Gesundheit im Alltag

Das Hantavirus‑Risiko steigt: Experte von den Medius-Kliniken warnt vor Risiko bei Garten- und Aufräumarbeiten

Erste warme Tage, erstes Risiko: Hantavirus-Infektionen nehmen wieder zu. Wie sie behandelt werden und wie man vorbeugen kann, erklärt Christian Löffler, Sektionsleiter der Nephrologie an den Medius-Kliniken in Kirchheim und Nürtingen.

Hantaviren werden von infizierten Nagetieren, vor allem von Rötelmäusen, ausgeschieden.Der Mensch steckt sich in der Regel durch das Einatmen von virushaltigem Staub an. Foto: pm

KIRCHHEIM/NÜRTINGEN. Mit den ersten warmen Tagen zieht es viele Menschen wieder nach draußen. Gärten werden vorbereitet, Geräteschuppen aufgeräumt und Lauben oder Keller nach dem Winter gründlich gereinigt. Was für viele zum festen Frühjahrsritual gehört, kann jedoch ein unterschätztes Gesundheitsrisiko bergen: das Hantavirus.

Auch im Landkreis Esslingen kommt es immer wieder zu Hantavirus-Infektionen. Die Erkrankung ist selten, kann jedoch ernsthafte Folgen haben, insbesondere für die Nieren.

Wie häufig kommt eine Hantavirus-Infektion vor?

Hantavirus-Infektionen treten in Deutschland jedes Jahr auf, wobei die Fallzahlen deutlich schwanken. In Jahren mit hoher Mäusepopulation werden bundesweit mehrere hundert bis über tausend Erkrankungen gemeldet. Besonders häufig treten Infektionen im Frühjahr und Sommer auf. Der Grund: In dieser Zeit kommen Menschen verstärkt mit Bereichen in Kontakt, in denen sich Nagetiere aufgehalten haben, etwa beim Reinigen von Schuppen, Garagen oder Gartenhäusern.

Wie steckt man sich an?

Hantaviren werden von infizierten Nagetieren, vor allem von Rötelmäusen, ausgeschieden. Der Mensch steckt sich in der Regel durch das Einatmen von virushaltigem Staub an. Dieser entsteht, wenn getrockneter Mäusekot oder Urin aufgewirbelt wird, etwa beim Fegen, Ausräumen oder Kehren. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch spielt in Europa praktisch keine Rolle. Gerade typische Frühjahrsarbeiten bergen deshalb ein erhöhtes Risiko, wenn sich über den Winter Mäuse in geschlossenen Räumen eingenistet haben.

Welche Symptome treten auf?

Nach einer Ansteckung vergehen meist zwei bis vier Wochen, bis erste Beschwerden auftreten. Die Erkrankung beginnt häufig plötzlich mit hohem Fieber, starken Kopf- und Gliederschmerzen sowie ausgeprägtem Krankheitsgefühl. Nicht selten kommen Flanken-, Bauch- oder Rückenschmerzen hinzu. In Deutschland verursachen die meisten Hantaviren eine Erkrankungsform mit Nierenbeteiligung, die sogenannte Nephropathia epidemica. Diese kann sich durch Veränderungen der Urinmenge, erhöhte Nierenwerte oder Wassereinlagerungen bemerkbar machen. In schweren Fällen kann es zu einem akuten Nierenversagen kommen, das eine stationäre Behandlung und selten sogar eine kurzzeitige Dialyse erforderlich macht.

Einschätzung aus ärztlicher Sicht

PD Dr. med. Christian Löffler, Sektionsleiter der Nephrologie an den Medius-Kliniken in Kirchheim und Nürtingen, ordnet ein: „Gerade im Frühjahr sehen wir immer wieder Patientinnen und Patienten, die sich vermutlich bei Aufräumarbeiten, Gartenarbeiten oder durch Aufenthalt im Wald infizieren. Die Erkrankung beginnt oft wie eine Grippe, weshalb der Zusammenhang nicht sofort erkannt wird.“ Wichtig sei es, bei anhaltendem Fieber und ausgeprägtem Krankheitsgefühl auch an eine mögliche Hantavirus-Infektion zu denken, insbesondere nach Kontakt mit staubigen, geschlossenen Räumen. „Bei rechtzeitiger Diagnose können wir Betroffene gut überwachen und Komplikationen, insbesondere an den Nieren, frühzeitig behandeln. Erfreulicherweise heilt die Erkrankung fast immer folgenlos aus“, so Dr. Löffler.

Gibt es Risikogebiete?

Hantaviren kommen vor allem in wald- und feldreichen Regionen vor, da hier die natürlichen Wirte leben. Auch der Landkreis Esslingen zählt zu den Regionen, in denen entsprechende Voraussetzungen gegeben sind. Ein konkretes Infektionsrisiko besteht nicht flächendeckend, sondern vor allem dort, wo sich Mäuse aufhalten oder aufgehalten haben. Wie kann man sich schützen? Da es keinen Impfstoff gegen Hantaviren gibt, kommt der Vorbeugung eine besondere Bedeutung zu. Experten raten insbesondere im Frühjahr zu einfachen, aber wirksamen

Schutzmaßnahmen

Räume wie Geräteschuppen, Keller oder Dachböden sollten vor dem Reinigen gut gelüftet werden. Staub sollte nicht trocken aufgewirbelt, sondern feucht aufgenommen werden. Handschuhe und gegebenenfalls eine Atemschutzmaske können zusätzlichen Schutz bieten. Zudem hilft es, Lebensmittel und Tierfutter sicher zu lagern und mögliche Unterschlupfe für Nagetiere rund um Haus und Garten zu beseitigen.

Wie wird eine Hantavirus-Infektion behandelt?

Eine gezielte medikamentöse Therapie gegen das Virus gibt es nicht. Die Behandlung erfolgt symptomorientiert. Das bedeutet, Fieber und Schmerzen werden gelindert, und die Organfunktionen, insbesondere die der Nieren, werden engmaschig überwacht. In schweren Fällen ist eine stationäre oder intensivmedizinische Behandlung mit Hämodialyse notwendig.

Frühzeitig reagieren bei typischen Beschwerden

Der Frühling ist eine Zeit des Aufbruchs und der Aktivität. Mit etwas Aufmerksamkeit und einfachen Vorsichtsmaßnahmen lassen sich unnötige Risiken vermeiden. Wer nach Garten- oder Aufräumarbeiten plötzlich hohes Fieber, starke Kopf- oder Gliederschmerzen, häufig auch Flankenschmerzen, Lichtscheu und ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl entwickelt, sollte zunächst die Hausärztin oder den Hausarzt aufsuchen. Dort kann geklärt werden, ob der Verdacht auf eine Hantavirus-Infektion besteht und welche weiteren Untersuchungen notwendig sind. Wenn sich in der Untersuchung des Blutbilds ein Mangel an Blutplättchen (Thrombozyten) und/oder ein Anstieg der Nierenwerte (Kreatinin) findet, besteht hoher Verdacht. Falls sich Hinweise auf einen schwereren Verlauf oder eine Nierenbeteiligung zeigen, entscheidet die hausärztliche Praxis über eine weiterführende Abklärung oder eine stationäre Behandlung in einer Klinik.

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