Leserbriefe

Eine Idee von Besserverdienenden

Jürgen Merkle, Neuffen. Zum Artikel „Zahnbehandlung nicht mehr als Kassenleistung“ vom 2. Februar.

Dieser Bericht schreit nach einem Leserbrief. Dass aus CDU-Wirtschaftskreisen vorgeschlagen wird, zahnärztliche Leistungen weiter aus der gesetzlichen Krankenversicherung zu streichen, ist kein Zufall – es ist Klientelpolitik in Reinform. Von 2019 bis 2021 war Friedrich Merz Vizepräsident des CDU-Wirtschaftsrats. Solche Ideen entstehen nicht am Küchentisch von Rentnern oder Familien, sondern in den Chefetagen von Unternehmern und bei denen, die sich private Zusatzversicherungen und hohe Eigenanteile problemlos leisten können.

Für dieses gutverdienende Klientel sind Zuzahlungen ärgerlich. Für Millionen gesetzlich Versicherte sind sie eine echte Hürde. Wer wenig verdient oder von einer Rente lebt, überlegt sich heute schon zweimal, ob er sich Zahnersatz leisten kann. Weitere Kürzungen bedeuten faktisch: Behandlung nur noch für diejenigen, die zahlen können – alle anderen müssen mit Schmerzen, Provisorien oder Verzicht leben. Zahngesundheit wird dabei bewusst verharmlost, als wäre sie ein verzichtbarer Luxus. Das ist zynisch. Entzündete Zähne machen krank, beeinträchtigen Ernährung, Lebensqualität und oft die gesamte Gesundheit. Trotzdem wird ausgerechnet hier gespart – nicht aus medizinischer Notwendigkeit, sondern aus ideologischer Fixierung auf Beitragsstabilität für Besserverdienende. Ein Praxisbeispiel zeigt die Realität: Für eine Krone übernimmt die GKV als Festzuschuss vielleicht rund 300 Euro von Gesamtkosten um 1000 Euro – den Rest zahlt der Patient selbst. Eine solidarische Krankenversicherung ist kein Sparinstrument für wirtschaftspolitische Wunschlisten. Zahnmedizin gehört zur Grundversorgung der GKV und muss dortbleiben. Alles andere ist ein Rückzug aus der Solidarität – und den sollten wir nicht hinnehmen.

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