Fachthemen und Expertenwissen
Prädiabetes erkennen – Frühwarnzeichen ernst nehmen: Experten der Medius-Kliniken klären auf
Prädiabetes ist ein Weckruf: Chefarzt Andrej Zeyfang aus Ostfildern-Ruit und die Nürtinger Oberärztin Gabriele Götz erklären, wie frühe Vorsorge und Lebensstiländerungen Diabetes verhindern und Gesundheit bewahren können.
NÜRTINGEN/OSTFILDERN-RUIT. Viele Menschen fühlen sich gesund – und leben dennoch mit einem stillen Risiko: Prädiabetes. Dabei handelt es sich um eine Vorstufe des Typ-2-Diabetes, bei der der Blutzucker bereits erhöht ist, aber noch nicht hoch genug, um die Diagnose „Diabetes“ zu stellen. Doch gerade in dieser Phase wäre Zeit zum Handeln. Denn wer frühzeitig gegensteuert, kann die Entwicklung stoppen – oder sogar umkehren.
Medizinisch spricht man von einem Prädiabetes, wenn bestimmte Grenzwerte überschritten werden: Der Nüchternblutzucker liegt zwischen 100 und 125 mg/dl, der sogenannte HbA1c-Wert – der den durchschnittlichen Blutzucker über drei Monate angibt – zwischen 5,7 und 6,4 Prozent. Auch ein sogenannter Glukosetoleranztest kann Hinweise geben: Wird dabei zwei Stunden nach dem Trinken einer Zuckerlösung ein Wert zwischen 140 und 199 mg/dl gemessen, liegt ein Prädiabetes vor. Diese Werte deuten auf eine gestörte Glukoseverarbeitung hin – sie sind Warnzeichen, keine bloßen Zufälle.
PD Dr. Andrej Zeyfang, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, Altersmedizin und Diabetologie an der Medius-Klinik Ostfildern-Ruit, erklärt: „Prädiabetes ist keine harmlose Vorstufe, sondern ein ernst zu nehmender Zustand. Wer ihn rechtzeitig erkennt, kann durch gezielte Lebensstiländerung viel erreichen – wer ihn ignoriert, riskiert eine chronische Erkrankung mit weitreichenden Folgen.“
Auch Dr. Gabriele Götz, Oberärztin und Leiterin des zertifizierten Diabetes-Zentrums in der Klinik für Innere Medizin, Rheumatologie, Pneumologie, Nephrologie und Diabetologie an der Medius-Klinik Nürtingen, bestätigt: „Wir erleben täglich, wie wertvoll eine frühe Diagnose ist. In der Prädiabetes-Phase haben wir noch sehr gute Chancen, gegenzusteuern – und das meist ohne Medikamente, sondern durch konsequente Veränderungen im Lebensstil.“
Tatsächlich zeigen große epidemiologische Studien, dass etwa jeder fünfte Erwachsene in Deutschland von Prädiabetes betroffen ist – oft ohne es zu wissen. Besonders tückisch: Meist verursacht Prädiabetes keine direkten Beschwerden. Symptome wie ständige Müdigkeit, Durst oder verschwommenes Sehen treten häufig erst auf, wenn bereits ein manifester Diabetes vorliegt. „Prädiabetes geht ohne entsprechende Maßnahmen meist in Diabetes über – rechtzeitiges Gegensteuern hilft, ein gesundes, langes Leben – also die Chance auf Longevity – zu erhalten“, so Dr. Zeyfang.
Den Bauchumfang im Blick haben
Doch es gibt Möglichkeiten, bereits zu Hause erste Hinweise auf ein Risiko zu erkennen. Ein besonders einfaches und zuverlässiges Maß: der Bauchumfang. Ein Umfang von mehr als 94 Zentimetern bei Männern beziehungsweise mehr als 80 Zentimetern bei Frauen kann ein Indiz für eine sogenannte viszerale Fettleibigkeit sein – also Fettansammlungen rund um die inneren Organe. Diese sind stark mit Insulinresistenz und damit auch mit Prädiabetes verknüpft. Eine Messung mit dem Maßband – etwa auf Nabelhöhe – kann also eine erste Einschätzung liefern. Wer zusätzlich familiär vorbelastet ist, sich wenig bewegt, übergewichtig ist oder bereits erhöhte Blutzuckerwerte hatte (zum Beispiel in der Schwangerschaft), gehört zur Risikogruppe.
