NÜRTINGEN. Der Abend begann mit Friedenskerzen. In einem langen feierlichen Zug begaben sich die Schülerinnen und Schüler kürzlich singend in einer regelrechten Lichterkette von der Empore des Festsaals auf die Bühne: „Da pacem Domine“, ein gregorianischer Friedensruf aus dem 9. Jahrhundert. An ihn schloss sich die über 600 Jahre später entstandene Nachdichtung Luthers an, die nicht nur die Übersetzung, sondern auch die zentrale Botschaft formulierte: „Verleih uns Frieden“.
Damit gab der Chor der Klassen 8 bis 12 unter Leitung von Tobias Flick das Motto des Abends passend vor. Die jungen Sängerinnen und Sänger bewiesen eindrucksvoll auf einer musikalischen Zeitreise mit zahlreichen Stilvariationen, dass die Botschaft für Frieden im Kern immer dieselbe ist. Dabei ist es ganz gleich, ob sie aus dem Mittelalter stammt, spätromantisch-modern ist wie der „Song for Peace“ von Jean Sibelius oder es sich um ewig junge Evergreens handelt, die schon längst bewiesen haben, dass sie das Zeug zu regelrechten „Ohrwürmern“ haben: John Lennons „Imagine“ oder Billy Joels „Leningrad“.
Nicht ohne Grund hat das Publikum beim Spiritual „Down by the Riverside“ wie selbstverständlich mitgeschnipst. Der Chor überzeugte bei dieser Reise durch Epochen und Stile sowohl a cappella als auch begleitet von Geigen- und Cello-Klängen, im Kanon und mit professionell vorgetragenen Soli.
Die Botschaft des Abends: Die Friedenssehnsucht ist so alt wie der Krieg. Beklemmend angesichts der weltweiten Konflikte, von denen der Ukraine-Krieg und die neu aufgeflammten Konflikte im Iran und Nahen Osten nur Teile sind. Doch die vielen Friedenslieder und Protestsongs gegen den Krieg beweisen, dass es sich lohnt, zu hoffen.
Das führte auch der Chor der Klassen 5 bis 7 unter der Leitung von Ralf Ellinger eindrucksvoll vor Augen und Ohren. „Stell dir vor, es ist Frieden, und jeder geht hin!“: nach diesem Motto präsentierte er Udo Lindenbergs mit zahlreichen Wortspielen durchsetzten Song „Wir ziehen in den Frieden“ – auch eine Hommage an den gerade 80 Jahre gewordenen Sänger. Der „Sonderzug nach Pankow“ nahm das Publikum mit in die Welt der 80er, als sich Lindenberg in der DDR für Aussöhnung und Frieden einsetzte. Variantenreich rahmten weitere Klassiker die peppig-wirkungsvollen Lindenberg-Songs ein: der Kanon „Dona nobis pacem“ und „Morning has broken“.
Bei der Zugabe zeigte sich, was das HöGy als Musikgymnasium allein an Chören zu bieten hat: Alle 170 Schülerinnen und Schüler füllten die Bühne aus und präsentierten Michael Jacksons „Heal the World“ – ein Appell an den Frieden und an die Hoffnung. pm