Landkreis Esslingen
Kommentar zur Servicestelle Bürgerbeteiligung: Die Supernasen aus dem Staatsministerium
Die Werbekampagne der Servicestelle Bürgerbeteiligung ist ein schlechter Witz, findet der stellvertretende Ressortleiter Matthäus Klemke.
Die Servicestelle Bürgerbeteiligung hat in einem Punkt recht: Mit „Nase“ lassen sich tatsächlich unzählige Wortwitze kreieren. Entsprechend schwer fiel die Suche nach einer passenden Überschrift für diesen Kommentar. „An der Nase herumgeführt“, „Kein gutes Näschen bewiesen“ oder „Den falschen Riecher gehabt“ waren lange im Rennen. Am Ende fiel die Wahl auf die Anspielung auf den Klamaukfilm aus den 80ern. Das passt eigentlich ganz gut. Denn die Kampagne der Servicestelle wirkt am Ende selbst eher wie ein schlechter Witz.
Die Idee hinter der Servicestelle ist eigentlich gar nicht schlecht. Kommunen bei Streitfragen und Bürgerbeteiligung zu unterstützen, klingt erst einmal sinnvoll. Umso erstaunlicher ist allerdings die Entscheidung für diese Nasen-Kampagne. Denn statt seriös und kompetent wirkt das Ganze eher wie eine Mischung aus Werbegag und Fiebertraum einer Kreativagentur.
Vor allem die Homepage schießt dabei komplett übers Ziel hinaus. Kaum öffnet sich die Seite, springt einem eine riesige Nase im XXL-Format entgegen. Poren, Haare – alles in maximaler Nahaufnahme. Man klickt sich sogar durch die Nasenlöcher weiter. Dass keine Popel zu sehen sind, ist die einzige gute Nachricht.
Die Nase soll Aufmerksamkeit erzeugen, spielerisch und sinnlich wirken. Tatsächlich wirkt sie hauptsächlich unangenehm. Eine Servicestelle, die Konflikte in Kommunen lösen möchte, sollte vor allem eines: ernst genommen werden. Das konterkariert man hier erfolgreich.
Und dann ist da noch der Preis: 95.000 Euro. Während viele Kommunen inzwischen darüber nachdenken müssen, Hallenbäder, Büchereien oder Stadttickets für den ÖPNV zu streichen, wird hier Geld für überdimensionale Nasenbilder und Wortspiele ausgegeben. Das wirkt nicht kreativ, sondern schlicht unsensibel.
Natürlich darf Verwaltung auch mal kreativ sein. Aber zwischen kreativ und komplett daneben liegt eben doch ein Unterschied. Gerade beim Thema Bürgerbeteiligung geht es um Vertrauen, Fingerspitzengefühl und Glaubwürdigkeit – nicht um flache Wortspiele über „Stunk“ und überdimensionale Nasen.
Wer Bürgernähe vermitteln will, sollte vielleicht erst einmal darauf achten, nicht unfreiwillig komisch zu wirken.