Wendlingen

Kommentar: Weshalb der Angriff durch Schüler in Wendlingen Konsequenzen haben muss

Das gewaltsame Verhalten der Schüler ist alarmierend, dagegen müssen frühzeitig Grenzen gesetzt werden, meint Redakteurin Gaby Kiedaisch. Ein Kommentar zum Artikel: „An Wendlinger Schule: Ehrenamtlicher wird von Schülern mit Stein beworfen und beleidigt.“

Der Angriff von minderjährigen Schülern ereignet sich im Umfeld der Ludwig-Uhland-Schule. Foto: Ralf Just

WENDLINGEN. Ein Kind und zwei Jugendliche beschmeißen einen Mann mutmaßlich mit einem Stein. Obendrein beschimpfen sie ihn auch noch mit „Penner“. Ein verstörendes Bild, das Fragen aufwirft. Umso mehr, weil sich der Vorfall an einer Schule zugetragen hat, als die Schüler gerade Pause hatten.

Das Opfer, ein Mann, der in seiner Freizeit Müll aufsammelt, den andere weggeworfen haben. Er macht das ohne Auftrag, ohne Lohn, aus eigener Initiative, einfach deshalb, weil er in einer sauberen Umgebung leben möchte, so wie viele andere auch. Er ist sich nicht zu schade dafür, packt als Ehrenamtlicher an, wie auch an jenem Apriltag, als er außerhalb des Schulhofs mit Greifzange und Müllsack wieder mal unterwegs ist. Für die Stadtgesellschaft, für die Gemeinschaft, für uns.

Dass er beworfen und beleidigt wird, ist nicht nur eine körperliche Bedrohung. Es ist eine Missachtung unserer gesellschaftlichen Werte, ohne gegenseitigen Respekt. Ein solches Verhalten untergräbt das friedliche Zusammenleben.

Zu hart der Worte? Es sind doch bloß Kinder und Jugendliche. Die haben doch gar nicht gewusst, was sie da tun, könnte da der eine oder die andere den Vorfall als Bagatelle abtun. Noch schlimmer: Gerade dann wäre es verkehrt, einfach wegzuschauen. Denn was Hänschen nicht lernt, das lernt Hans nicht mehr.

Die Schule handelt richtig, wenn sie das Geschehen nicht unter den Tisch kehrt, sondern mit den Schülern ihr Verhalten gemeinsam aufarbeitet. Diesmal war Glück im Spiel, dass der Stein den Mann verfehlt hat. Das nächste Mal tut er das vielleicht nicht. Gewaltbereitschaft zeigt oft, dass es an Strategien zur Konfliktlösung mangelt. Hier ist unter Umständen nicht nur die Schule gefragt, Jugendlichen gewaltfreie Alternativen aufzuzeigen. Bei hartnäckigen Fällen und Uneinsichtigkeit geben die Schulgesetze Rückendeckung, indem der Schüler zeitweise aus dem Unterricht ausgeschlossen oder ganz von der Schule verwiesen wird.

Dass es erst gar nicht so weit kommen muss, haben die beiden Jugendlichen selbst gezeigt: indem sie sich beim Opfer entschuldigt haben. Aus freien Stücken, ganz ohne gedrängt zu werden, wie es scheint, haben sie die Gelegenheit wahrgenommen, dem Opfer ihr Bedauern persönlich auszudrücken. Ein erster Schritt in die richtige Richtung.

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