Geschichten aus der Klinik

Angehörigenfreundliche Intensivstation: Wie Nähe die Genesung stärken kann, zeigt die Medius-Klinik Ruit

Angehörige als Brücke zurück ins Leben: Die Intensivstation der Medius-Klinik Ostfildern-Ruit wurde als angehörigenfreundlich zertifiziert – ein Meilenstein für moderne Intensivmedizin mit Herz.

Wenn der 72-jährige Klaus Hefle (Name geändert) heute an seine Zeit auf der Intensivstation zurückdenkt, sieht er nicht nur medizinische Geräte und Monitore – er denkt vor allem an seine Frau, die dort täglich seine Hand gehalten hat. „Ich wusste nicht, ob ich das überlebe – aber ich wusste, dass sie da ist. Das hat mir Kraft gegeben“, erinnert er sich.

In den vergangenen Jahrzehnten waren Besuchszeiten auf deutschen Intensivstationen zumeist streng geregelt. Zeitdruck, Unsicherheit und fehlende Strukturen für den Umgang mit Angehörigen führten dazu, dass diese oft als Störfaktor empfunden wurden. Doch in den letzten Jahren hat sich auf vielen Intensivstationen etwas verändert. Heute steht der Mensch im Mittelpunkt – und mit ihm sein soziales Umfeld. Studien belegen: Die Anwesenheit vertrauter Personen fördert nicht nur das seelische Wohlbefinden, sondern auch die körperliche Heilung messbar. Delirien – also akute Verwirrtheitszustände – treten seltener auf, der Medikamentenbedarf sinkt, Beatmungs- und Liegezeiten können verkürzt werden.

Auch für die Angehörigen selbst – ob Partner, Eltern oder Kinder – ist die Zeit auf der Intensivstation eine große emotionale Belastung. Eine strukturierte, einfühlsame Einbindung kann diese Situation deutlich erleichtern.

Die Medius-Klinik Ostfildern-Ruit wurde kürzlich von der Deutschen Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste (DGF) als „angehörigenfreundliche Intensivstation“ zertifiziert. Damit erfüllt sie hohe Standards im Umgang mit Angehörigen – und setzt ein starkes Zeichen für Menschlichkeit.

Die Leitgedanken dabei sind:

  • Offenheit: Kommunikation auf Augenhöhe – regelmäßig und transparent
  • Einbindung: Angehörige werden als Teil des therapeutischen Teams gesehen
  • Zugänglichkeit: Flexible Besuchszeiten – auch außerhalb klassischer Zeiten
  • Unterstützung: Rückzugsräume, Informationsmaterialien, psychosoziale Begleitung

Nähe ist Medizin

„Die Angehörigen sind die Brücke zurück ins Leben“, sagt Bernd Poweleit, Pflegedirektion der Medius-Klinik Ostfildern-Ruit. „Wir wollen nicht, dass Angehörige vor der Tür stehenbleiben. Wenn ein geliebter Mensch auf der Intensivstation behandelt werden muss, ist das auch für die Angehörigen eine emotionale Ausnahmesituation. Wir wollen, dass sie sich als Mitbetroffene gesehen, verstanden und eingebunden fühlen.“

Die Klinik hat zahlreiche Maßnahmen umgesetzt, um Angehörige aktiv einzubinden: So erhalten alle Angehörigen einen Begrüßungsflyer mit allen wichtigen Informationen. Sie können rund um die Uhr anrufen, um sich nach dem Zustand ihrer Liebsten zu erkundigen. Es gibt einen Aufenthaltsbereich als Rückzugsort sowie die Möglichkeit, im Krankenhaus zu übernachten. Interprofessionelle Gesprächstermine mit den Angehörigen finden in einem eigenen Besprechungszimmer statt, ebenso wie sogenannte Familienvisiten. Auch Kinder sind auf der Intensivstation ausdrücklich willkommen. Psychosoziale und seelsorgerische Angebote können bei Bedarf vermittelt werden.

Besonderen Wert legt die Klinik auf Schulungen und Fortbildungen für das gesamte Team zur Kommunikation und Gesprächsführung mit Angehörigen. Ziel ist es, Unsicherheiten abzubauen – sowohl bei den Angehörigen als auch im Behandlungsteam.

Wie das im Alltag aussehen kann, zeigt das Beispiel des fünfjährigen Jonas (Name geändert). Seine Mutter wurde nach einer großen Bauch-OP auf der Intensivstation behandelt, ihr Zustand war kritisch. Nach einem kindgerechten Vorbereitungsgespräch mit Pflegekräften durfte Jonas zu ihr ans Bett. Gemeinsam mit einer Mitarbeiterin der Seelsorge hatte er ein Bild gemalt und brachte es mit. „Als er auf dem Stuhl neben ihr saß und ihr erzählte, dass er heute seinen Lieblingsjoghurt gegessen hat, hatte selbst ich Tränen in den Augen“, berichtet eine Pflegekraft. „Man merkte, wie sich ihr Gesicht entspannte.“ Jonas’ Mutter konnte sich stabilisieren und ist inzwischen auf dem Weg der Besserung – die Nähe tat beiden gut.

Der Mensch im Fokus

„Wir leben diese Standards, entwickeln sie weiter und verankern sie in unserem Klinikalltag“, betont Bernd Poweleit. Denn eines ist klar: Auf der Intensivstation geht es nicht nur um Maschinen und Medikamente – es geht um Menschen. Und ihre Verbindung zueinander kann heilen helfen.

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