„In der täglichen Praxis sehen wir häufig Patientinnen und Patienten, die erst bei einem Zufallsbefund – etwa im Rahmen einer Routineuntersuchung – erfahren, dass sie sich bereits in einem kritischen Stoffwechselzustand befinden“, sagt Dr. Zeyfang „Wir raten bei Risikofaktoren dringend zu einer hausärztlichen Abklärung, auch wenn keine Beschwerden vorliegen.“
Prädiabetes ist kein Urteil, sondern eine Chance
Dr. Götz ergänzt: „Viele Menschen unterschätzen das Risiko – und wir merken oft, wie erleichtert sie sind, wenn sie erfahren, dass man etwas tun kann. Prädiabetes ist kein Urteil, sondern eine Chance.“
Die gute Nachricht: Prädiabetes ist kein Schicksal. Studien zeigen, dass bereits moderate Veränderungen im Alltag das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, deutlich senken. Eine ausgewogene Ernährung mit weniger Zucker und Weißmehl, regelmäßige Bewegung – etwa 30 Minuten zügiges Gehen pro Tag –, ausreichend Schlaf und der Verzicht auf Nikotin sind entscheidende Hebel. Besonders wirksam ist eine moderate Gewichtsreduktion: Schon fünf bis sieben Prozent weniger Körpergewicht können die Blutzuckerwerte deutlich verbessern – in vielen Fällen sogar normalisieren.
Auch aktuelle Forschungsergebnisse geben Hoffnung. Dr. Götz erklärt: „So zeigen Studien des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung, dass eine gezielte Lebensstilintervention den gestörten Zuckerstoffwechsel wieder ins Gleichgewicht bringen kann.“ In der Praxis bedeutet das: Betroffene können durch ihre eigene Initiative die Entwicklung stoppen – ohne Medikamente, aber mit Ausdauer.
Dr. Götz betont: „Wir setzen im Diabetes-Zentrum Nürtingen stark auf Aufklärung und Motivation. Unser Ziel ist es, die Menschen dabei zu unterstützen, ihre Gesundheit wieder aktiv in die Hand zu nehmen – bevor es zu Spätfolgen kommt.“
Ein gesundheitlicher Wendepunkt – kein Endpunkt
Prädiabetes ist keine Diagnose, die Angst machen soll – sondern eine, die zur Aktion motivieren kann. In einer Zeit, in der immer mehr Menschen an Typ-2-Diabetes erkranken, kommt der frühen Erkennung und der gezielten Vorsorge zentrale Bedeutung zu. Wer jetzt handelt, schützt sich nicht nur vor Diabetes, sondern auch vor Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Nervenschäden.
„Ist die Gefahr erkannt und sind Betroffene gewillt, etwas zu tun, kann man mit Lebensstiländerungen dafür sorgen, auch beim Älterwerden gesund zu bleiben. Im Vitalcenter an der Medius-Klinik in Ostfildern-Ruit bieten wir strukturierte Trainings und individuelle Beratung an“, betont Dr. Zeyfang „Unser Ziel ist es, gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten diesen Wendepunkt zu nutzen – bevor aus einer Vorstufe eine chronische Krankheit wird.“
Dr. Götz fasst zusammen: „Prädiabetes ist ein Weckruf. Wer ihn ernst nimmt, kann nicht nur Diabetes verhindern, sondern langfristig gesünder leben.“
Ob mit dem Maßband, einem Selbsttest oder der Vorsorgeuntersuchung beim Hausarzt: Es lohnt sich, genauer hinzusehen. Denn Gesundheit beginnt oft mit einem kleinen Schritt – der entscheidend sein kann.
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