Neubau Kinderhaus Rieth

Das ist das Haus vom Nikolaus in Nürtingen

Der Neubau des Kinderhauses Rieth ist ein Projekt für die Zukunft: Die Auswahl natürlicher, ökologischer Materialien und die flexibel gestaltete Architektur machen das Gebäude zu einer durchdachten Einrichtung, die sich schnell und unkompliziert an kommende Anforderungen anpassen kann. Ein zeitloses, ausgewogenes Gestaltungskonzept macht den Kindergarten zu einem lebendigen Ort.

NÜRTINGEN. Es wuselt, es tobt, es lacht und es ruft – seit Anfang des Jahres ist Leben eingekehrt in den Neubau des Kinderhauses Rieth in der Robert-Mayer-Straße in Nürtingen.

Seit 7. Januar werden hier 88 Kinder von 7.30 bis 13.30 Uhr in vier Gruppen betreut. Auf zwei Etagen und 800 Quadratmeter können die Drei- bis Sechsjährigen spielen, kreativ sein oder sich einfach mal zurückziehen, ein Buch anschauen oder sich ausruhen.

Handwerker und Firmen aus der Region

Das neue Kinderhaus ist ein Zusammenschluss des Kindergartens Rieth und des Kindergartens in der Rümelinstraße. Durch die Zusammenlegung ist auch ein neues Kollegium entstanden, das unter der Tandemleitung von Anke Wilpert und Kerstin Scheitenberger-Fritz arbeitet. Der Standort Rümelinstraße wurde aufgegeben. Für die architektonische Gestaltung sowie die Innenarchitektur des gelungenen Neubaus zeichnete das Team um Architektin Kerstin Nestel vom Studio Nestel verantwortlich. Viele Handwerker und Firmen aus der Region waren am Bau beteiligt. Die Stadt Nürtingen ist Trägerin der Einrichtung.

Geometrischer Gedanke

Die Architektinnen standen vor der Aufgabe, das bestehende Kindergarten-Gebäude in den Neubau zu integrieren. Denn dieses sollte erhalten bleiben. Der Grundriss des „Altbaus“ basiert auf der Form von gleichschenkligen Dreiecken, die sich zu Sechsecken formieren. „Diesen geometrischen Gedanken fanden wir toll, den wollten wir aufnehmen und weiterführen“, so Nestel. Besonders wichtig war zudem, dass „alle Planungsschritte mit Blick auf die Bedürfnisse der Kinder gestaltet werden“. Der Neubau, bewusst als Fünfeck konzipiert, trägt – „vielleicht nicht ganz zufällig“, wie Kerstin Nestel anmerkt – das Motiv des „Hauses vom Nikolaus“ in sich. Was Kinder als schräges Viereck mit aufgesetztem Dreieck zeichnen, findet sich hier in architektonischer Form wieder. Tatsächlich ist im Gebäude vieles schräg gedacht, aber nichts dem Zufall überlassen. Klare Linien strukturieren die Räume, ohne eine sterile Atmosphäre zu erzeugen.

Orientierung und Offenheit

So entsteht ein Umfeld, das Orientierung bietet und zugleich Offenheit ausstrahlt – ein Ort, an dem Kinder sich entfalten können.

Das offene Konzept des Kindergartens unterstützt diesen Anspruch. Während der Betreuungszeit bewegen sich die Kinder frei zwischen den verschiedenen Funktionsräumen und wählen ihre Aktivitäten selbstbestimmt aus.

Diese Offenheit wird im Zentrum des Gebäudes weitergeführt: Dort liegt das Atrium, das Spielhalle und lebendiger Treffpunkt zugleich ist und den gesamten Kindergarten miteinander verbindet. Hier trifft man sich zum gemeinsamen Austausch. Von hier aus ist der Blick frei bis unters Dach. Viel Oberlicht und bodentiefe Fenster bringen natürliche Helligkeit selbst an dunklen und trüben Januartagen herein. Von der Decke hängen riesige weiße Lampen in Form von Schäfchenwolken. Ruhige, zurückhaltende Farbtöne verbinden sich mit viel Holz und großen, teils bodentiefen Fenstern zu einer harmonischen, warmen Atmosphäre. Die vier Elemente Erde, Feuer, Wasser, Luft sind in den Farben Rot, Grün, Blau und Gelb vertreten. Und jeder dieser Farben ist ein Funktionsraum zugeordnet. Im roten Raum können die Kinder sich kreativ betätigen, im grünen gibt es Rollenspiele und im gelben Raum gehen kleine Tüftler und Tüftlerinnen beim Bauen und Konstruieren auf. Die Mini-Wasch- und Toilettenräume sind ebenfalls in diesen vier Farben gestaltet.

„Der blaue Raum ist cool“

Der Großteil der Kinder ist sich aber einig: „Der blaue Raum ist cool“. Denn dort gibt es eine Kletterwand, eine Rollrutsche und jede Menge Geräte, die die Bewegung und Mobilität fördern.

Auch nachhaltig punktet das Gebäude für die nächsten Generationen. So kam der wichtige Aspekt des ökologischen Bauens und der Rückführbarkeit der Materialien ebenfalls in den Fokus der Planungen.

Ein Gebäude für die nächsten Generationen

Die Konstruktion des Gebäudes ist als Holzrahmenbau ausgeführt, mit Holz-Massivdecken und einer Holzverschalung als Fassade. Dieses Bauen mit Holz ermöglicht eine weitestgehende spätere Trennbarkeit und Wiederverwertbarkeit der Materialien. „Es ist also ein Gebäude, das nicht nur für die Kinder von heute gedacht ist, sondern auch für kommende Generationen“, so Kerstin Nestel.

Der Neubau ist zudem so konzipiert, dass auf Bedarfsänderungen reagiert werden kann. Denkbar wäre beispielsweise, den Betrieb auf U3-Krippenplätze umzustellen. Mit nur wenigen Umbaumaßnahmen wäre dies dann realisierbar.

Das Dach wurde begrünt und mit einer PV-Anlage ausgestattet, welche rund 25.700 kWh pro Jahr erzeugt. Auch die Außenanlage ist ein Paradies für Kinder: Das parkähnliche Gelände verfügt über verschiedene Spielgeräte und eine große Wiese. Damit ist das Kinderhaus rundum und vom Atrium bis zum Dach ein Ort des Wohlfühlens, der Geborgenheit schenkt und Raum für Entwicklung öffnet.

Das Atrium ist das Zentrum im Kinderhaus. Es verbindet die Gebäudeteile miteinander und ist Treffpunkt wie auch Spielhalle. Foto: Ralf Just
Bodentiefe Fenster bringen viel Helligkeit in das Gebäude. Foto: Ralf Just
Über und unter den Wolken spielen. Foto: Ralf Just
Die Form des Nikolaus-Hauses macht auch an den Spiegeln in den Toilettenräumen nicht halt. Auch die dezenten Farben spiegeln sich im ganzen Haus wider. Foto: Ralf Just
Im gelben Raum kann gebaut und geschraubt werden. Foto: Ralf Just
Das ist das Haus vom Nikolaus. Foto: Ralf Just

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