Leserbriefe

Nicht entmutigen lassen

Maike Pfuderer, Stuttgart. Zum Artikel „Regenbogenfahne an Kirche zerstört“ vom 3. Januar.

Das Jahr ist noch jung – und die Einfalt schlägt bereits wieder mit aller Macht zu. Ausgerechnet das Zeichen des Bundes zwischen Gott und den Menschen wird beschädigt: der Regenbogen. Schon im ersten Buch Mose (9,16) heißt es: „Der Bogen wird in den Wolken stehen, und wenn ich ihn sehe, werde ich an den ewigen Bund denken, den ich mit allen lebenden Wesen auf der Erde geschlossen habe.“

In der Lutherkirche wurde ich getauft und konfirmiert. Es ist daher nur folgerichtig, dass ich die aktuellen Bemühungen der Gemeinde als queere Christin und politisch aktive Frau mit großer Anteilnahme verfolge. So war ich auch im Juli 2024 im Gottesdienst mit Pfarrer Siegfried Zimmer – auch wenn ich seine Ansichten in Teilen für antiquiert und von der Realität überholt halte. Homosexualität ist eben nicht nur männlich, wie sie im Alten Testament in der Geschichte von Sodom beschrieben wird. Theologie und Landeskirche sind hier heute deutlich weiter. Entscheidend aber ist: der gute Wille. Und dieser ist in der Lutherkirche spürbar und beheimatet.

Die Lutherkirchengemeinde mit Pfarrer Paul Bosler an der Spitze sowie die Gesamtkirchengemeinde Nürtingen möchte ich ausdrücklich ermutigen, diesen Weg der Vielfalt konsequent weiterzugehen: mit einer neuen Regenbogenfahne an der Fassade – gern auch in Form der noch vielfältigeren Progress-Pride-Flag –, mit Veranstaltungen und, träumen darf ja erlaubt sein, vielleicht sogar mit einer sichtbaren Regenbogenbeflaggung zum CSD 2026 in Nürtingen am Turm der Stadtkirche. So könnten Stadtgesellschaft und Kirche gemeinsam ein deutliches Zeichen setzen: für Würde, für Respekt und für einen Glauben, der niemanden ausschließt.

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