Geschichten aus der Klinik

Nürtingen eröffnet Deutschlands erstes Simulationszentrum für Kinderkrankenpflege

Mit dem Simulino geht die Berufsfachschule für Pflege Nürtingen einen bundesweit einzigartigen Weg: Als erste Einrichtung in Deutschland bietet sie ein auf die pädiatrische Pflege spezialisiertes Simulationszentrum.

NÜRTINGEN. Ein fiebriges Baby, ein röchelndes Kleinkind, eine aufgeregte Mutter – wer das neue pädiatrische Simulationszentrum „Simulino“ der Medius-Kliniken betritt, erlebt Szenarien, die wie echte Notfälle wirken. Doch in Wirklichkeit handelt es sich um hoch entwickelte Simulatoren: realitätsnahe Puppen, ausgestattet mit modernster Technik, die Atmung, Puls und sogar Schreien imitieren können. Ziel ist es, angehenden Pflegekräften den sicheren Umgang mit komplexen Situationen in der Kinderkrankenpflege beizubringen – ohne Risiko für echte kleine Patientinnen und Patienten.

Neue Perspektiven für die Ausbildung

Mit dem Simulino geht die Berufsfachschule für Pflege Nürtingen einen bundesweit einzigartigen Weg: Als erste Einrichtung in Deutschland bietet sie ein auf die pädiatrische Pflege spezialisiertes Simulationszentrum, das integraler Bestandteil der generalistischen Pflegeausbildung ist. Hintergrund ist die gesetzlich vorgeschriebene Praxiserfahrung in der Pädiatrie, die durch den Wegfall spezialisierter Kinderstationen vielerorts schwer umsetzbar ist. Das Simulino schließt diese Lücke – und bietet darüber hinaus neue Perspektiven für die Ausbildung.

„Wo Pädiatrie draufsteht, sollte auch echte Kinderkrankenpflege vermittelt werden“, erklärt Benjamin Richter, Leiter der Berufsfachschule für Pflege. In Nürtingen gelingt das nun mit einem dualen Konzept: Die Auszubildenden absolvieren ihre pädiatrischen Praxiseinsätze zur Hälfte auf der Wochenbettstation der Klinik und zur Hälfte im neuen Simulationszentrum. Zehn Tage lang trainieren sie dort unter realitätsnahen Bedingungen – von der Geburt über die Erstversorgung bis hin zu Notfällen bei Kleinkindern.

Angehende Pflegekräfte lernen an realitätsnahen Puppen den sicheren Umgang mit komplexen Situationen in der Kinderkrankenpflege. Foto: pm

Konzipiert wurde das Zentrum von einem interdisziplinären Team unter der Leitung von Rebecca Eller, Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin mit einem Abschluss in Medizinpädagogik, und Melanie Durner, Hebamme und Praxisanleiterin. Beide begleiten die Simulationen fachlich und pädagogisch: „Die Auszubildenden lernen hier nicht nur medizinisches Fachwissen, sondern auch Teamarbeit, Kommunikation und sicheres Handeln – Fähigkeiten, die im echten Klinikalltag entscheidend sind.“

Entscheidungsfähigkeit und Routine fördern

In der Simulation dürfen Fehler passieren. Die Teilnehmenden werden bewusst mit herausfordernden, teils seltenen Szenarien konfrontiert, um Entscheidungsfähigkeit und Routine zu fördern. Dabei wird auf ein hohes Maß an Authentizität geachtet: Von der kindgerechten Versorgung über das Absaugen von Schleim bis hin zum Messen von Vitalwerten – alles wird praxisnah und pädagogisch begleitet geübt. Die Resonanz ist bereits jetzt groß: Nicht nur die eigenen Auszubildenden profitieren, auch externe Pflegeeinrichtungen, Landkreisschulen und medizinische Partner können das Angebot nutzen. Erste Anfragen aus anderen Bundesländern – etwa aus Bayern – zeigen, wie hoch das Interesse an diesem innovativen Konzept ist.

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