Altdorf

Kommentar zum Skandalspiel: Schwarzer Abend für den Amateurfußball

Fußball-Kreisliga A, Staffel 2: Spiel des TSV Altdorf gegen die TSV Oberensingen II endet im Eklat. Gleich mehrfach kommt es zu heftigen Tumulten, Spieler bluten im Gesicht. Eine Aufarbeitung ist dringend erforderlich, findet Sportredakteur Julian Kaiser.

Ordner kommen in der ersten Halbzeit auf den Platz, doch nachhaltig beruhigt sich die Lage in Altdorf nicht. Foto: Julian Kaiser

Es war eine befremdliche Szenerie, die sich am Freitagabend in Altdorf bot. Drei Polizeiautos standen in der Einfahrt zum Sportplatz, dahinter reihten sich zwei Krankenwagen ein. Statt ausgelassenem Jubel über einen wichtigen Sieg im Abstiegskampf standen wenige Minuten nach dem Schlusspfiff mehr Polizisten als Spieler auf dem Platz. Eine Beamtin beobachtete in einiger Entfernung mit einem Polizeihund an der Leine die Situation. Klar ist: Was sich zwischen 20.05 und 21.35 Uhr auf den Altdorfer Wasen abspielte, hatte mit einem normalen Spiel der Fußball-Kreisliga A überhaupt nichts mehr zu tun.

Bereits die Szenen in der ersten Halbzeit hätten genügt, um von einem schlimmen Abend für den heimischen Amateurfußball zu sprechen. Dass sich nach einer unübersichtlichen Situation ein Zuschauer, fast die beiden gesamten Ersatzbänke samt der Verantwortlichen auf den Weg an den Ort des Geschehens machten und damit mehr zur weiteren Eskalation als zur Beruhigung der Situation beitrugen, geht über das hinnehmbare Maß an Emotionen hinaus. Wenn dann noch, wie am Freitagabend geschehen, mehrere Tätlichkeiten unter Spielern und sogar von Spielern gegen Zuschauer und andersherum hinzukommen, ist dies noch eine ganz andere Dimension – aber tragischerweise noch nicht der negative Höhepunkt des Abends.

Was sich nach dem 3:2 der Altdorfer abspielte, darf weder auf einem Fußballplatz, noch sonst wo einen Ort haben, gipfelte letztlich in purer Aggression und durch direkte körperliche Angriffe verletzte Spieler. Im Nachgang an die Partie werden sich nun beide Vereine Fragen gefallen lassen müssen. Eigene Zuschauer auf dem Platz, die dann auch noch auf Spieler losgehen, sind schlichtweg inakzeptabel. Einen Hauptschuldigen für die Geschehnisse auszumachen, wird nicht möglich sein. Beide Teams hatten ihre Anteile an der Eskalation, beide müssen sich ein Fehlverhalten ankreiden lassen. Daher sind die Vereine nun gefordert, aus diesem Abend ihre eigenen Schlüsse zu ziehen. Gegenseitige Schuldzuweisungen werden niemandem weiterhelfen.

Aufgeworfen werden muss aber auch die Frage, weshalb das Spiel nach den Vorfällen der ersten Halbzeit überhaupt fortgeführt wurde. Denn es war beinahe schon zu erwarten, dass die Situation bei jeder kleinen Unstimmigkeit komplett aus den Fugen gerät. In einem Handgemenge zwischen Ersatzspielern und Zuschauern, das der Schiedsrichter jedoch ignorierte, deutete sich dies bereits zu Beginn der zweiten Halbzeit an, gipfelte dann im Chaos nach dem 3:2-Siegtreffer. So müssen sich jetzt Sportgerichte und sogar die Polizei mit den Geschehnissen beschäftigen, die aus einer normalen Partie der Kreisliga A einen schwarzen Abend für den heimischen Amateurfußball gemacht haben.

Zur Startseite