Carina Plach, Nürtingen. Zum Artikel „Gemeinderat schafft Stadtticket ab“ vom 7. Mai.
Schätzungsweise lege ich 90 Prozent meiner Wege innerhalb der Stadt, inklusive Teilorte, mit dem Fahrrad oder zu Fuß zurück. Zu jeder Jahreszeit. Sei es zur Arbeit, zum Einkaufen, zum Arzttermin, zur Musikschule mit den Kindern oder zu kulturellen Veranstaltungen. Und an Regentagen, bei Glatteis oder Schnee? Da musste ich nicht lange überlegen: Die erste Wahl war das Stadtticket. Nur bei größeren Einkäufen oder wenn für die Arbeit sperrige Dinge transportiert werden müssen und auch das Lastenrad an seine Grenzen gerät, greife ich gerne auf das Auto zurück.
Die Stadt mit Individualverkehr zu belasten, ist nicht mein Ziel. Aber nach Abschaffung des Stadttickets stellt sich mir nun die Frage: Investiere ich künftig für solche Fahrten sieben Euro (Hin- und Rückfahrt, gegebenenfalls zuzüglich Bustickets für die Kinder) in ein Busticket oder nehme ich lieber das Auto und fahre günstiger – trotz anfallender Parkgebühren?
Bequemer und flexibler wäre das noch obendrein. Was also außer purem Idealismus sollte mich künftig zum Busfahren motivieren? Ich wünschte, der Gemeinderat hätte anders entschieden und das Stadtticket beibehalten. Das ist aus meiner Sicht ein trauriges Signal für die Verkehrswende – auch in der Vorbildfunktion für die kommende Generation, die doch von klein auf lernen könnte, dass „Taxi Mama“ nicht das Verkehrsmittel Nummer eins sein sollte.
Nicht schlecht staunte ich auch, als ich erfuhr, dass ein Zugticket von Irlands Hauptstadt Dublin in den Küstenort Bray (circa 22 Kilometer) sage und schreibe 2,60 Euro kostet. Damit komme ich hier nicht mal drei Kilometer weit – von einem Nürtinger Stadtteil in die Innenstadt. Ein Blick über den Tellerrand lohnt sich: Andere Länder priorisieren Mobilität anders. Ich befürworte daher die Aussage von Stadtseniorenrätin Ute Altenburger, dass der städtische Zuschuss nicht nur als Belastung, sondern als Investition in die soziale Infrastruktur und Attraktivität der Stadt gesehen werden sollte. Auch ein fahrradfreundlicheres Nürtingen wäre hierfür wunderbar.
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