Leserbriefe

Wer ist hier wirklich willkommen?

Christof Schnitzler, Nürtingen. Zum Leserbrief „Sachlichkeit statt Spitzen“ vom 22. Januar.

Ich habe in der Podiumsdiskussion eine Situation geschildert und dem Kandidaten Felix Schneider eine Frage gestellt: Ein junger Freund von mir ist ausländischer Mitbürger und eng mit mir befreundet. Er arbeitet in der Medius-Klinik als Assistenzarzt – mit Tag- und Nachtschichten, Wochenenddiensten und Rufbereitschaft. Er macht diese Arbeit mit viel Freude und großem Engagement. Ich habe Herrn Schneider gefragt, wie er es sieht, dass ausländische Mitbürger bei uns arbeiten.

Herr Schneider erwiderte, dass auch die AfD ausländische, qualifizierte Arbeitskräfte willkommen heiße. Diese Antwort hat mich sehr überrascht, da er sich in der Diskussion aus meiner Wahrnehmung mehrfach sehr kritisch und wenig wertschätzend gegenüber ausländischen Menschen, die zu uns kommen wollen, geäußert hat. Mit seinen Äußerungen hat er aus meiner Sicht bei diesen Menschen ein Gefühl der Angst erzeugt.

Ich habe mit meinem Freund darüber gesprochen. Er berichtet mir: Wenn er in der Klinik arbeitet und die Patientinnen und Patienten anlächelt, lächeln sie zurück. Wenn er jedoch ohne weißen Mantel in die Klinik läuft und Fußgänger anlächelt oder grüßt, drehen diese häufig den Kopf weg und grüßen nicht zurück.

Er sagt mir auch: „Wenn ich in Deutschland nicht mehr willkommen bin, ist es für mich kein Problem, in einem Land zu arbeiten, in dem ich willkommen bin. Wir sind in der Klinik mehrheitlich ausländische Menschen – von den Ärzten bis zum Reinigungspersonal. Wir sind ständig unterbesetzt und leisten Überstunden. Deutschland braucht uns doch viel mehr, als wir Deutschland brauchen.“ Ich denke, vor diesem Hintergrund sind kritische Rückfragen sinnvoll und erlaubt.

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