Weihnachtsgrüße
Die Geschenke bringt ein rußverschmierter, netter Köhler
Ramona Wosnitza schickt ein herzliches „Kaixo“ aus dem Baskenland.
Jedes Jahr lese ich gespannt die Ausgabe der Nürtinger Zeitung mit den Weihnachtsgrüßen aus aller Welt – und dieses Jahr darf ich zum ersten Mal selbst einen Bericht schreiben. Denn ich verbringe die Vorweihnachtszeit in Spanien, genauer gesagt im Baskenland. Hier heißt es nicht mehr“Frohe Weihnachten“, sondern „Feliz Navidad“ – und auf Baskisch „Eguberri on“.
Schon Anfang September habe ich mich auf den Weg in mein Auslandssemester nach Spanien gemacht. Zumindest dachte ich, dass ich nach Spanien gehe. Doch nachdem ich hier nun seit einigen Monaten lebe, habe ich schnell gelernt: Auf dem Papier befinde ich mich zwar in Spanien, tatsächlich aber mitten im Baskenland – einer Region mit einer ganz eigenen Sprache, Kultur und Identität.
Anfangs erzählte ich jedem, dass ich mein Auslandssemester in einer kleinen Stadt namens Mondragón verbringe, in der Nähe von Bilbao. Mittlerweile weiß ich: Mondragón heißt auf Baskisch Arrasate, und auch Bilbao und San Sebastián tragen hier die Namen Bilbo und Donostia.
Selbst die typischen spanischen Tapas gibt es hier nur in abgewandelter Form – sie heißen Pintxos und sind ein wichtiger Teil der baskischen Esskultur.
Arrasate fühlt sich eher wie ein Dorf, als wie eine Stadt an. Umgeben ist es von beeindruckenden Bergen, die an die Alpen erinnern. Der größte darunter ist der Udalaitz, den wir gleich zu Beginn des Semesters mit den anderen Erasmus-Studierenden bestiegen haben. Für einige war es die erste Wanderung ihres Lebens – entsprechend aufregend wurde der Aufstieg.
Insgesamt sind wir hier rund 40 Studierende aus Ländern wie Mexiko, Brasilien, Italien, den Niederlanden, Ägypten und der Türkei. Und doch bin ich in einer WG mit zwei anderen Deutschen gelandet – beide ebenfalls aus dem Schwabenländle.
Während man Spanien oft mit Wärme, Sonne und Strand verbindet, sieht der Norden im Dezember ganz anders aus. Als meine Schwester mich vor einer Woche besucht hat und wir gemeinsam in Alicante waren, schien dort noch die Sonne und wir konnten im T-Shirt rumlaufen. Hier im Baskenland hingegen herrschen im Moment Temperaturen wie in Deutschland – und der erste Schnee ist bereits gefallen.
Die umliegenden Berge tragen eine überraschend dicke Schneeschicht, und langsam, aber sicher zieht auch hier die Vorweihnachtsstimmung ein. In den Supermärkten stehen die ersten Weihnachtsleckereien bereit, und die Städte beginnen zu leuchten. In Bilbo und Donostia öffnen ab Ende November die Weihnachtsmärkte – typisch spanisch mit vielen Churros-Ständen.
Doch die baskische Weihnachtszeit hält einige eigene Traditionen bereit. Am 6. Dezember wird der Weihnachtsbaum aufgestellt, Nikolaus wird jedoch nicht gefeiert. Am 8. Dezember ist „Inmaculada Concepción“, ein spanienweiter Feiertag. Und an Weihnachten kommt hier nicht Papá Noel, sondern der Olentzero gemeinsam mit Mari Domingi. Olentzero ist eine alte baskische Sagengestalt – ein rußverschmierter, freundlicher Kohlebrenner aus den Bergen, der am 24. Dezember die Geschenke bringt. Die Kinder öffnen sie allerdings erst am Morgen des 25. Dezember. In vielen Orten finden Umzüge statt, bei denen die Figuren feierlich durch die Straßen getragen werden.
Ganz vorbei ist die Weihnachtszeit danach aber noch nicht: Am 6. Januar wird „Errege Magoen Eguna“ gefeiert – der Tag der Heiligen Drei Könige, an dem die Kinder noch einmal Geschenke bekommen.
In den kommenden Wochen möchte ich unbedingt die baskischen Weihnachtsmärkte besuchen, bevor ich noch für ein paar Tage nach Málaga fliege.
Dort werden traditionell Ende November die Weihnachtslichter eingeschaltet, und auch die Temperaturen sind deutlich milder – bis zu 18 Grad. Ein kleines Stück Vorweihnachtszeit in der Wärme also.
Zu Weihnachten selbst fliege ich dann aber nach Hause zu meiner Familie – und hoffe, dass ich noch den einen oder anderen deutschen Weihnachtsmarkt besuchen kann.
In diesem Sinne wünsche ich allen daheim: „Eguberri on!“
Agur!
Ramona Wosnitza