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Verkehrsberuhigung ja, aber in Wohngebieten

02.09.2021 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Timo Berger, Nürtingen. Zur Sommerserie „Nürtingen ganz nah – wir kommen zu Ihnen“.

Die Sommerserie „Nürtingen ganz nah“ der NZ fanden wir eine sehr gute Idee. Es fiel uns besonders auf, dass zu viel Verkehr das Hauptproblem vieler Wohnquartiere ist. Ob Kirchheimer Vorstadt, unser Kleintischardt oder das Rieth, überall dasselbe: zunehmender Durchgangsverkehr, keine Geschwindigkeitskontrollen, rücksichtsloses Parken, Parktourismus.

Der Nürtinger Stadtverwaltung scheint daran gelegen zu sein, möglichst viele Straßen für einen reibungslosen Verkehr anzubieten und wiegelt jegliche Forderung nach Verkehrsberuhigung ab. Die fortlaufende Verdichtung der Bebauung verschärft das Problem. Nur noch wenige kommen in den Genuss, ohne ständigen Durchgangs- und Parkverkehr wohnen zu können. Unsere Quartiere werden zwar wegen der Vielfalt der darin lebenden Bewohner immer wieder lobend erwähnt, aber nüchtern gesehen wird uns immer mehr die Last der schönen neuen Stadtentwicklung aufgebürdet.

Oberbürgermeister Fridrich fühlt sich offenbar nicht zuständig. Mit ein paar Experten der HfWU propagiert er die Verkehrsberuhigung der Innenstadt als große ökonomische und ökologische Chance. Man sperrt eine Straße im Zentrum, damit an Schönwettertagen abends gegessen, getrunken und gechillt werden kann, mit der Folge, dass der Verkehr in der Metzinger Straße und auch bei uns in Kleintischardt zunimmt.

Angeblich soll der Stadtbalkon die Innenstadt beleben. Die Bilanz hinsichtlich neuer Läden ist jedoch nicht berauschend: die Backstube Goll in der Rathausstraße wird Ende August schließen und einem Damenbekleidungsgeschäft in der Alleenstraße wurde wegen des Stadtbalkons gekündigt, weil man Gastronomie und keinen Laden wollte. Auch in der Fußgängerzone geht das Ladensterben weiter.

Wir sind gerne bereit, als Verkehrsteilnehmer Einschränkungen einer echten, umfassenden Verkehrsberuhigung zugunsten der Bewohner mitzutragen. Aber wir wehren uns dagegen, Leidtragende einer einseitigen Straßensperrung zu sein. Verkehrsberuhigtes Wohnen muss Vorrang vor einer verkehrsberuhigten Gastromeile haben. Eine attraktive Stadt zeichnet sich vor allem durch lebenswerte Wohngebiete aus.

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