Licht der Hoffnung
Der schwäbische Gulag
Kabarettist Johannes Warth bewies bei IKK-Veranstaltung für „Licht“: Freude macht gesund
NÜRTINGEN. Manch einer mag skeptisch gewesen sein: Kabarett zum Thema Gesundheit? „Ermutigung“ (so der Titel der Veranstaltung) durch einen Spaßmacher? Würde einem da einer dieser Motivations-Gurus auf die Nerven gehen, die nach US-Art und Weise „Alles ist möglich“ in den Raum rufen und darauf setzen, dass ihr Publikum just dies zurückbrüllt?
Vorgestern Abend war im Nürtinger K3N diese Angst auf jeden Fall völlig unbegründet. Johannes Warth arbeitete weder mit Brechstange noch mit Holzhammer, sondern mit Witz, Geist und Selbst-Ironie. Und ließ die rund 500 Zuhörer beim Abend der IKK classic zu Gunsten unserer Aktion „Licht der Hoffnung“ regelrecht körperlich spüren, dass Gesundheit sehr viel mit Freude zu tun hat.
Obwohl er aus seiner Aktentasche die verschiedensten Dinge zaubert, ist der Oberschwabe alles andere als ein Taschenspieler. Sondern ein höchst begnadeter Wortspieler. Manches mag verrückt klingen, aber gerade dadurch kommt er umso sicherer zum Kern der Dinge. Zumal er alles andere als oberlehrerhaft auftritt, sondern seine Weisheiten (und das ist durchaus wörtlich zu nehmen) von Mensch zu Mensch rüberbringt.
Es dürfte wohl kaum jemand geben, der sich da nicht gleich mehrmals wiedererkannt hätte: Sei es in der morgendlichen Muffelei, im mangelnden Selbstbewusstsein. In der Angst davor, „was bloß die Leut’ saget“. Im hektischen Hin und Her, statt konzentriert bei einer Sache zu bleiben. In der Furcht, zu kurz zu kommen im Leben (ohne zu wissen, was man eigentlich will). Im Verzicht auf die eigenen Träume. Im beruflichen Kampf – Abteilung gegen Abteilung. In der Resignation, die sich in der Sehnsucht nach dem Ruhestand widerspiegelt.
All das sind die Gitterstäbe des Gefängnisses der Menschen von heute. Sie glauben, es gäbe kein Entrinnen, es müsse alles so bleiben, wie es ist, weil es schon immer so war und man es schon immer so gemacht hat. So sieht der schwäbische Gulag aus. Der letztlich krank macht.
Warth aber machte Mut: Es gibt einen Weg aus diesem Kerker. Und der führt über einen selbst. Über die Freude an sich, anderen und dem, was einem gelingt. Über das Ja zu sich selbst, das auch das Scheitern erträglich macht und einem die Kraft schenkt, es eben immer wieder aufs Neue zu versuchen. Warths frohe Botschaft: Wer Träume und Ziele hat, in dem wird das Licht der Hoffnung nie erlöschen. Gut so!