Weihnachtsgrüße
Die gesamte Stadt ein einziger leuchtender Adventskalender
Jeremy Bartholomäi erlebt im Herzen der Alpen eine magische Adventszeit. In Innsbruck finden sich traditionelle Bräuche und moderne Varianten.
Mit großer Freude melde ich mich auch in diesem Jahr wieder bei allen treuen Leserinnen und Lesern der WaaW, der „Weihnachtsgrüße aus aller Welt“! Bereits zum zweiten Mal darf ich ein paar Grüße aus der Ferne schicken – diesmal zwar nicht aus Montana, aber die Berge sind geblieben. Für ein sechsmonatiges Management-Praktikum bei Hofer (Aldi Süd) hat es mich nach Innsbruck verschlagen, mitten ins Herz Tirols.
Auch wenn mein Praktikum offiziell erst im September begonnen hat, wohne ich schon seit Mitte Mai hier und durfte sogar den ganzen Sommer in dieser wunderschönen Stadt verbringen.
Mittlerweile kann ich sagen, dass ich gut angekommen bin – auch wenn mir der Tiroler Dialekt noch immer die eine oder andere Herausforderung stellt. Wenn ich nicht arbeite, nutze ich meine Freizeit vor allem in den Bergen: im Sommer beim Wandern, im Winter natürlich beim Skifahren. Innsbruck ist dafür einfach perfekt. Und doch erinnert einen die Natur hier auch an ihre Kraft: Gerade heute, während ich diesen Artikel schreibe, wurden im Stubai drei Menschen von einer Lawine verschüttet – zum Glück konnten alle gerettet werden.
Solche Momente zeigen, wie ernst man die Alpen nehmen muss. Etwas, das ich an Innsbruck besonders lieb gewonnen habe, ist der unerschütterliche Drang der Einheimischen, immer draußen zu sitzen. Während in Deutschland ab Oktober niemand mehr an einen Außenplatz denkt, sind hier selbst im Spätherbst die Terrassen voll besetzt – manchmal sogar tief im Winter. Dicke Jacken, Decken und Heizstrahler gehören einfach dazu.
Dieses gemütliche Draußensein beschreibt Innsbruck vielleicht besser als jedes Postkartenmotiv: rau, herzlich und irgendwie unerschütterlich. Richtig magisch wird es aber in der Adventszeit. Bereits Anfang November eröffnen die ersten Christkindlmärkte und hüllen die Altstadt in warmes Licht. Zwischen Ständen mit Kiachl, Glühwein und regionalem Kunsthandwerk fällt es leicht, in Weihnachtsstimmung zu kommen. Spätestens Anfang Dezember ist die gesamte Stadt ein einziger leuchtender Adventkalender.
Ein besonders spannendes Erlebnis ist für mich die Tiroler Krampus- und Perchtenzeit gewesen. Während ich vorher nur Bilder davon kannte, läuft man hier Anfang Dezember tatsächlich Gefahr, einem furchteinflößend maskierten Krampus über den Weg zu laufen. In ihren kunstvollen, teils jahrhundertealten Holzmasken ziehen die Gruppen – „Passen“ genannt – durch die Gassen, begleitet vom Nikolaus. Es ist laut, wild, archaisch und gleichzeitig eine Tradition, auf die man hier unglaublich stolz ist. Für Außenstehende vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, aber definitiv ein unvergesslicher Teil der Tiroler Adventzeit
Neben den klassischen Märkten gibt es natürlich auch modernere Varianten: Ob auf ein Glühwein im „Magic“, beim beliebten Techno-Punsch oder beim „Hoadl“, wo man winterliche Bergatmosphäre gerne mit elektronischen Beats mischt – Möglichkeiten, mit Freunden anzustoßen, gibt es mehr als genug. Obwohl im Einzelhandel rund um Weihnachten normalerweise eine Urlaubssperre herrscht, hoffe ich sehr, trotzdem ein paar Tage nach Deutschland zu kommen, um wertvolle Zeit mit meiner Familie zu verbringen.
In diesem Sinne sende ich herzliche Weihnachtsgrüße aus Innsbruck in meine Heimat! Möge die ruhige Zeit euch genauso viel Wärme schenken, wie mir die Tiroler Berge jeden Tag geben. Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr
Jeremy Bartholomäi