Licht der Hoffnung
„Bei uns gibt es keine ,Stille Nacht‘“
Licht der Hoffnung: Vusa Mkhaya erzählt von Weihnacht in Afrika und dem Konzert heute mit MoZuluArt und Wiener Symphonikern
Wie europäische Klassik und die feurigen Rhythmen Afrikas miteinander verschmelzen – das kann man heute, Samstag, um 20 Uhr in der evangelischen Kirche Zu unserer lieben Frau in Frickenhausen erleben. Das zweite Konzert des Festivals der Hoffnung gestalten das Ensemble MoZuluArt und ein Streichquartett der Wiener Symphoniker; Motto: „African Christmas“.
FRICKENHAUSEN. Im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt Vusa Mkhaya – einer der Sänger aus Simbabwe – über Weihnacht in seiner Heimat Bulawajo (wo die Nürtingerin Helga Landsmann ja ein auch schon von unserer Aktion unterstütztes Projekt leitet, in dem junge Leute zu Schreinern ausgebildet werden), die Musik Afrikas und Europas und seine eigenen Gefühle in dieser Jahreszeit.
„Weihnacht in Afrika“ – so lautet der Titel eures Programms. Gibt es eigentlich auch Advent in Afrika?
Nein. Die vier Wochen vor Weihnachten feiern zumindest wir in Simbabwe nicht. Bei uns ist es erst am 25. Dezember so weit. Bis dahin gibt es nur ganz normale Wochenenden.
Dann kennt man im südlichen Afrika auch keine Adventskränze?
Zu Hause hab ich so was noch nie gesehen. Ein Adventskranz ist mir zum ersten Mal in Wien begegnet.
Und wie sieht es eigentlich mit Christbäumen aus?
Da haben wir nur künstliche Bäume. Bei uns wachsen schließlich keine Tannen. Aber das Haus wird natürlich schon geschmückt – und zwar so wie beim Fasching hier in Europa: viele farbige Bänder, viele bunte Luftballons. Für die Kinder ist das immer eine tolle Zeit. Denn die sind für den Schmuck zuständig.
Was singt man denn in Afrika zur Weihnachtszeit?
Wir haben eine Menge Lieder. Morgens gehen wir in die Kirche und singen von Jesus. Mittags beginnt dann mit dem Essen das große Fest mit der Familie und Freunden.
Und was ist denn euer typisches Weihnachtsessen?
Das sind alles Speisen, die man sich normal nicht gönnt. Es wird viel gekocht an diesem Tag. Alles Mögliche: Hähnchen, Fisch, Fleisch. Lauter Dinge halt, die man sonst im Alltag nicht isst. Sondern nur an diesem speziellen Tag.
Welche Instrumente kommen denn an Heiligabend zum Einsatz?
In der Region Simbabwes, aus der ich komme, ist die Stimme das Hauptinstrument. Es wird sehr viel gesungen. Heute gibt es zwar die modernen Instrumente wie Gitarren und so weiter, aber die sind nicht im Vordergrund. Sondern die Stimme ist bei uns vom Volk der Ndebele das Wichtigste.
Heute Abend sind in Frickenhausen ja auch vier Streicher der Wiener Symphoniker mit dabei. Warum denn das?
Die ergänzen das Konzept von MoZuluArt. Die Grundbesetzung sind die Stimmen von Ramadu, Blessings Nkomo und mir sowie Roland Guggenbichler. Dazu kommen heute noch die Violinistinnen Lucia Hall und Elisabeth Schmetter, Michael Buchmann mit der Viola und Arne Kircher mit dem Cello. Denn wir wohnen nun mal in Wien, und wenn man da von klassischer Musik spricht, gehören die Streicher einfach dazu. Erst das gibt dann den vollen Sound.
Ihr sucht und findet ja immer das Verbindende zwischen der europäischen Klassik und der Musik von Afrika. Wie erlebt man das denn heute Abend bei den Weihnachtsliedern?
Es wird gesungen. Es wird getanzt. Es wird laut. Es wird bunt. Es ist eine Mischung aus allem, was man sich denken kann. Denn wenn wir in Simbabwe miteinander feiern, gibt es keine „Stille Nacht“. Da geht es schon laut her. Freude und Spaß stehen im Mittelpunkt. Und das wollen wir auch das Publikum in Frickenhausen miterleben lassen.
Was ist denn Ihr persönliches Lieblings-Weihnachtslied?
Das werde ich heute Abend auch singen: „Bethlehem“. Dieses Lied hab ich nämlich schon mit fünf Jahren mit dem Kinderchor in der Kirche gesungen. Und seither mag ich das sehr.
Was bedeutet Ihnen eigentlich Weihnachten?
Familie. Zusammensein. Die Freude, dass Jesus geboren ist. Wir feiern Christus. Und das Miteinander in der Familie. Und die Dankbarkeit, dass wir alle am Leben und zusammen sind.
Ist das für Sie das schönste Geschenk?
Ja. Ganz sicher. Wenn alle in meiner Familie gesund und beisammen sind, kann es nichts Schöneres geben. Als Kind hab ich mich natürlich auf Geschenke gefreut. Aber jetzt ist für mich das Schönste, wenn alle aus meiner Familie und meiner Freunde am Leben und gesund sind. Das ist nicht selbstverständlich. Gerade, wenn man aus Afrika kommt.