Landkreis Esslingen
Kommentar zum Mietspiegel: 950 Euro für zwei Zimmer
Der qualifizierte Mietspiegel hat mit der Realität auf dem Wohnungsmarkt oft wenig zu tun. Gegen überhöhte Mietforderungen braucht es ein deutlich konsequenteres Vorgehen, findet der stellvertretende Ressortleiter Matthäus Klemke. Lesen Sie auch den Artikel „Mieterbund Esslingen-Göppingen kritisiert Ostfildern“.
. Eine neue Zwei-Zimmer-Wohnung in Oberensingen, 62 Quadratmeter – für 950 Euro Kaltmiete. Das ist ein aktuelles Wohnungsinserat aus Nürtingen. Genauso sieht die Realität auf dem Wohnungsmarkt aus – trotz qualifiziertem Mietspiegel. Schön, einen zu haben, aber wirklich viel bringt er offenbar nicht. Denn wo kein Kläger ist, da ist auch kein Richter. Und wer hat schon Lust, sich mit dem Vermieter anzulegen?
Dass der Mieterbund Druck auf Ostfildern ausübt und einen Mietspiegel fordert, ist dennoch richtig. Immerhin gibt er Mietern Vergleichswerte an die Hand. Dann merken sie wenigstens, wenn sie abgezockt werden. Für mehr reicht es in der Praxis allerdings nicht.
Bitter ist vor allem, dass Vermieter mit ihren hohen Mietforderungen häufig auch noch Erfolg haben. Auf dem angespannten Wohnungsmarkt findet sich immer jemand, der bereit ist, die überzogene Miete zu zahlen – entweder, weil er keine andere Wahl hat oder weil er es sich schlicht leisten kann. Gleichzeitig wird die Schlange vor dem Tafelladen immer länger.
Der Mietspiegel allein wird die Wohnungsnot nicht lösen und überhöhte Mieten nicht verhindern. Deshalb müssten Städte und Behörden viel konsequenter kontrollieren und gegen Verstöße vorgehen. Wer dauerhaft deutlich über der ortsüblichen Vergleichsmiete verlangt, darf nicht darauf vertrauen können, dass sich ohnehin niemand beschwert.
Solange Verstöße kaum kontrolliert und selten sanktioniert werden, bleiben qualifizierter Mietspiegel und die Mietpreisbremse für viele Betroffene genau das, was Kritiker seit Jahren sagen: ein Papiertiger.
Landkreis Esslingen | 22.05.2026 - 18:00
Mieterbund Esslingen-Göppingen kritisiert Ostfildern
Städte wie Nürtingen, Esslingen, Wendlingen und Aichtal haben schon lange einen qualifizierten Mietspiegel. Ostfildern sträubt sich. Jetzt erhöht der Deutsche Mieterbund den Druck auf die Stadt und Oberbürgermeister Christof Bolay. Lesen Sie auch den Kommentar „950 Euro für zwei Zimmer“.