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Leserbriefe

Einsatz des Westens war völlig sinnlos

02.09.2021 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Reiner Essl, NT-Reudern. Zum Artikel „Bundeswehrsoldaten kehren heim aus Kabul“ vom 28. August.

Nun standen seit 20 Jahren deutsche Soldaten mit der NATO und Amerika voran in Afghanistan, um den Aufbau einer Demokratie nach westlichem Vorbild in diesem zerrütteten Land zu etablieren. Demokratie ist im Islam ein Wort, das niemand versteht. Vor allem da Glaubensfanatiker wie die Taliban das Land mit Repressalien kontrollieren. Es gilt die Scharia und nicht der Wunsch von Ungläubigen wie den Christen. Als nun das Land 2004 eine eigene Verfassung bekam, war der Westen sich sicher, auf dem richtigen Weg zu sein. Es begann mit Scharmützeln der Taliban und entwickelte sich zu Kampfhandlungen. Das afghanische Militär zeigte keine Schlagkraft, somit hatte die westliche Allianz die gefährliche Last zu tragen.

Dieser Kriegseinsatz brachte den USA 2500 tote Soldaten und Kosten bis zu einer Billion Dollar. Auch unser Land musste seinen Tribut mit 59 toten Soldaten und 11,9 Milliarden Euro bezahlen. Dass der demokratische Aufbau zur Makulatur geworden ist, hat der amerikanische Präsident gesehen und den Einsatz seiner Streitkräfte beendet. Die afghanische Armee in ihrer Korruptheit ließ Biden keine andere Wahl zu, sie existierte in ihrer Stärke nur auf dem Papier, den Sold aber zahlte die USA. Somit konnten die Taliban ohne Gegenwehr bis Kabul marschieren. Der tödliche Einsatz des Westens war völlig sinnlos und man muss die Reaktion von Biden verstehen, dass kein amerikanischer Soldat sein Leben mehr riskieren sollte.

Dasselbe gilt auch für die Bundeswehr, sie musste ad hoc Afghanistan verlassen ohne ein Zeitfenster einzuhalten. Es war zu gegebener Zeit nicht ersichtlich, dass Afghanistan kein kampfbereites Militär hatte. Das afghanische Drama sollte zu denken geben, dass man im Vorfeld eruieren muss, wie eine Hilfe für ein Land aussehen soll, wenn ethnische und Glaubensfragen im Wege stehen. Es wird nicht leicht für Afghanistan werden, der Willkür der Taliban ausgeliefert zu sein. Auch stellt sich die Frage, ob solche Einsätze des Westens Sinn machen, um wertvolles Leben aufs Spiel zu setzen. Man sollte nicht vergessen, auch unser Land braucht durch die Hochwasserkatastrophe im Ahrtal Hilfe, die durch das Afghanistandrama überlagert wird.

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