Leserbriefe

Der Rechtsruck kehrt zurück

Klaus Nägele, Nürtingen.

Am 8. Mai 1945 endete die Schreckensherrschaft eines auf 1000 Jahre angelegten Reichs, regiert von ganz rechts. Drei Nürtinger Gemeinderäte begründen am 6. Mai ihren politischen Rechtsruck im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. 81 Jahre nach Kriegsende ein Hohn für alle, deren Verwandte diesen Wahnsinn mit dem Leben bezahlen mussten. 2026 verbreiten rechte Parteisoldaten ihre Botschaften wieder ungestraft in allen Medien – und das nach Jahrzehnten aktiver Klientelpolitik.

Was hat diese Politik in dieser Zeit bewirkt? Verkehrspolitik – ein komplettes Desaster, bekannt seit über 20 Jahren. Wirtschaftspolitik – Waren, die keiner mehr haben will, angezählt seit 30 Jahren. Energiepolitik – Konzerne füllen sich die Taschen, offensichtlich seit über 40 Jahren. Wohnungspolitik – Totalversagen auf Kosten der eigenen Bevölkerung, absehbar seit über 50 Jahren. Sozialpolitik – Schieflage mit Ansage seit über 60 Jahren.

Alles in allem eine Sackgassenpolitik ohne jede Perspektive für die folgenden Generationen. Und jetzt soll es wieder einmal ein Ruck nach rechts richten. Wie armselig und fantasielos. Diese Politik handelt nicht zum Wohle der Gesellschaft, sondern sichert sich Wählerstimmen und verfolgt damit nur ein Ziel: maximalen Machtgewinn und die Beschaffung von Mehrheiten für die offensichtlichsten Fehlleistungen der letzten 80 Jahre.

Mein Opa wurde im September 1943 hingerichtet. Er wollte nie den totalen Krieg, und er wollte auch nie eine tausendjährige Diktatur – dafür hat er mit seinem Leben bezahlt. Und welch Ironie des Schicksals im Jahr 2026: Die Ansage der Nürtinger Gemeinderäte sendet ein öffentlich-rechtlicher Sender – den die Rechten als Erstes abschaffen würden.

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