Altenriet
Wirt Aki ist überwältigt von Solidarität in Altenriet nach Großbrand
Der Pächter des abgebrannten Hasenheims zeigt sich über die Anteilnahme gerührt. „Ich lebe hier unter Engeln im Paradies“, sagt Jordanis Pligouris. Dass eine Spendenaktion fast 39.000 Euro eingebracht hat, macht ihn sprachlos.
ALTENRIET. Jordanis Pligouris, den alle nur Aki nennen, kann immer noch nicht ganz begreifen, was am 28. Dezember passiert ist. Die Gaststätte Albblick und damit auch das Vereinsheim des Kleintierzuchtvereins Altenriet sind an diesem Tag komplett abgebrannt. „Man könnte heulen“, sagt Pligouris bei einem Treffen im Rathaus mit Bürgermeisterin Patricia Mittnacht und Nachbar Thorsten Rumpp, der für Aki eine Spendenaktion initiiert hat. „Ich habe mein halbes Leben hier verbracht“, sagt Aki über die abgebrannte Gaststätte. Im April wären es 30 Jahre gewesen. „Ich habe jetzt erstmals zu Hause Kaffee getrunken“, sagt Aki. Das hört sich normal an, ist aber nicht normal für einen Wirt, der seinen Job liebt und dem die Gaststätte zur zweiten Heimat geworden war.
Wie es weitergeht? Das wissen derzeit weder er noch der Verein. „Die Brandruine ist noch nicht freigegeben“, sagt Bürgermeisterin Mittnacht. Es seien viele Fragen zu klären. „Das geht nur Schritt für Schritt“, sagt Mittnacht. Akis Wunsch: „Es wäre schön, wenn es wieder aufgebaut wird.“ Doch was soll er in der Übergangszeit machen? Ob es zum Wiederaufbau kommt, darüber ist derzeit noch müßig zu spekulieren. „Alle sind überfordert“, bringt es Pligouris auf den Punkt.
Nicht nur online wurde gespendet
„Die Gaststätte Albblick ist für die Altenrieter ein Stück Zuhause gewesen“, sagt Mittnacht. Auf dem Spielplatz neben dem Haus haben viele, viele Kinder gespielt, nicht nur, wenn sie aufs Essen gewartet haben. „Es war immer jemand da. Es war ein sicherer Spielplatz“, sagt der Gastwirt. Durstig sein musste kein Kind. Aki war spendabel und versorgte die spielende Schar mit Wasser oder auch mal Gummibärchen. „Es war ein schönes Miteinander“, sagt Mittnacht.
Dass es das Hasenheim nicht mehr gibt, schmerzt viele Altenrieter. Am meisten die Vereinsmitglieder, die tatkräftig beim Bau des Gebäudes mitgeholfen haben. „Es trifft die Leute“, sagt Rumpp. Die Wirtschaft sei eine „Begegnungsstätte“ gewesen. Das erklärt sicherlich auch, warum bei der von Rumpp ins Leben gerufenen Spendenaktion auf der Plattform „Gofundme“ für Aki mittlerweile fast 39.000 Euro zusammengekommen sind. Das Geld ist als Unterstützung für den Wirt gedacht. Dieser ist ob der Summe sprachlos: „Ich kann das nicht in Worte fassen. Ich bin einfach gerührt.“ Er hätte so etwas nie gedacht. Das Mitgefühl, das er erfahren habe, sei überwältigend. Und dann sagt er einen besonderen Satz: „Ich lebe hier unter Engeln im Paradies.“ Die Summe liegt sogar noch höher, denn nicht jeder hat online gespendet. Der ein oder andere stand auch plötzlich vor Akis Haus und drückte ihm ein Geldkuvert in die Hand, wie es jüngst die alten Herren taten.
Brezelgaigeln findet trotzdem statt
Und dann ist da noch die Geschichte mit dem traditionellen Brezelgaigeln. Die Kartenspieler waren zu Beginn eines jeden Jahres immer zu Gast im Hasenheim, der Erlös ging an unterschiedliche soziale Einrichtungen. Doch ausfallen lassen, das kam dieses Jahr nicht in Frage. Also wurden im Bürgersaal Karten geklopft und der Erlös in Höhe von 650 Euro gespendet. Zudem gab es noch eine besondere Dreingabe. „Ich hatte noch zwei Neujahrsbrezeln vor der Haustür liegen“, erzählt Aki.
Insgesamt 561 Spenderinnen und Spender haben Geld gestiftet, damit Aki ein wenig besser durch die erste schwierige Zeit kommt. „Wenn die Menschen dich nicht so mögen würden, hätte das nicht funktioniert“, sagt Rumpp. Er könne sich gut vorstellen, dass, wenn Helfer für das Abräumen der Fläche oder den Wiederaufbau gesucht würden, die Leute ihre Qualifikationen zur Verfügung stellten.
Der letzte große Brand war vor 30 Jahren
Das Thema wird den Ort noch eine Weile beschäftigen. „Wir müssen auch den Verein unterstützen“, sagt Mittnacht. Für sie sei es ihr erster großer Einsatz als Bürgermeisterin gewesen. Mittnacht war selbst viele Stunden vor Ort und hatte die Verpflegung der Einsatzkräfte übernommen. „Laut Feuerwehr war der bislang letzte große Brand vor 30 Jahren“, erzählt sie.
Die Spendenaktion soll laut Rumpp noch weiterlaufen. Schon jetzt ist aber klar: die Solidarität mit Wirt Aki ist gewaltig. Dieser ist dankbar, ob des Mitgefühls, das ihm zuteil wurde. Und etwas stolz können die Altenrieter auch auf sich sein. Die große Spendenbereitschaft zeigt: Um den Zusammenhalt muss man sich keine Sorgen machen.