Oberboihingen
Kommentar: Sinnvoller Ausbau sieht anders aus
In Oberboihingen wird im wahrsten Sinne des Wortes an den Bürgern vorbei gebaut.
OBERBOIHINGEN. Der Glasfaserausbau in der Region ist wichtig. Er ist überfällig. Und er ist die Grundlage dafür, dass Kommunen wie Oberboihingen digital nicht den Anschluss verlieren. Dass nun zumindest die Kirchrainschule von der Deutschen Telekom ans schnelle Netz gebracht wird, ist deshalb richtig. Und doch hinterlässt dieses Projekt einen schalen Beigeschmack.
Denn was hier entsteht, ist paradox. Für die Anwohner, insbesondere in der Steigstraße, klingt es fast wie Hohn: Eine mehrere Kilometer lange Trasse wird von Zizishausen durch den Ort gezogen, quert Hauptstraßen und Bahnstrecken – vorbei an Dutzenden Häusern, die seit Jahren auf schnelles Internet warten. Viele Haushalte in Oberboihingen hoffen seit Langem auf den Ausbau, der bislang ausbleibt. Und nun müssen sie mit ansehen, wie die Leitung direkt an ihnen vorbeiführt – ohne dass sie davon profitieren. Begleitet wird der Bau von Sperrungen, Lärm und Verkehrsbehinderungen.
Gerade vor dem Hintergrund, dass sich der flächendeckende Ausbau im Ort durch die Deutsche Glasfaser immer weiter verzögert, wiegt das schwer. Ob er in Oberboihingen überhaupt noch kommt, ist derzeit offen. Offiziell ist das Unternehmen zwar noch im Rennen. Doch aus Gemeinden wie Großbettlingen und Lenningen hat es sich bereits zurückgezogen. Und auch hier könnte der Ausbau, wenn es dumm läuft, ganz ausbleiben.
Dabei wäre der Schulanschluss eine Chance gewesen. Eine Chance, zumindest einzelnen Haushalten entlang der Strecke eine Perspektive zu bieten. Dass dies grundsätzlich möglich ist, zeigt das Beispiel der Unterboihinger Straße. Dort wird im Zuge der Sanierung der Glasfaserausbau der Telekom gleich mit Leerrohren vorbereitet.
Doch die Telekom allein dafür verantwortlich zu machen, greift zu kurz. Das eigentliche Problem liegt tiefer – in den Fördervorgaben. Sie sind gut gemeint, aber zu eng gefasst. Sie orientieren sich strikt an einzelnen Adressen statt an sinnvollen Ausbaukorridoren. Das Ergebnis ist ein Stückwerk, das weder wirtschaftlich noch nachhaltig ist.
Denn jeder weiß: Das Teuerste am Glasfaserausbau ist nicht das Kabel, sondern der Tiefbau. Wenn Straßen ohnehin geöffnet werden, wäre es nur konsequent, zumindest Leerrohre für spätere Hausanschlüsse mitzuverlegen. Der Mehraufwand wäre überschaubar – der Nutzen dagegen erheblich.
So aber droht ein Szenario, das kaum vermittelbar ist: Heute wird gebaut, morgen vielleicht wieder aufgerissen. Und am Ende zahlt womöglich erneut der Steuerzahler.
Ein sinnvoller Glasfaserausbau sieht anders aus.
Oberboihingen | 07.04.2026 - 19:03
Glasfaser quer durch Oberboihingen – doch die Anwohner gehen leer aus
Der Glasfaseranschluss der Kirchrainschule rückt näher – doch die über zwei Kilometer lange Trasse quer durch Oberboihingen sorgt für Diskussionen. Trotz des Baus bleiben die Haushalte außen vor. Kritik entzündet sich vor allem an der strengen Förderlogik.