Nürtingen

Leben mit Polyneuropathie

Joachim Zaepfel Foto: Silvia Sollner

NÜRTINGEN. Wer die Diagnose „Polyneuropathie“ erhält, hat es mit Taubheitsgefühlen in den Beinen, Kribbeln, Brennen und gestörtem Wärme- und Kälteempfinden zu tun. Stechende, brennende Schmerzen und motorische Störungen wie ein unsicherer Gang begleiten die Betroffenen.
Da die Ursachen für eine Polyneuropathie unterschiedlich sind, sind auch die Behandlungsmöglichkeiten verschieden. Rund 70 Prozent der Betroffenen erhalten die Diagnose Polyneuropathie nach einer Krebsbehandlung, bei Alkoholmissbrauch oder bei einer Diabeteserkrankung. Durch die Messung der Blutwerte und der Nervenleitgeschwindigkeit oder ein MRT kann eine Polyneuropathie festgestellt werden. Die restlichen 30 Prozent sind meist ungeklärte Fälle.

Joachim Zaepfel, Leiter der Selbsthilfegruppe Mannheim, erzählte bei einer Veranstaltung mit über 60 Zuhörern im Nürtinger Bürgertreff seine eigene Geschichte: Er sei fast im Rollstuhl gelandet. Zaepfel ermutigte die Zuhörer, so wie er selbst aktiv zu werden, sich viel zu bewegen. Ergänzend zu einer medikamentösen Behandlung und Physiotherapie hat er auf die Ernährung geachtet: viel Vitamine und wenig Fleisch, Kaffee in Maßen, auf Alkohol hat er ganz verzichtet. Wegen einer Diabeteserkrankung hat er immer darauf geachtet, dass seine Blutzuckerwerte ausgeglichen sind.

„Nicht alles ist zu jedem Zeitpunkt die richtige Methode. Wenn man einen Weg gefunden hat, steigt das Selbstbewusstsein“, so Zaepfel: „Die Schonhaltung ist das Schlechteste.“

Befragt nach seiner Motivation bezüglich seines Engagements in der Selbsthilfegruppe sagte Joachim Zaepfel: „Ich möchte selbst mit meiner Krankheit klarkommen.“ Da er seit ein paar Jahren in Rente ist, sei das eine sinnvolle Beschäftigung. Er möchte ein Netzwerk von fünf Selbsthilfegruppen in Baden-Württemberg begleiten und die Gruppen unterstützen. Außerdem arbeitet er mit der Deutschen Polyneuropathie-Selbsthilfe zusammen, die eine nachhaltige Verbesserung der Lebensqualität von Betroffenen in Form von Beratung erbringen möchte.

Zwischendurch durften die Zuhörer zwei Übungen zum Gleichgewichtssinn ausprobieren. „Man sollte bezüglich des Gleichgewichts am Ball bleiben“, so Zaepfel.

In Nürtingen werden im Herbst weitere Treffen für Interessierte stattfinden.
Die Polyneuropathie ist nicht heilbar, man kann aber durch bestimmte Maßnahmen wie Ernährungsumstellung, Bewegung oder Medikamente eine Möglichkeit finden, die Symptome zu lindern, einen Weg für sich finden, um mit der Krankheit besser klarzukommen. Der Austausch von Erfahrungswerten unter den Betroffenen soll zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen.

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