an. Der Legende nach segelt dieser jedes Jahr von Spanien nach Bonaire und bleibt dort für zwei Wochen, um die Kinder der Insel zu besuchen. Der Nikolaus wird begleitet von bunt gekleideten Piets, die mit Tänzen und Trommeln in Kralendijk (Hauptstadt) anlegen und auf das Kai stürmen. Wenn die Kinder brav waren, legt der Sanikolas am 5. Dezember, dem Abend vor seiner Rückkehr nach Spanien, Geschenke und Süßigkeiten in die Schuhe. Um sicher zu gehen, dass der Sanikolas wirklich vorbeikommt, füllen manche Kinder die Schuhe mit Heu und Karotten, damit die Pferde des Sanikolas die Leckerbissen genießen können. Aber was passiert, wenn du nicht artig warst? Dann wirst du in einen der Säcke des zwarte Piet gesteckt und zurück nach Spanien gebracht, wo du dann auch zu einem zwarte Piet wirst!

Da viele der Inselbewohner aus Amerika oder den Niederlanden kommen, sind viele der Traditionen aus diesen Ländern mitgebracht worden. Einige Häuser sind schon ein Meer aus vielen bunten blinkenden Lichtern, die das Fest ankündigen.

Mit diesem Artikel sende ich Grüße nach Deutschland und wünsche euch allen ein wunderschönes Fest in friedlicher und liebevoller Gemeinschaft mit allen euren Liebsten.

Und ganz besonders grüße ich meine Familie und Großeltern, die dieses Jahr fünf Stunden vor mir Weihnachten feiern dürfen und mich erst im nächsten Jahr wieder in die Arme schließen können.

Sarah Krieg

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