Nürtingen

Welchen Einfluss haben Spitzenkandidaten auf das Wahlergebnis?

Wie Menschen wählen, hängt von vielen Faktoren ab. Welche Rolle die Spitzenkandidaten dabei spielen, erklärt Frank Brettschneider, Kommunikationswissenschaftler an der Universität Hohenheim, in einem Gastbeitrag.

Am Sonntag, 8. März, entscheiden die Wählerinnen und Wähler, wer in den Stuttgarter Landtag einzieht. Foto: Adobe Stock/Dietmar

NÜRTINGEN. Der Wahlerfolg von Parteien hängt von vielen Faktoren ab: von den Parteien selbst, von ihren Spitzenkandidaten, von der politischen Stimmung im Land und im Bund. Die Spitzenkandidaten haben dabei eine besondere Bedeutung: Sie verleihen dem Programm ihrer Partei Gesicht und Stimme. Sie können Wählerinnen und Wähler überzeugen. Und sie können manchmal Schwächen ihrer Partei überdecken.

Spitzenkandidaten sind für den Wahlerfolg wichtiger geworden. Früher orientierten sich viele Menschen bei der Stimmabgabe an ihrer langfristigen Parteineigung. Der Anteil dieser Stammwähler wird jedoch von Wahl zu Wahl kleiner. Damit wächst die Bedeutung kurzfristiger Einflüsse, zu denen auch die Kandidaten-Bewertungen zählen. Für Parteien reicht es also nicht, ihre Stammwählerschaft zu mobilisieren. Zusätzlich müssen sie parteipolitisch ungebundene und unentschiedene Menschen von sich überzeugen – die Wechselwähler.

Klare Vorstellung eines idealen Ministerpräsidenten

Die Bedeutung von Spitzenkandidaten ist auch dann sehr groß, wenn es im Wahlkampf zwischen den Parteien keine besonders umstrittenen Themen gibt. Die Flüchtlingspolitik und der Klimaschutz waren die vorerst letzten Themen dieser Art. Im Landtagswahlkampf 2026 fehlen solche Themen bislang.

Vom idealen Ministerpräsidenten haben die Menschen vor der Landtagswahl übrigens eine klare Vorstellung: Er soll vor allem kompetent und vertrauenswürdig sein. Es folgen die wahrgenommene Entscheidungsfreude und Tatkraft. Im Vergleich dazu sind Bürgernähe und menschliche Sympathie etwas weniger wichtig – aber immer noch bedeutend. Am unwichtigsten sind die unpolitischen Merkmale. Über sie reden die Menschen zwar gerne mit Freunden oder Nachbarn – in der Wahlkabine spielen sie aber keine Rolle. Männer und Frauen haben übrigens recht ähnliche Idealvorstellungen. Das Gleiche gilt für die unterschiedlichen Altersgruppen.

Auch bei dieser Landtagswahl setzen Parteien auf Personalisierung

Parteien versuchen im Wahlkampf daher, von ihrem jeweiligen Spitzenkandidaten ein besonders positives Bild zu zeichnen. Sie rücken ihre Spitzenkandidaten auf Wahlplakaten, in Social Media, in Broschüren und in öffentlichen Auftritten in ein günstiges Licht. Aber das ist nicht neu. Personalisierte Wahlkämpfe hat es schon immer gegeben. Auch bei der Landtagswahl setzen fast alle Parteien auf ihre Spitzenkandidaten. Die SPD auf Andreas Stoch, die FDP auf Hans-Ulrich Rülke, die AfD auf Markus Frohnmaier und die Links-Partei auf ein Trio.

Am weitesten geht die Personalisierung bei den Grünen. Dort wird die Parteizugehörigkeit von Cem Özdemir auf Plakaten kaum kenntlich gemacht – eine kleine, unauffällig platzierte Sonnenblume bleibt der einzige Hinweis. Und aus der Zweitstimme, mit der man eigentlich eine Partei wählt, soll so eine „Özdemir-Stimme“ gemacht werden. Zwar steht auch bei der CDU ihr Spitzenkandidat Manuel Hagel im Mittelpunkt, aber die Partei ist ebenso sichtbar. Und so bleibt ein Rennen um die Ministerpräsidentschaft, bei der der „Berliner Polit-Promi“ Özdemir und der erfahrene CDU-Landespolitiker Hagel um die Gunst der Wählerinnen und Wähler werben.

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