Nürtingen
Kommentar: Stadttickets sind auch Stadtmarketing
Das kostengünstige Angebot an Busfahrten wurde abgeschafft, obwohl es die Anbindung der Orts- und Stadtteile stärken könnte, meint Redakteur Uwe Gottwald. Lesen Sie auch den Artikel „Nürtinger Gemeinderat schafft mehrheitlich das Stadtticket ab“.
Ab Beginn nächsten Jahres ist das Stadtticket für Nürtingen Vergangenheit. Argumente dafür und dagegen gab es viele, teils war die Diskussion im Gemeinderat auch emotional geprägt, sodass sie schließlich in eine namentliche Abstimmung mündete. Manche Argumente kamen jedoch gar nicht zur Sprache. Zum Beispiel die Anbindung der fünf Nürtinger Ortsteile. Da müssen doch manche Behördengänge oder Arztbesuche getätigt werden, weil die Infrastruktur im Ort selbst nicht vorhanden ist. Auch der Aspekt des Stadtmarketings kam zu kurz. Deshalb war bei der Einführung des Tickets vor gut fünf Jahren auch einmal daran gedacht worden, die Nürtinger Geschäftswelt finanziell für eine kostengünstige Erreichbarkeit der Innenstadt mit ins Boot zu bekommen, was jedoch nicht gelang.
Ob das Ticket von Menschen genutzt wurde, die ohnehin zum üblichen VVS-Tarif gefahren wären, dieses Argument eines Mitnahmeeffekts ist weder zu belegen noch zu entkräften, weil es dazu an Erhebungen fehlt. Zumindest darin waren sich der SPDler Medla und der CDUler Kunzmann letztlich einig. Streiten lässt sich auch darüber, ob der ÖPNV mit günstigen Angeboten mehr Autofahrern zumindest öfters mal schmackhaft gemacht werden kann. Ein Hinweis dafür ist die Vereinfachung und teilweise Vergünstigung des VVS-Tarifzonensystems im Regionalverkehr vor wenigen Jahren, was nicht ohne Erfolge blieb. Auch beim Stadtticket war das zunächst so, auch wenn die Zahlen dann wieder sanken, sich jetzt zumindest aber auf stabilem Niveau halten. Die Gewöhnung an den ÖPNV braucht für manche vielleicht einfach noch Zeit.
Wenn es um soziale Teilhabe geht, wäre ein Sozialticket, wie es Die Linke und die SPD im Kreis fordern, ein Weg, doch dafür fand sich bis jetzt keine Mehrheit im Tarifverbund. Das Stadtticket in Nürtingen war in dieser Hinsicht zumindest ein Anfang. Oberbürgermeister Johannes Fridrich bekräftigte, die Argumente von Befürwortern wie auch Gegnern des Stadttickets zu verstehen. Eine Abschaffung hielt er selbst jedoch in Zeiten steigender Kosten für Mobilität für das falsche Zeichen, weshalb er für das Ticket plädierte und stimmte.