Landkreis Esslingen

Kommentar zu möglichem Klinikzusammenschluss: Ein dickes Brett

Die Kliniklandschaft ist im Wandel. Die angedachte Fusion im Landkreis Esslingen könnte neue Möglichkeiten eröffnen, meint Redaktionsleiter Kai Müller.

Die Medius-Kliniken, hier die Notaufnahme in Nürtingen, und das Klinikum Esslingen denken über einen Zusammenschluss nach. Foto: Markus Brändli

LANDKREIS ESSLINGEN. Es ist nicht so, dass das Klinikum Esslingen und die Medius-Kliniken bislang nur getrennte Wege gehen. Schon jetzt ist man im regen Austausch und arbeitet zusammen, um die medizinische Versorgung im Landkreis Esslingen insgesamt hochzuhalten. Gerade wenn es um anspruchsvolle OPs geht, ist es absolut sinnvoll, sich auf einen Standort zu konzentrieren. Die Krankenhausreform hat sich gerade diese Bündelung mit ihren sogenannten Leistungsgruppen zum Ziel gesetzt. Damit soll die Qualität der medizinischen Versorgung erhöht werden, was sicherlich kein verkehrter Ansatz ist.

Ein guter Deal?

Es stellt sich dennoch die Frage, ob der Zusammenschluss mit dem Klinikum Esslingen gerade für die Medius-Kliniken ein guter Deal ist. Aus medizinischer Sicht eindeutig ja. Aber finanziell? Da stehen die Medius-Kliniken seit vielen Jahren deutlich besser da. Wenn das Klinikum Esslingen unter das Dach des Landkreises schlüpft, muss eben dieser, beziehungsweise indirekt wieder die Kommunen, auch dessen Abmangel übernehmen. Aber der Kreis ist eben auch dafür verantwortlich, eine funktionierende Krankenhausversorgung sicherzustellen. Die Stadt Esslingen leistet das bisher freiwillig. Dabei darf man nicht vergessen, dass wohl auch den Medius-Kliniken 2025 ein Defizit droht. Der Jahresabschluss liegt allerdings noch nicht vor. Der Ruf der Klinik-Geschäftsführer nach kurzfristigen Hilfen für die Kliniken ist seit einiger Zeit aber immer lauter geworden. Eben, weil sie die Zahlen genau im Blick haben.

Ein neuer Klinik-Riese?

Trotz allem bietet der Zusammenschluss in den Zeiten eines gewaltigen Umbruchs im Krankenhauswesen große Chancen. Schließlich entstünde ein Klinikverbund, der dann mehr Betten hätte, als beispielsweise das Universitätsklinikum in Tübingen. Es ist trotzdem gut, dass man genau überprüft, ob ein solcher Zusammenschluss wirklich tragfähig ist – und zwar auf allen Ebenen. Die Chemie zwischen den Beteiligten scheint schon mal zu stimmen, wie bei der Pressekonferenz deutlich wurde. Das ist zumindest ein guter Anfang.

Noch ist es viel zu früh zu sagen, was ein möglicher Zusammenschluss für die Patientinnen und Patienten im Landkreis bedeutet. Das ist aber am Ende entscheidend, und daran müsste sich der neue Klinikverbund im Falle eines Falles messen lassen. Doch das scheint allen Beteiligten bewusst.

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