Nürtingen
Kommentar zu Gleis 13: Ein schmaler Grat
Das Wohnbauprojekt am Nürtinger Bahnhof könnte doch noch scheitern. Das darf aber keine ernsthafte Option sein, meint Redaktionsleiter Kai Müller.
NÜRTINGEN. Der Schotterparkplatz an der Oberboihinger Straße ist derzeit kein Aushängeschild. Darin dürften sich alle einig sein. Doch, ob sich daran in naher Zukunft etwas ändert, steht derzeit mehr denn je in den Sternen. Das Wohnbauprojekt „Gleis 13“, einst mit vielen Vorschusslorbeeren gestartet, steht vor dem Aus. Die Vorstellungen von Verwaltung und Gemeinderat einerseits und dem Investor Sandro Camilli andererseits gehen derzeit zu weit auseinander. Zumindest verfestigt sich immer mehr dieser Eindruck, wenn man das jüngste Schreiben des Investors an die Mitglieder des Bauausschusses zurate zieht. War am Ende alles umsonst? Und ist es besser, nicht zu bauen, als zu hoch zu bauen? Das ist eine schwierige Frage, welche die Verwaltung und der Gemeinderat in Nürtingen klären und dann auch mit den Konsequenzen leben muss.
Was ist mit dem Workshop?
Es muss aber die Frage erlaubt sein, ob es klug ist, erst einen Workshop zu beschließen und dann zuvor bereits als Lösung einen „vorhabenbezogenen Bebauungsplan“ zu präsentieren. So stellt es zumindest der Investor in seinem Schreiben dar. Warum hält man sich in diesem Fall nicht einfach an das Prozedere? Klar, wenn es um größere Bauprojekte geht, ist es immer ein Ringen zwischen den Interessen der Stadt und des Investors. Oft findet man da aber einen Kompromiss. Im Fall von „Gleis 13“ wird Sandro Camilli seine Maximalforderungen nicht umsetzen können. Das ist gut so. Am Ende könnte es trotzdem heißen: Außer Spesen nichts gewesen. Doch das Nichtbebauen eines Areals, das heute eine Schlaglochwüste ist, kann eigentlich keine ernsthafte Option sein. Es bringt auch nichts, auf andere Wohnungsprojekte in Nürtingen zu verweisen. Die Wohnungen am Bahnhof werden benötigt. Darin war man sich lange Zeit auch einig, bevor die Debatte über zu massive Bauwerke begann. Warum die Kritik erst so spät laut wurde, ist auch eine spannende Frage, auf die es noch keine Antwort gibt. Es ist derzeit ein schmaler Grat, auf dem die Stadt Nürtingen und der Investor wandeln. Ein Absturz kann aber weder im Interesse des einen noch des anderen sein.
Nürtingen | 16.04.2026 - 16:00
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